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Zweibrücker Pferdesportler hoffen, demnächst ihre Turniere durchführen zu können

Pferdesport : Die Hoffnung stirbt zuletzt

Während viele Reiterhöfe der Region ihren Reitbetrieb bis zuletzt aufrecht erhalten haben, haben andere längst Schulungen und Training eingestellt. Viele hoffen, geplante Turniere durchführen zu können.

In der kleinen Reithalle auf dem Berghof-Einöd drehen vier Reitschüler wie gewohnt ihre Runden und erhalten Reitunterricht von Sieglinde Reitnauer. Die Hofherrin ist der Meinung, dass Kinder auch noch etwas Schönes haben müssen, wo so viele andere Vereine ihre Aktivitäten längst eingestellt haben. „Außerdem müssen die Pferde ja bewegt werden“, gibt die erfahrene Ausbilderin zu bedenken, „und das über den regelmäßigen Koppelgang hinaus“. Am liebsten würde sie draußen auf dem Reitplatz unterrichten. Da die Pferde nach dem langen, nassen Winter jedoch vor Frühlingsfreude sprühen, können die Reitstunden für Anfänger nur in der Reithalle stattfinden. „Das ist ein großer, bestens durchlüfteter Raum, der zufällig ein Dach hat“, sieht Barbara Ebel-Wolf aus Einöd keinen Grund, ihren Sohn Hagen vom Reitunterricht fern zu halten. Im Gegenteil. Die Mutter des Zehnjährigen ist überzeugt: „Bewegung und frische Luft hilft ja auch, das Immunsystem zu stärken.“ So ähnlich sehen – oder sahen – es viele Reitbetriebe in der Region. Auch der RSV Höheischweiler der Familie Fath. Die Pferdewirtschaftsmeisterin Bianca Fath sagt: „Wir haben einige Ausfälle, aber viele kamen bis zuletzt noch.“ Beim RFV Heidelsburg in Waldfischbach-Burgalben wird die Vorgehensweise täglich neu diskutiert. Dorkas Schatzmann erklärt: „Wir haben die Reitgruppen verkleinert und den Schulunterricht entzerrt.“ Außerdem werde darauf geachtet, dass die Reitschüler Abstand zueinander halten. Die Schulpferde hätten ihre Reitbeteiligung, sodass sie bewegt würden und genössen sonst einfach mehr Freizeit. Doch sowohl die geplanten Lehrgänge wie auch das Freispringen mit Reiner Neuhardt Ende März, das beliebte Osterfeuer am Ostersamstag oder das Reit- und Springturnier Ende April sollen nach Möglichkeit stattfinden. Die Hoffnung: „Vielleicht hat sich bis dahin alles schon wieder beruhigt.“

An den Maßgaben der Deutschen Reiterlichen Vereinigung FN hat sich der RFV Pirmasens-Winzeln orientiert. „Wir müssen die Schulpferde ohnehin bewegen lassen“, erklärt Reitlehrer Heiner Eitel, „dann können wir auch unterrichten“. In die 20 Mal 60 Meter große Reithalle dürfen laut FN bis zu sechs Pferde gleichzeitig. Allerdings dürfen die Reitschüler lediglich eine weitere Person mitbringen, die ihnen unter professioneller Aufsicht auch beim Aufsatteln und Auftrensen, dem Einstellen der korrekten Steigbügellänge oder beim Nachziehen des Sattelgurtes hilft. Das Reiterstübchen ist geschlossen, Platz auf er meterlangen Tribüne, ausreichend Desinfektionsmittel und eine Händewaschkontrolle vor Betreten des Stalls sind gesichert. „Wir lassen uns so weit wie möglich alle Optionen offen“, lässt Maximilian Müller, stellvertretender Vorsitzender des RFV wissen. Das gilt für den Reitbetrieb ebenso wie für das vereinsinterne Turnier am ersten Aprilwochenende oder die Ferienwoche. Entschieden wird situativ und kurzfristig. Das Frühjahrsturnier am Wochenende allerdings wurde abgesagt. Ebenso die Reit-AG mit Birgit Hohlweg. Die Gymnasial-Lehrerin ist zugleich im Vorstand des RV Einöd. Sie erklärt: „Dort haben wir alles abgesagt.“

„Wir würden unser Vielseitigkeitsturnier am ersten Juli-Wochenende gerne durchführen – wenn wir dürfen“, sagt Kerstin Müller. Nach dem großen Erfolg beim Debüt im Vorjahr plant der RSC Walshausen für diesen Sommer ein größeres Turnier, nämlich die Ausrichtung der Vielseitigkeits-Pfalzmeisterschaft. Der Vereinsvorstand plane „einfach einmal so, wie wir das sonst auch getan hätten“. Hoffnungsvoll war die Pädagogin, die an der IGS Contwig unterrichtet, bis zuletzt auch für die Möglichkeit, weiterhin zu Reitstunden auf andere Reitanlagen fahren und interessierten Reitschülern ihren Trainingsservice auf ihrer Privatanlage anbieten zu können. „So lange wir dürfen.“

Nach der Erklärung der Bundesregierung, dass für den Publikumsverkehr der Sportbetrieb auf und in allen öffentlichen und privaten Sportanlagen zu schließen sei, ist diese Hoffnung wohl dahin. Der Islandpferdehof Felsalbtal in Walshausen und die Familie Rubly im Landgestüt haben jetzt den Betrieb eingestellt. Hier wurde zuvor täglich diskutiert, in enger Absprache mit Gestütsleiterin Maren Müller und dem Pferdesportverband Rheinland-Pfalz. Da das Landgestüt auch eine Vorbildfunktion erfülle, ist Sandra Rubly „im Grunde froh über eine klare Regelung“. Einen ganz anderen Weg hat bereits vor dem finalen Aus der RFV Limbach eingeschlagen. Zwar ist der Reitbetrieb geschlossen, die Schulpferde dürfen sich auf den Koppeln tummeln, und doch lehrt der Verein weiter. Er setzt auf die modernen Medien. „Wir haben für alle, die sich auf den Pferdeführerschein vorbereiten, einen theoretischen Unterricht via Skype eingerichtet“, berichtet Hofherrin Heike Körner, Präsidentin des Pferdesportverbands Saar.