Zweibrücker Herbst-Renntag „Mister Virtuoso“ fliegt allen davon

Zweibrücken · Spannende wie hoch dotierte Rennen, Sonnenschein und zahlreiche Besucher sorgten in Zweibrücken für einen „Bilderbuch-Renntag“. Lediglich der Umsatz am Totalisator hätte bei rund 61 000 Euro höher ausfallen können.

 Hier ist Sieger „Solvio“ mit Stefanie Koyuncu noch in Lauerstellung und quasi von den beiden Pferden aus dem Stall Christian Peterschmitt eingekeilt. Rechts „Kingdom of Heaven“ mit Larissa Bieß im Sattel, links der Japaner Shuichi Terachi mit „Lonia“, der auf Rang drei ins Ziel kam.

Hier ist Sieger „Solvio“ mit Stefanie Koyuncu noch in Lauerstellung und quasi von den beiden Pferden aus dem Stall Christian Peterschmitt eingekeilt. Rechts „Kingdom of Heaven“ mit Larissa Bieß im Sattel, links der Japaner Shuichi Terachi mit „Lonia“, der auf Rang drei ins Ziel kam.

Foto: Norbert Schwarz

Vollkommen zufrieden blickt Klaus Wilhelm auf den Renntag am Sonntag zurück. Der Geschäftsführer des Pfälzischen Rennvereins Zweibrücken freute sich über die 3500 Besucher, die das Oval der Rennwiese säumten – der Hauptteil von ihnen auf der Tribünengeraden mit der Nähe zum Führring und dem Totalisator – sowie den „exzellenten“ Pferde-Rennsport, der in den neun sehr gut dotierten Läufen geboten wurde.

Der strahlende Gewinner im Großen Preis von Zweibrücken Fashion Outlet war der italienische Jockey Concetto Santangelo auf dem irischen Fuchswallach mit dem trefflichen Namen „Mister Virtuoso“ (wir berichteten kurz). Das Ausgleichsrennen III über 1800 Meter allein war mit 15 000 Euro dotiert. 7500 Euro gingen an den Sieger.

Dass „Mister Virtuoso“ dermaßen souverän über die Bahn fliegen würde, war dabei zunächst Kalkül gewesen. Seine Taktik verriet der 35-jährige Italiener, der sich in Deutschland in der großen Reitfamilie pudelwohl fühlt und auch die kleinere Bahn in Zweibrücken schätzt, noch beim Siegerinterview im Sattel des vierjährigen Fuchswallach, in bestem Deutsch: „Eine Gewinnchance hatte ich mir von Anfang an ausgerechnet, dass es zum Schluss dann mehrere Längen sein sollten, war nicht eingeplant“, erzählte er sichtlich zufrieden und fügte an: „Im Schlussbogen dann kam die Chance, die ich nutzte.“ Bei dem höchstdotierten Tagesrennen wurde bei der nachfolgenden Siegerehrung zugleich die begehrte Trophäe der Stadt Zweibrücken, der „Silberne Bügel“, vergeben. Diese bekommt von Stallbesitzer Klaus Groß aus Ottweiler (Stall OTW) nunmehr einen Ehrenplatz.

In dem Galopp-Rennen über 1800 Meter zuvor, mit einer Gesamtsiegprämie von 5100 Euro vom Hauptsponsor „Zweibrücken Fashion Outlet“ dotiert, hatte übrigens der stellvertretende Vorsitzende des Pfälzischen Rennvereins, Klaus Wilhelm, selbst allen Grund zur überschäumenden Freude. „Du bist ein Pferdenarr, hast, Pferde und lässt keins davon in Zweibrücken laufen?“ Solchen Fragen wollte sich Wilhelm nicht länger aussetzen. Daher hatte er diesmal rechtzeitig Kontakt zum bekannten Pferdetrainer Sascha Smrczek aufgenommen – und schnell stimmten diese überein, dass der dreijährige braune Wallach „Solvio“ den viele Zuschauern in der Westpfalz präsentiert werden soll. Daraus ist dann beim Renngeschehen ein spannender Dreikampf geworden, den der Herschberger Pferdezüchter Günter Schwab sowie Wilhelm schon im Vorfeld vorausgesagt hatten. „Solvio“ lieferte sich einen Fight mit den beiden Kontrahenten „Kingdom of Heaven“ und „Lonia“, die der Bottenbacher Rennstallbesitzer Christian Peterschmitt in den Lauf geschickt hatte. Die erfolgreiche Amateur-Reiterin Larissa Bieß und der Japaner Shuichi Terachi, beide für den Stall Peterschmitt Erfolgsgaranten, setzten sich auch gleich an die Spitze des Feldes. Bieß lieferte sich dann ein packendes Finish mit Stefanie Koyuncu, die auf „Solvio“ letzten Endes die Nase vorn hatte und triumphieren konnte.

 Die beiden Moderatoren Guido Göbel und Alexander Franke verstanden es einmal mehr, auch die weniger pferderennsportaffinen Zuschauer glänzend mitzunehmen. Begeisterungsfähigen Sport bekamen diese bei allen neun Rennen geboten, selbst dem für Polopferde, das bei diesem zweiten Renntag des Jahres erstmals überhaupt als „Einlagerennen“ auf der Zweibrücker Rennwiese zu sehen gewesen ist. Auch die Kurzdemonstration des Polospiels sei gut angekommen, wie Wilhelm betonte.

Einen Renntag, an dem alles zusammenpasst hat, haben der Ausrichter und die Besucher demnach in Zweibrücken erlebt. Pünktlich zum Start strahlte die Sonne über der Rennwiese, es herrschte Andrang an den Verpflegungsständen und Schattenplätzen. Lediglich der Zuspruch am Totalisator hielt sich mit einer Gesamtsumme von rund 61 000 Euro in Grenzen. Dabei wurden noch mehr als 20 000 Euro von außerhalb gewettet.

Zweibrückens Oberbürgermeister Marold Wosnitza sprach dennoch von einem „Bilderbuch-Renntag“. Alles habe gepasst, „alles war bestens vorbereitet, viele ehrenamtliche Helfer waren im Einsatz“ und nicht allein der Sport sei insgesamt stimmig gewesen, sondern auch das Geschehen rund um die Rennwiese. Ebenso wie das sattgrüne Geläuf.

Dass sich die Bahn trotz der großen Trockenheit in derart gutem Zustand befindet, sei nur dem besonderen Engagement der Verantwortlichen für die Pflege der Rennwiese zu verdanken. Das betonte am Montag beim Rückbau der vielen Stände, Zäune und Rennutensilien Geschäftsführer Klaus Wilhelm noch einmal, der insgesamt von einem „fabelhaften Renntag“ sprach.