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Zweibrücken empfängt amtierenden Meister Heilbronn

Eishockey-Regionalliga : „Gute Einzelspieler werden nicht reichen“

Eishockey-Regionalligist EHC Zweibrücken empfängt am Sonntag den amtierenden Meister Heilbronn zum Heimspiel. Mit Rückkehrer Frederic Hellmann, der sich 2017 mit dem Titelgewinn aus Zweibrücken verabschiedet hatte, blasen die Hornets zur Jagd auf die Tabellenspitze.

Der EHC Zweibrücken hat sich im neuen Jahr mit einem Raketenstart im Kampf um die Tabellenspitze der Eishockey-Regionalliga Südwest zurückgemeldet. Durch die Siege am vergangenen Wochenende beim damaligen Spitzenreiter ESC Hügelsheim (6:5) und zu Hause gegen die EKU Mannheim (10:3) haben die Hornets nicht nur den Einzug in die Playoffs auch rechnerisch perfekt gemacht – sie trennt jetzt nur noch ein Pünktchen vom Platz an der Spitze.

„Wir haben in Hügelsheim in den richtigen Momenten die Tore geschossen, hatten immer die passende Antwort parat“, erinnert sich Frederic Hellmann an das Topspiel vor über 900 Zuschauern im Baden Airpark. Zwei dieser Antworten lieferte er selbst. Er erzielte die Tore zum zwischenzeitlichen 3:2 und 6:4. In der laufenden Runde war der gebürtige Kölner in seinen elf Einsätzen damit bereits an zwölf Treffern für den EHCZ beteiligt (vier Tore, acht Vorlagen). Eine stolze Ausbeute – insbesondere für einen Verteidiger. Aber: „Ich bin aus dem Alter raus, in dem mir solche Einzelstatistiken etwas bedeuten. Die haben für mich keinen großen Wert“, erklärt der 34-Jährige. „Ich denke, ich spiele eine solide Saison, aber das mache ich nicht an solchen Zahlen fest.“

Interessanter ist für Hellmann womöglich ein anderes Zahlenwerk: der Blick auf die Tabelle. Weil die beiden punktgleich Führenden – der Stuttgarter EC und Hügelsheim – in der Restrunde noch im direkten Duell aufeinandertreffen, haben es die drittplatzierten Hornets nach ihren jüngsten Erfolgen nun wieder auf dem eigenen Schläger, im Hauptrunden-Endspurt einen der ersten beiden Plätze zu erobern. Diese würden in den Playoffs, die als „Best-of-Five“-Serie ausgetragen werden, in einem entscheidenden fünften Spiel den wichtigen Heimvorteil bedeuten.

Weil vor der K.o.-Phase nur noch vier Hauptrundenspiele ausgetragen werden, könnte jeder Ausrutscher jetzt aber richtig teuer werden. Deshalb wollen die Zweibrücker am Sonntag um 18.30 Uhr in der heimischen Ice-Arena gegen den amtierenden Meister Heilbronner EC unbedingt den nächsten Sieg einfahren. Die „Eisbären“ liegen zwar nur einen Platz hinter den Hornets auf Rang vier – haben auf diese aber bereits 16 Punkte Rückstand. Die ersten beiden Duelle der Saison gewann der EHCZ – doch Hellmann schlägt warnende Töne an. Denn beide Partien waren enge Kisten. Im ersten Aufeinandertreffen Ende Oktober stand es sechs Minuten vor dem Ende noch 1:1, ehe die Hornets in der torreichen Schlussphase noch einen 5:2-Sieg herausschossen. Das zweite Spiel gewannen die Zweibrücker nach 0:3-Rückstand nach einer Aufholjagd im Penaltyschießen. „Heilbronn ist eine Mannschaft, die immer noch unterschätzt wird, obwohl sie letzte Saison Meister geworden ist und auch davor stets vorne dabei war. Es ist außerdem ein Team, das besser wird, je länger die Saison dauert“, weiß Hellmann, der zudem darauf verweist, dass drei Spieler der Eisbären auch im Kader der Heilbronner Falken aus der DEL 2 stehen. Einer davon ist Marco Haas, der Heilbronn in der Finalserie der vergangenen Saison mit überragenden Auftritten zur Meisterschaft über Stuttgart führte. Die Krux des amtierenden Meisters: Wenn die Spieler in der DEL2 eingesetzt werden, fehlen sie in der Regionalliga.

 Frederic Hellmann im Jahr 2017, in dem er mit den Hornets die Meisterschaft in der Regionalliga feierte
Frederic Hellmann im Jahr 2017, in dem er mit den Hornets die Meisterschaft in der Regionalliga feierte Foto: @ Marco Wille -Photographie/Marco Wille

„Das macht sie schwer ausrechenbar. Heilbronn hat in dieser Saison bislang eher enttäuscht – aber wenn sie es in die Playoffs schaffen, haben sie die gleiche Chance wie alle anderen Mannschaften auch“, sagt Hellmann. Eben diese Chance auf den Titel räumt er natürlich auch seinen Hornets ein. Und wie es mit der Meisterschaft klappt – das weiß Hellmann ganz gut. Denn schon von 2014 bis 2017 spielte er für den EHCZ und gewann in seinem letzten Jahr in Zweibrücken mit den Hornets den Titel. Der Gegner in der Finalserie: Heilbronn. „Das erste Spiel haben wir damals 4:1 gewonnen, da haben wir unfassbar verteidigt“, erinnert sich Hellmann, der auch von der gigantischen Stimmung, sowohl in Zweibrücken als auch in den Stadien der Gegner schwärmt. Was ihm vom Titelgewinn sonst noch in Erinnerung geblieben ist? „Die Meisterfeier – jedenfalls größtenteils“, flachst der 34-Jährige, der nach seiner Zeit beim EHCZ fünf Jahre lang für den EHC Neuwied auflief. Auch dort schnupperte er mehrfach an der Meisterschaft, konnte sie aber nicht mehr gewinnen. Einmal unterlagen die „Bären“ im Playoff-Finale. Und einmal verhinderte die Pandemie die Endspiele. „Es war trotzdem eine schöne, eine erfolgreiche Zeit“, sagt Hellmann. Mit Neuwied gewann er 2020 den Inter Regio Cup – eine Eishockey-Liga mit Teams aus Deutschland, Belgien und den Niederlanden.

Weil Hellmann vergangenes Jahr mit seiner Familie von Koblenz nach Mannheim umgezogen ist, steht er nun wieder für die Hornets auf dem Eis. Und hat mit seinem neuen alten Verein die Chance, erneut den Titel zu gewinnen, mit dem er sich 2017 verabschiedet hatte.

Hat sich seitdem bei den Hornets viel geändert?  „Pille Wolf ist jetzt nicht mehr mein Mitspieler, sondern mein Trainer. Das ist der größte Unterschied“, sagt Hellmann und lacht. „Aber viele Gesichter kenne ich noch. Mit Maxi Dörr und Tim Essig habe ich schon vor über 20 Jahren bei den Jungadlern Mannheim gespielt.“ Denen war der kleine Frederik 1999 im Alter von elf Jahren beigetreten. Mit dem Eishockey begonnen hatte er aber schon früher. „Inline-Hockey mit den Geschwistern vor der Haustür. Oder im Ski-Urlaub auf dem Eis. Das ist jetzt schon eine ganze Weile her“, erinnert sich der Verteidiger.

 Auch wenn die Hornets perfekt ins neue Jahr gestartet sind – Luft nach oben sieht Hellmann trotzdem: „Wir müssen weiter zusammenwachsen. Gerade weil im Winter Neuzugänge zu uns gestoßen sind, müssen die Abläufe sitzen. Wir haben gute Einzelspieler. Aber das wird nicht reichen. Es muss ein echtes Team auf dem Eis stehen. Wir sind in dieser Hinsicht auf einem guten Weg.“

Frederic Hellmann hat vor dem Spiel am Sonntag gegen Heilbronn zwar die defensive Stabilität als Schlüssel zum Erfolg ausgemacht. Wenn die Hornets aber den Sieg davontragen, weil seine Einzelstatistik nach der Partie wieder um einen Scorerpunkt reicher ist, könnte er damit bestimmt ebenfalls leben. Auch wenn er solchen Zahlen ja eigentlich keinen Wert beimisst.