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Zweibrücker Schwimmer Moritz Bartels versucht Optimismus zu bewahren

Schwimmen : Moritz Bartels sieht Silberstreif am Horizont

Die deutschen Langbahn-Meisterschaften fielen wegen Corona zwar ins Wasser. Seinen Optimismus will der Schwimmer der WSF Zweibrücken aber trotzdem nicht verlieren. Er hofft auf erste Wettkämpfe im Januar in den USA.

Moritz Bartels tritt zwar nicht auf der Stelle – für das Tempo, das der Langstreckenspezialist der WSF Zweibrücken für gewöhnlich im Becken und im Freiwasser anschlägt, läuft seine zaghafte Rückkehr zur sportlichen Normalität aber trotzdem quälend langsam. Und sie ist mit Rückschlägen verbunden. Nur wenige Tage vor Bartels' 22. Geburtstag am Mittwoch vergangener Woche wurde auch der Ersatztermin für die deutschen Hallen-Meisterschaften der Schwimmer, die an diesem Donnerstag in Berlin beginnen sollten, gestrichen. Dieses Mal ersatzlos. Davor waren bereits die Freiwasser-Titelkämpfe abgesagt worden. „Wenn man rational darüber nachdenkt, ist das die einzig richtige Entscheidung. Aber als Sportler fällt es im ersten Moment trotzdem schwer, das zu akzeptieren“, sagt Bartels und seufzt.

Zumindest das Training läuft für ihn wieder in geregelten Bahnen. Der deutsche Freiwassermeister von 2018 über 10 Kilometer darf seit einigen Monaten im Becken des Olympiastützpunktes in Saarbrücken wieder ins Wasser steigen. Zusammen in einer Gruppe mit Olympiateilnehmer Andreas Waschburger, der Schwedin Ellen Olsson und seinem WSF-Teamkollegen Nick Werner. Ein klarer Fortschritt im Vergleich zum Frühjahr, als Bartels sich lediglich im Gartenpool seines Nachbarn fit halten konnte. Und auch noch zum Frühsommer, als ihm zumindest wieder das – für Leistungsschwimmer allerdings viel zu kurze - Lehrbecken des Hofenfelsgymnasiums in Zweibrücken zur Verfügung stand. Nun trainiert er am Olympiastützpunkt wieder 23 bis 24 Stunden in der Woche, neun Einheiten im Wasser, fünf an Land. „Dass ich wieder sicher planen kann und dass eine Regelmäßigkeit reinkommt, war mir am wichtigsten“, sagt Bartels, der nach der langen Trainingspause rasche Fortschritte macht: „Die Ausdauer kommt zurück, die Kraft ist wieder da, ich habe im Wasser wieder ein gutes Gefühl“, sagt der Zweibrücker. Der aber einräumen muss: „Die Wettkämpfe sind das, wofür man als Schwimmer trainiert. Und da hänge ich wie alle anderen in der Luft. Wenn man jeden Morgen in der Dunkelheit aufsteht und nach Saarbrücken fährt, fragt man sich manchmal, auf welches Ziel man eigentlich hinarbeitet.“ Motivation und Ansporn in diesen Phasen zieht er aus seiner Trainingsgruppe: „Wir veranstalten kleine Wettkämpfe untereinander, pushen uns so gegenseitig.“

Und zumindest einen Silberstreif am fernen Horizont kann Bartels ausmachen. Denn im Januar könnten in den USA wieder Wettkämpfe stattfinden, weiß er. Spätestens dann möchte der 22-Jährige wieder in den Staaten sein. Auch weil dann das neue Semester an der Grand Valley State University in Allendale im Bundesstaat Michigan beginnt. Nach Möglichkeit möchte Bartels aber schon im Dezember wieder über den Atlantik fliegen. Dann steht ein Trainingslager seines Universitäts-Teams an, „da würde mich mein Trainer gerne endlich wieder drüben haben.“

Denn seit dem Frühjahr war Bartels nicht mehr in den USA. Aus Allendale, das genau zwischen den damaligen Corona-Hotspots Detroit und Chicago liegt, war er nach Zweibrücken zurückgekehrt. Das vergangene Semester seines Betriebswirtschaftsstudiums absolvierte er quasi im Home Office. „Ich hatte Glück, dass alle fünf Veranstaltungen, die ich belegt habe, auch online angeboten worden sind.“ Der heimische Schreibtisch statt des Vorlesungssaals – „klar war das eine Umstellung. Man muss sich selbst organisieren, selbst motivieren, aber ich habe meinen Rhythmus gefunden. Mit meinen Noten bin ich echt zufrieden.“ Optimal sei die Heimarbeit trotzdem nicht. „Man steht nicht mehr so oft in Kontakt mit den Professoren und den Mitstudenten. Die Vorlesungen schaue ich mir in der Aufzeichnung an. Das ist aber etwas anderes als vor Ort zu sein und direkt Fragen stellen zu können. Vieles fällt bei sechs Stunden Zeitverschiebung und mehreren tausend Kilometern Entfernung einfach schwerer“. Dennoch ist Bartels seiner Universität unheimlich dankbar. Nicht nur weil sie ihn in akademischer Hinsicht „unterstützt, wo es geht“, sondern auch, weil sein Sportstipendium trotz der unsicheren Corona-Zeiten weiterläuft.

Der Sport und die Ausbildung gehen bei Moritz Bartels ohnehin Hand in Hand. Das eine funktioniert nicht ohne das andere. „Schwimmen gibt mir Balance“, sagt der 22-Jährige, „ich würde durchdrehen, wenn ich den ganzen Tag nur studieren würde. Aber umgekehrt ist es genauso. Ich kann mit auch nicht vorstellen, neben dem Sport nichts anderes mehr zu tun.“

 WSF-Schwimmer Moritz Bartes bewahrt seinen Optimismus.
WSF-Schwimmer Moritz Bartes bewahrt seinen Optimismus. Foto: Privat

Die steigenden Infektionszahlen in Deutschland – aber auch die auf hohem Niveau stagnierenden in den USA – kann der Zweibrücker nicht ganz ausblenden. „Klar beschäftigt mich das, aber verrückt machen lasse ich mich davon nicht, ich kann die Entwicklung ja nicht beeinflussen. Seinen Optimismus werde er deswegen ganz sicher nicht verlieren, versichert Moritz Bartels. Und damit die Hoffnung, dass seine Rückkehr zur sportlichen Normalität schon bald an Tempo zulegen wird.