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Zweibrücker Triathlet Oliver Spurzem mit gelungenem Wiedereinstieg in St. Pölten

Triathlon : Der Körper weiß noch, wie es geht

Oliver Spurzem ist auf Kurs: Nach knapp zwei Jahren ohne Wettkampf hat der Zweibrücker Triathlet bei der Halbdistanz in St. Pölten vor allem im Laufen aufgetrumpft. Der Blick geht nun Richtung Ironman-EM in Frankfurt Mitte August, wo es auch um die erneute Quali für Hawaii geht.

Den Rennmodus wieder aktivieren zu können, diesen Moment hat Oliver Spurzem in den vergangenen Monaten häufig herbeigesehnt. Und so ist dem Triathleten nach dem Wettkampf im österreichischen St. Pölten noch am Montag, gerade auf der Heimreise im Auto irgendwo zwischen Nürnberg und Regensburg unterwegs, sogar durchs Telefon das breite Grinsen „anzuhören“. Zum Wiedereinstieg – sein letztes Rennen hat er 2019 beim Ironman auf Hawaii bestritten – war die Halbdistanz am Sonntag für Spurzem „schön – schön hart“. Auf dem Papier hätte er sich vielleicht eine bessere Endzeit als die 4:39 Stunden, eine etwas bessere Platzierung als Rang elf in seiner Altersklasse (M 40 – 44) erhofft. „Aber es war gut. Man muss die Zeiten ein bisschen differenzierter sehen“, erklärt der Zweibrücker.

Für die 1,9 Kilometer Schwimmen benötigte er 31:58 Minuten, die 90 Kilometer lange Radstrecke legte er in 2:38 Stunden zurück, den Halbmarathon zum Abschluss (21,1 km) in starken 1:20:54 Stunden. Gerade das Schwimmen in den 15 Grad kalten Ratzersdorfer und Viehofner Seen war eine Herausforderung. Nicht nur wegen des „sehr frischen“ Wassers, dass nach dem nicht vorhandenen Wonnemonat Mai noch kaum irgendwo aufgewärmt ist. „Wir mussten zudem zwischen den beiden Seen wechseln. 900 Meter in dem einen, dann springst du da raus, musst rüber rennen zu dem anderen und dort den Rest absolvieren – das hat wehgetan“, erzählt der 44-Jährige auch von dem unangenehmen Kieselpflaster auf dem Übergang. „Dieses komische Laufstück zählt zur Schwimmzeit dazu – rechnet man die Laufzeit weg, dann kommt in etwa die Schwimmzeit heraus, die ich mir vorgenommen hatte, so um die 28 Minuten.“ Auch den Profis sei das nicht anders ergangen, auch diese hätten länger als üblich gebraucht. „Von dem her bin ich zufrieden mit dem Schwimmen“, sagt Spurzem. „Da hab ich alles richtig gemacht, auch mit den Techniken, die ich gerade verwende, mit der Poolschwimmerei – das ist alles sehr zweckmäßig. Das heißt, es läuft.“ Und genau das zu sehen, war für den Zweibrücker nach der langen Wettkampfpause das wichtigste.

Beim Radfahren habe er sich dann „ein bisschen mehr Zeit gelassen“. Schon in der Wechselzone. Aufgrund der niedrigen Lufttemperatur hat er etwa die Zeit investiert, noch ein Trikot überzustreifen. Auf der 90-Kilometer-Strecke sei er dann „kontrolliert hart“ gefahren. „Ich habe geschaut, was der Körper schon kann, ohne, dass es sich für mich ganz schlimm anfühlt.“ Das habe gut funktioniert, obwohl „die Strecke echt nicht einfach ist“. Beim Erkunden am Vortag des Wettkamps herrschte auf dem ersten Abschnitt – einer gesperrten Autobahn – Rückenwind. „Da dachte ich noch, dass wird im Rennen eine Party.“ Doch am Sonntag kam es anders. Der Wind blies den Sportlern stetig von vorne ins Gesicht. Auch in den verwinkelten Weinbergen: „Wind, Wind, Wind.“ Auf dem Streckenteil entlang der Donau, „da war sowieso Wind“. Insgesamt sei das Radfahren aber okay gewesen.

Es folgte ein starker Auftritt in Spurzems Paradedisziplin – dem Laufen. „Das war schon auch eine anspruchsvolle Strecke, weil sie sehr winkelig ist. Hoch, runter, rechts, links, da wieder eine 90-Grad-Kurve, wieder abbremsen, wieder losstarten – wirklich nicht einfach“, erzählt der erfahrene Athlet, der mit dem Kurs durch die historische Altstadt St. Pöltens allerdings sehr gut zurechtkam. Bei einem Schnitt zwischen 3:57 und 4:00 Minuten pro Kilometer war er sehr konstant unterwegs, „auch hinten raus“. Was zu seiner neuen Halbmarathon-Bestzeit führte. Bislang hatte er über die 21,1 Kilometer 1:21:54 Stunde stehen – ohne Vorbelastung, also nicht in einem Triathlon. „Mit einer 1:20 für den Halbmarathon im Rennen bin ich doch sehr zufrieden.“ Zumal er sich nicht wirklich geschont habe im Schwimmen und Radfahren. „Ich bin aktuell wahrscheinlich in der Lage, den Halbmarathon, wenn ich ihn blank laufe, deutlich unter 1:20 Stunde zu schaffen – das ist schon geil“, ist wieder das zufriedene Grinsen zu spüren.

Wenn auch das kleine Fragezeichen bleibt, ob zehn, 15 Watt mehr beim Treten in die Pedale möglich gewesen wären, um einen Platz weiter vorne in seiner Altersklasse zu erreichen, fühle er sich insgesamt nach dem Rennen „echt gut“. Spurzem spüre zwar ein bisschen Muskelkater, „aber ich hab mich nicht komplett zerstört“. Er sei alle drei Disziplinen „kontrolliert hart“ angegangen, um zu sehen, „wie es läuft, wie es meinem Körper geht, ob ich das noch kann. Kann ich mich noch richtig verpflegen? Funktioniert das mit dem neuen Rad?“ Die Antwort: „Das passt alles. Das war ein guter Einstieg“, erklärt Spurzem, der vor der langen Rückfahrt aus Österreich am Montagmorgen noch schnell einen Coronatest machte, um bei negativem Ergebnis nach der Einreise nicht in Quarantäne zu müssen. Und so sitzt er nun schon wieder zu lockeren Einheiten auf dem Rad und schaut, was die kommenden Wochen bringen.

Denn nach dem Saisoneinstieg ist weiterhin Flexibilität gefragt. Eigentlich hatte der Zweibrücker bereits für Ende Juni die nächste Halbdistanz im österreichischen Kaiserwinkl ins Auge gefasst. Da nur eine Woche vorher seine zweite Corona-Impfung ansteht, lässt er den Start dort aber noch offen. „Die Anmeldung zu dem Rennen ist bis vier Tage vorher geöffnet, das müsste ich dann ganz kurzfristig entscheiden, wenn ich mich gut fühle – aber ich weiß nicht“, ist Spurzem skeptisch, ob der Körper das mitmacht. „Ich will ja, dass das richtig funktioniert im Körper“, will er nichts riskieren oder erzwingen, womöglich lieber ein Trainingslager einschieben. Offen ist auch weiterhin, ob noch Rennen mit dem Militär-Team anstehen. Klar ist hingegen, dass mit der auf 15. August verschobenen Ironman-EM in Frankfurt für der Zweibrücker die erste Langdistanz (3,8 km Schwimmen, 185 km Radfahren und 42,2 km Laufen) des Jahres ansteht. Dort soll es dann auch mit der erneuten Quali für Hawaii im Oktober klappen. Es wäre seine fünfte Teilnahme bei dem legendärsten Triathlon der Welt.

Bis dahin bleibt Spurzem recht entspannt. „Ich hatte ja jetzt ein Rennen“, das ihm Richtung Frankfurt gezeigt hat: „Ich bin auf Kurs.“ Das wichtigste sei, dass „der Bann gebrochen ist, dass man weiß, es gibt Rennen, es gibt Möglichkeiten“ – und vor allem, „dass man es nicht verlernt hat“.