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Rheinland-Pfalz ist Projektpartner von Ruanda. Dort gibt es viel zu tun

Rheinland-Pfalz weltweit : Viel zu tun im Land der tausend Hügel

Katja Gruber sorgt für enge Verbindungen zwischen Projektpartnern der besonderen Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und Ruanda. Doch die Corona-Krise hat auch Ostafrika verändert.

Der Flughafen von Kigali ist wegen der Corona-Pandemie geschlossen – und seitdem ist Katja Gruber von ihrem Mann getrennt. „Er fuhr im Februar zum Skifahren weg und dann kam Corona“, sagt die Leiterin des Koordinationsbüros des Partnerschaftsvereins Rheinland-Pfalz/Ruanda. Jetzt hofft sie auf ein Wiedersehen Anfang August, wenn der Flughafen der ruandischen Hauptstadt wieder geöffnet werden soll.

Hoffnung und ein gelassener Optimismus auch in schwierigen Zeiten gehören zu den Erfahrungen, bei denen Rheinland-Pfalz von Ruanda lernen kann. „Ich finde es beeindruckend, wie die Menschen mit Schicksalsschlägen umgehen, wie sie positiv in die Zukunft blicken und ihr Land voranbringen wollen“, sagt die gerade 50 Jahre alt gewordene Entwicklungshelferin in einem Video-Interview. Im Miteinander erlebe sie die Menschen in Ruanda etwas zurückhaltender als die Rheinland-Pfälzer, aber auch als besonders verlässlich. Mit Blick auf den nur 26 Jahre zurückliegenden Völkermord in Ruanda empfinde sie den Willen, den gesellschaftlichen Zusammenhalt und das eigene Leben voranzubringen, als sehr berührend.

Die Partnerschaft zwischen Rheinland-Pfalz und dem ostafrikanischen Land wird schon seit 1982 mit Leben erfüllt. In der Corona-Krise mussten mehrere Projekte vorerst auf Eis gelegt werden. Aber „das sind unsere Partner, in guten wie in schweren Zeiten“, sagt Innenminister Roger Lewentz (SPD). „Nach mehr als drei Jahrzehnten intensiver Partnerschaft zwischen den beiden Ländern, kann man sagen: Rheinland-Pfalz ist ein Teil von Ruanda geworden – und umgekehrt.“ Das Büro in Kigali sei dabei vernetzendes Element und Partner beider Seiten zugleich.

Rheinland-Pfalz hat für dieses Jahr Landesmittel von 1,3 Millionen Euro für Projekte in Ruanda bereitgestellt. Hinzu kommen Spenden für den Partnerschaftsverein, die sich zuletzt auf 2,3 Millionen Euro im Jahr beliefen. Wegen der zusätzlichen Herausforderungen in diesem Jahr gibt es die Hoffnung auf zusätzliche Spenden. „Es gibt einen eklatanten Unterschied zu dem, was wir an Belastungen erleben“, sagt Lewentz. „Dort geht es schnell an die Existenzfragen.“

Gruber kam im Oktober 2018 zur „Jumelage“ dazu, wie die Partnerschaft in Ruanda auf Französisch genannt wird. Mit einem Team von 15 bis 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bildet sie einen rheinland-pfälzischen Brückenkopf in Ruanda. Den besonderen Reiz der Partnerschaft sieht Gruber in der großen Vielfalt an unterschiedlichen Projekten. Ein Schwerpunkt ist die Unterstützung von Schulen. Daneben arbeiten beide Seiten aber auch in Sport-, Kultur- und sozialen Vorhaben zusammen. Das Partnerschaftsprogramm fördert Frauenkooperativen ebenso wie den Austausch zwischen Kommunen.

„Wir sind mit dem Büro in Kigali, aber den Großteil unserer Arbeit machen wir draußen auf den Hügeln“, sagt Gruber – schließlich wird das eher kleine Ruanda auch das „Land der tausend Hügel“ genannt. Zurzeit dreht sich viel um die für September geplante Wiedereröffnung der Schulen. „Es ist wichtig, dass es dann wieder losgeht“, sagt Gruber. Auf den Feldern sehe man zurzeit mehr Kinder bei Arbeiten mit der Hacke oder auf den Straßen beim Wasserholen. Für das digitale Lernen fehle in Ruanda weitgehend die Infrastruktur

Kürzlich habe sie mit dem ruandischen Bildungsministerium über die Vorbereitungen zur Wiedereröffnung der Schulen gesprochen. Es sei geplant, vor allem mit Mitteln der Weltbank bis September 22 000 Klassenräume neu zu bauen, damit die Kinder und Jugendlichen für den Unterricht auf mehr Räume verteilt werden könnten. „Rheinland-Pfalz hilft auch mit.“ Dabei gehe es auch um Hygienestandards für einen sicheren Schulbetrieb. „Bislang haben viele Schulen kein fließendes Wasser, da gibt es noch viel zu tun.“

Die Geografin Katja Gruber arbeitete bereits in Entwicklungshilfe-Projekten in Afrika. 2018 kam sie nach Ruanda. Foto: dpa/Partnerschaftsverein

Wo ist Ruanda ein bisschen rheinland-pfälzisch? Katja Gruber lacht und überlegt. „Im Vergleich zu anderen afrikanischen Ländern kann ich hier durchaus viele Dinge machen, die ich auch in Mainz und Umgebung gern mache.“ Als Beispiel nennt sie Wandern und Besuche in einem der Nationalparks. Inzwischen gibt es sogar einen zertifizierten Premium-Wanderweg nach dem Vorbild der „Traumschleifen“ an Nahe oder Hunsrück, der zum Königspalast von Nyanza führt. Da in der Corona-Zeit ausländische Touristen ferngeblieben seien, werde jetzt für den inländischen Tourismus geworben - Ruander dürften zu reduzierten Preisen in Nationalparks und in Hotelanlagen. „Man kann sich gut erholen und das Land entdecken, da ist Ruanda auf einem guten Weg zum Ökotourismus.“

(dpa)