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Rheinland-Pfalz: Mit dem Tourismus geht’s wieder aufwärts

Zahl der Besucher steigt deutlich an : Mit dem Tourismus geht’s wieder aufwärts

Rund sechs Wochen nach den Lockerungen in der Corona-Krise nimmt der Tourismus in Rheinland-Pfalz wieder Fahrt auf. Und zwar „nicht nur langsam, sondern mit guter Geschwindigkeit“, teilt die Rheinland-Pfalz Tourismus GmbH in Koblenz mit.

Die Zeit der Absagen und Stornierungen sei vorbei - die Nachfrage nach Tagestrips, Kurzurlauben und auch längeren Reisen steige stetig. Quer durchs Land werden besonders Outdoor-Aktivitäten verstärkt angefragt: Radfahren und Wandern stehen ganz oben auf der Liste.

„Raus in die Natur: Das ist jetzt das Thema im Deutschlandtourismus“, sagt die Sprecherin der Mosellandtouristik, Christiane Heinen, in Bernkastel-Kues. Man wolle wegen einer möglichen Ansteckung mit dem Coronavirus eben nicht dorthin zu reisen, wo die Massen sind. Gerade da sei Rheinland-Pfalz gut aufgestellt. Man könne auf Klettersteigen am Rhein wandern, im Hunsrück Mountainbike fahren, „Genussradeln“ an der Mosel machen oder den Eifelsteig und die Vulkaneifel erkunden.

„Tageswanderungen und Tagesradtouren sind derzeit am beliebtesten“, sagt die Sprecherin der Eifel Tourismus GmbH, Uschi Regh, in Prüm. Für eine „Re-Start-Kampagne“ nach der Zwangspause wegen Corona haben die dortigen Touristiker unter dem Motto „Wieder auf Tour“ eigene Angebote, auch mit Kurzurlauben, geschnürt. „Die Kollegen kommen kaum hinterher.“ Die Pakete würden sogar mehr angefragt als in 2019: „Die Leute suchen Sachen, bei denen sie sicher sind, wie es abläuft.“

Corona hat die Urlauber verändert. Neben dem Wunsch, unbedingt nach draußen gehen zu wollen, seien coronasicherere Übernachtungsorte wie Ferienwohnungen und Ferienhäuser deutlich stärker als sonst nachgefragt: Vor allem an der Mosel, in Rheinhessen und im Westerwald, sagt Jennifer Hauschild von der Rheinland-Pfalz-Tourismus. „Wir haben eine riesige Nachfrage“, fügt Heinen von der Mosel hinzu. Und: Familien fragten verstärkt an.

Großes Interesse gibt es auch am Urlaub mit Zelt und Wohnmobil. Bringen da die Urlauber doch ihre eigene Unterkunft gleich mit. „Die Menschen sind dankbar und froh, dass sie rauskönnen“, sagt Geschäftsführer Heinrich Lang vom Verband der Campingplatzunternehmer Rheinland-Pfalz und Saarland. Schon kurz nach der Corona-Zwangspause seien die Plätze in beiden Bundesländern sehr gut besucht gewesen. „Mancherorts gab es Engpässe, aber weggeschickt wurde keiner.“

Lang stellt mehr Inlandsurlauber fest. „Wir erleben verstärkt, dass etwa Menschen aus Oberbayern in Baden-Württemberg Urlaub machen statt in Österreich, und Menschen aus Baden-Württemberg reisen nach Rheinland-Pfalz. Wir entdecken eine völlig neue Klientel.“ E-Bike-Verleihstationen auch an den Plätzen sind sehr begehrt. „Wir haben eine höhere Nachfrage als im vergangenen Jahr“, sagt Peter Wilkes, Geschäftsführer von Eifel E-Bike, in Prüm.

Ein durchwachsenes Bild zeigt sich dagegen bei Hotels und Pensionen. „Manche sind schon wieder auf voller Fahrt, bei anderen ist es noch nicht wie vor Corona“, sagt Regh für die rheinland-pfälzische und nordrhein-westfälische Eifel. Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga beziffert den Ausfall für Gastgewerbe und Tourismus landesweit von Mitte März bis Mitte Mai auf rund zwei Milliarden Euro. 2019 zählte Rheinland-Pfalz fast zehn Millionen Übernachtungsgäste und knapp 26 Millionen Übernachtungen, beides waren Rekorde. Allein etwa acht Millionen Gäste kamen im vergangenen Jahr aus dem Inland.

Nun setzt man auf möglichst viele Urlauber aus Deutschland. Denn: „75 Prozent unserer Betriebe haben in den nächsten drei Monaten weniger als 50 Prozent Betten- und Zimmerauslastung“, sagt Dehoga-Landeschef Gereon Haumann. „Dem Sommermärchen der Fußball-WM 2006 sollte der Deutschlandurlaub 2020 folgen.“ Urlaub in einem Hotel in Deutschland sei eine „Gelegenheit, ein Stück weit Solidarität mit dem Gastgewerbe zu zeigen“, meint er. „Umsatz ist das beste Förderprogramm.“

Das Land nimmt zur Unterstützung des Tourismus auch Geld in die Hand. Das Konjunkturpaket vom Bund wird für Investitionen im Tourismus mit zusätzlichen Landesmitteln über 50 Millionen Euro ergänzt – das hatte das Wirtschaftsministerium in Mainz vor wenigen Tagen angekündigt.

Es gebe derzeit die Chance, Rheinland-Pfalz noch stärker als Wanderland zu positionieren, sagt Wanderpromi Manuel Andrack. Wandern habe einen neuen Schub bekommen: „Es sind unheimlich viele Neuwanderer da.“ Ob an Rhein, Mosel, in Eifel, Hunsrück, Pfalz oder an der Weinstraße: Rheinland-Pfalz habe tolle Wanderwege zu bieten. „Von der Breite und von der Vielfalt ist Rheinland-Pfalz einfach einzigartig in Deutschland, was Wandern angeht.“

Dass immer wieder neue Wege ausgewiesen würden, sei eine gute Sache, sagt Andrack. Wie beispielsweise ein neues Wegenetz rund um Pirmasens-Land: „Ich bin die Hälfte gegangen. Das ist echt der Hammer.“ Wanderer suchten immer wieder neue Wege. Denn auf manchen bekannten Premiumwegen herrsche derzeit viel Betrieb.

Mancherorts hätten Gemeinden daher Hinweisschilder aufgehängt, um den Wanderfluss nur in eine Richtung als Einbahnstraße zu lenken, wie auf der Traumschleife am Mittelrhein-Klettersteig in Boppard. Das mache durchaus Sinn, gerade bei Strecken mit vielen schmalen Pfaden.

Die Pfalz-Touristik versucht daher, beim Wandern, Spazieren und Radfahren vor allem, auf Geheimtipps und weniger stark frequentierte Ziele hinzuweisen - um Hotspots, die die Virusverbreitung womöglich befeuern, zu vermeiden. Generell gelte auch hier: Angebote in der Natur würde besonders angeboten und nachgefragt – da könne man die Abstandsregelungen besser einhalten.