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Zweibrücker Schwimmer und US-Student Moritz Bartels hält sich in Heimat fit

WSF-Schwimmer : Online-Kurse und Training in Nachbars Pool

US-Student Moritz Bartels hält sich in der Heimat in Zweibrücken fit. Für welchen Wettkampf ist für den Schwimmer der WSF Zweibrücken in der Corona-Krise dabei ebenso unklar, wie die Frage, ob er zum kommenden Semester zurück nach Michigan kann.

Die Welt ist aus dem Takt geraten. Der gewohnt Alltag ist in der Corona-Krise dahin. Das spürt auch Moritz Bartels nur zu deutlich. Eigentlich würde der Schwimmer der Wassrsportfreunde (WSF) Zweibrücken, der an der Grand Valley State University in Michigan studiert, gerade an der Uni in Allendale an den Semester-Abschlussprüfungen sitzen. Am Wochenende wollte er bei den US-Meisterschaften in Florida starten. Doch es kam anders.

Nach der Zuspitzung der Corona-Krise ging es plötzlich ganz schnell. Die Uni wurde am 11. März geschlossen, die Kurse sollten vorerst bis Ende März online laufen. Dann wurde auch das Training gecancelt. Und in Moritz Bartels wuchs die Unsicherheit. „Meine Eltern und ich haben überlegt, wie wir vorgehen sollen. Es war ja nicht klar, wie es weitergehen würde.“ Wie würde sich die Corona-Krise entwickeln? Würde es dann noch so einfach sein, aus den USA rauszukommen? Doch was ist mit der Uni und dem Training vor Ort? Viele Fragen schwirrten durch den Kopf. „Da es uns dann unwahrscheinlich erschien, dass die Uni Anfang April schon wieder öffnen würde, habe ich mich lieber dazu entschlossen, Heim zu kommen.“ Die richtige Entscheidung, wie sich zeigte.

„Mein erster Flug nach Chicago war noch total leer, in dem Flieger nach Frankfurt saßen dann aber sehr viele Austauschschüler und Studenten auf dem Weg in die Heimat.“ Die Ausreise verlief „glücklicherweise“ problemlos. Seit 18. März ist Bartels nun wieder in Deutschland. In Zweibrücken setzte er seine Uni-Kurse online fort, in dieser Woche – der Finals Week – standen die Semester-Abschlussprüfungen auf dem Programm. Statt im Hörsaal absolvierte der 21-Jährige auch diese vor dem heimischen Computer. Mit der letzten Prüfung am Donnerstag ist das Semester für Moritz Bartels nun beendet. Was danach kommt – ungewiss. Normalerweise geht es Mitte August an der Uni weiter. Und eigentlich wollte der 21-Järige dieses Mal noch länger in den USA bleiben und ein Praktikum absolvieren, im Mai dann zu einem Freund nach Australien fliegen. „Jetzt sitze ich hier ein bisschen blöd rum“, sagt Bartels etwas verdrossen.

Denn nach seiner Rückkehr nach Deutschland hatte er darauf spekuliert, in der Heimat noch irgendwo ins Wasser zu können. Doch auch hier waren bis dahin alle Sportstätten dicht. „Ich hatte gehofft, noch was zu finden, wo ich schwimmen kann, ich habe überall rumgefragt – aber keine Chance“, erzählt der deutsche Freiwassermeister von 2018. „Immerhin hat mein Nachbar einen Pool, der ist zwar nur zwölf Meter lang und sehr kalt – aber das ist besser als nichts“, erklärt Bartels lachend. Neben den kleineren Schwimmeinheiten versucht der Zweibrücker möglichst viel zu machen, um sich körperlich in Form zu halten. Auf Laufstrecken und mit dem Rad spult er einige Kilometer ab, auch das Athletiktraining kommt nicht zu kurz. Gerade die Einheiten im Becken fehlten aber.

Daher ist Moritz Bartels auch so zwiegespalten, was die Wettkampfabsagen und -verschiebungen angeht. „Es ist schwieriger, sich zu motivieren, wenn man kein konkretes Ziel vor Augen hat“, erklärt er. An diesem Wochenende wollte der Zweibrücker eigentlich bei den US-Meisterschaften in Florida starten, für die er sich qualifiziert hatte, dann bei den Australien Olympic Trials. „Ich hoffe, diesen Start im kommenden Jahr nachholen zu können“, bedauert Bartels, der sein Studium im April 2021 abschließen möchte, den Ausfall. „Sehr gerne“ wäre der WSF-Athlet zudem bei den deutschen Freiwassermeisterschaften in Strausberg Ende Juni ins Wasser gegangen. 2018 hatte er über die zehn Kilometer überraschend die gesamte nationale Konkurrenz hinter sich gelassen, im vergangenen Jahr jeweils als Vierter über die fünf und zehn Kilometer das Podest nur knapp verpasst. Den erneuten Angriff auf die vorderen Plätze kann Bartels für dieses Jahr abhaken. Anders als die Hallen-DM in Berlin, die vorerst als ausgesetzt gilt, sind die Freiwasser-Titelkämpfe bereits ersatzlos gestrichen. „Derzeit weiß keiner von uns, wie es weitergeht. Ich denke, bis August wird es keinen Wettkampf geben“, schätzt Moritz Bartels. „Auf der einen Seite ist es schlecht für mich, keinen Fixpunkt zu haben, an dem man sich festhalten kann, auf der anderen Seite ist es gut, dass jetzt nicht ganz schnell wieder ein großer Wettkampf kommt“, beschreibt er sein Gefühlsleben. „Ich bin jetzt seit gut fünf Wochen aus dem richtigen Wassertraining raus, und es braucht danach Zeit, wieder richtig fit zu werden.“ Die Vorstellung, nun im Juni plötzlich wieder in Wettkampfform sein zu müssen, wäre nur schwer umzusetzen. „Das würde schon sehr großen Stress bedeuten“, erklärt Bartels. Da sei es sicher sinnvoller, bis zum Herbst nochmal Zeit zu haben, im Training wieder was aufzubauen.

 An diesem Wochenende hätten für WSF-Schwimmer Moritz Bartels eigentlich die US-Meisterschaften auf dem Programm gestanden.
An diesem Wochenende hätten für WSF-Schwimmer Moritz Bartels eigentlich die US-Meisterschaften auf dem Programm gestanden. Foto: Privat

Doch nicht nur die fehlenden Kilometer im Schwimmbecken sowie die schwierige Saisonplanung beschäftigen Bartes derzeit, auch die weitere Entwicklung der Coronavirus-Pandemie behält er stets im Auge. Nicht nur in Deutschland. In Amerika lebt der 21-Järige in Allendale genau zwischen zwei Corona-Hotspots Chicago und Detroit. Der Blick geht daher immer auch in die USA, zu den dortigen Freunden. „Wir reden viel darüber, wie sich die Situation gerade entwickelt, wir alle sind gespannt, wie es weitergeht.“ Die große Frage dabei für Moritz Bartels, auch im Hinblick auf das derzeitige Einreiseverbot in die USA: „Für mich ist ja gar nicht klar, ob ich Mitte August zur Fortführung meines Studiums überhaupt zurück kann.“ Ob es gegebenenfalls möglich wäre, sein Studium von Deutschland aus weiter über Online-Kurse fort- beziehungsweise sogar zu Ende zu führen, darüber will Bartels gar nicht nachdenken. „Ich bin noch guter Dinge, dass ich zurück an die Uni kann. Da ich ja nicht der einzige Student aus dem Ausland bin, wird es aber so oder so sicher eine Lösung geben“, bleibt der 21-Jährige bei aller Unsicherheit zuversichtlich. Doch auch Moritz Bartels ist froh, wenn in seinen für gewöhnlich so klar durchgetakteten Tagesablauf wieder etwas mehr Normalität einkehrt.