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Zwischenstopp auf dem Weg nach Rio

Zwischenstopp auf dem Weg nach Rio

Auch ohne Diskus-Star Robert Harting wollen die deutschen Asse bei der EM ordentlich Selbstvertrauen für die Olympischen Spiele tanken. Die Abwesenheit der Russen dürfte beim Medaillensammeln helfen.

Diskus-Star Robert Harting schuftet zu Hause für seinen Traum vom Olympia-Gold. Doch die deutschen Leichtathletik-Asse wollen auch ohne ihren großen Anführer die EM rocken. In Abwesenheit der wegen systematischen Dopings gesperrten Russen sollen Kugelstoßer David Storl und Co. in Amsterdam ab heute ordentlich Medaillen sammeln, um mit Rückenwind in die heiße Phase Richtung Brasilien zu starten. "Wir sehen in der EM einen wichtigen Zwischenpunkt auf dem Weg zu den Olympischen Spielen in Rio", sagte Teammanager Siegfried Schonert: "Wichtig ist, auf einem hohen Niveau eine Leistungskontrolle durchzuführen."

Cheftrainer Idriss Gonschinska gab seinen Medaillen-Kandidaten für die Olympia-Generalprobe mit auf den Weg, "intensiv an der weiteren Formausprägung" zu arbeiten. Insgesamt schickt der DLV 101 Athleten nach Amsterdam .

Die EM ist wichtig, doch Olympia steht in dieser Saison für die Leichtathleten über allem. "Der Fokus ist klar auf Rio ausgerichtet", sagte Speerwerfer Thomas Röhler, der mit 91,28 Metern die Nummer eins der Welt ist. Auch Ex-Weltmeister Storl will seinen Titel erfolgreich verteidigen. Für den Leipziger geht es nach einem durchwachsenen Saisonstart aber vor allem darum, im Wettkampf Selbstvertrauen zu tanken.

Harting verzichtete wegen Rio gleich ganz auf die EM. Der Berliner will nach seinem Kreuzbandriss lieber im Training an seiner Form feilen. Dafür soll sein jüngerer Bruder Christoph für die Hartings die Fehde mit Polens Weltmeister Piotr Malachowski erfolgreich weiterführen.

Eine Medaillenprognose will der DLV nicht herausgeben, aber durch den Ausschluss der Russen sind die Erfolgsaussichten deutlich gestiegen. Die Werfer um Storl und Weltmeisterin Christina Schwanitz, Röhler sowie Betty Heidler sind immer für Medaillen gut, auch Läufer wie Homiyu Tesfaye (1500 Meter), Gesa Felicitas Krause, WM-Dritte über 3000 Meter Hindernis, oder Dreisprung-Entdeckung Max Heß hoffen auf Edelmetall.

Im Mittelpunkt des Interesses wird zunächst aber Julia Stepanowa stehen. Die Doping-Whistleblowerin, die die Enthüllungen des Dopingskandals in ihrer Heimat Russland ins Rollen gebracht hatte, darf wegen ihrer Verdienste im Anti-Doping-Kampf unter neutraler Flagge starten - erstmals heute im Vorlauf über 800 Meter (18.25 Uhr).
Raphael Holzdeppe sagt EM-Start ab

Ex-Weltmeister kann aber auf Sonderbehandlung für Olympia-Quali hoffen

Der frühere Stabhochsprung-Weltmeister Raphael Holzdeppe vom LAZ Zweibrücken muss mehr denn je um seinen Start bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro (5. bis 21. August) bangen. Wie der 26-Jährige und der Deutsche Leichtathletik-Verband am späten Montagabend mitteilten, wird Holzdeppe wegen muskulärer Probleme nicht an der Europameisterschaft in Amsterdam teilnehmen. Holzdeppe hat die Olympia-Norm von 5,70 Metern in dieser Saison noch nicht übersprungen.

"Leider stimmt es", twitterte Holzdeppe mit Blick auf seine Absage: "Ich werde aber weiter für Rio 2016 kämpfen." Bis zum Wochenende muss er nun auf anderem Wege die Norm knacken, am 12. Juli läuft die Nominierungsfrist ab. Bislang war Holzdeppe verletzungsbedingt noch nicht über 5,40 Meter hinausgekommen. "Raphi hat ein echtes Seuchenjahr erwischt", erklärte Alexander Vieweg, sportlicher Leiter des LAZ Zweibrücken, als er gestern von der EM-Absage erfuhr. "In Landau hat er über die 5,40 Meter einen guten Eindruck gemacht. Dann kamen leider wieder die Probleme mit dem Beuger."

Holzdeppe kann aber noch auf eine Sonderbehandlung durch den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) hoffen. "Im Falle eines freien Startplatzes werden wir uns im Sinne des Athleten einbringen", kündigte Cheftrainer Idriss Gonschinska an. "Ich würde ihn nicht ganz abschreiben." Mit den Leverkusenern Tobias Scherbarth und Karsten Dilla haben bisher zwei DLV-Athleten die Norm geknackt, drei Springer dürften theoretisch in Rio springen. Der DLV schlägt dem Deutschen Olympischen Sportbund Athleten für Brasilien vor, der DOSB übernimmt dann die endgültige Nominierung.

Zum Thema:Heute steht mit den 10 000 Metern der Frauen nur eine Entscheidung auf dem Programm. Die qualifizierte Sabrina Mockenhaupt musste ihre Teilnahme wegen der Vorstufe zu einem Ermüdungsbruch im Becken allerdings absagen. Für die Werferinnen um Titelverteidigerin Christina Schwanitz (Kugel), Hammerwerferin Betty Heidler und Diskus-Ass Julia Fischer geht es darum, die Qualifikation zu überstehen. Auch für die Speerwerfer Thomas Röhler und Johannes Vetter soll der erste Auftritt nur Durchgangsstation sein. sid