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Zwei Wettkämpfe für Stabhochspringer Holzdeppe vom LAZ Zweibrücken

LAZ Zweibrücken : Hallen-Doppelpack für Holzdeppe

Fast auf den Tag genau zwei Jahre ist es her, dass Stabhochspringer Raphael Holzdeppe vom LAZ Zweibrücken das letzte Mal bei einem Hallen-Wettkampf angetreten ist. Nun greift der Weltmeister von 2013 bei zwei hochklassigen Indoor-Veranstaltungen binnen drei Tagen zum Stab.

(ski/mire/dpa) Wie oft Raphael Holzdeppe im Laufe seines Lebens die 4,50 Meter lange Glasfiber-Latte in der Dieter-Kruber-Halle übersprungen hat, wird er wahrscheinlich selbst nicht wissen. Doch weil Training und Wettkampf zwei verschiedene paar Schuhe sind, wird den Stabhochspringer des Leichtathletikzentrums (LAZ) Zweibrücken eventuell trotzdem ein ungewohntes Gefühl beschleichen, wenn er am Freitag beim Auftakt der „World Indoor Tour“ in Karlsruhe an den Start geht. Denn Holzdeppes letzter echter Wettkampf unter dem Hallendach liegt schon lange zurück. Verdammt lange sogar

Die Hallenrunde im vergangenen Jahr hatte der Zweibrücker mit Blick auf die Olympischen Spiele, die schließlich der Pandemie zum Opfer fielen, ausgelassen. Und 2019 musste Holzdeppe die Indoor-Saison wegen einer Verletzung frühzeitig abbrechen. Sein letzter Wettkampf in der Halle liegt fast auf den Tag genau zwei Jahre zurück – am 30. Januar 2019 ging der 31-Jährige in Cottbus an den Start. Dort übersprang er mit 5,65 Metern die Norm für die Hallen-EM in Glasgow, brach den Wettkampf wegen Schmerzen im linken Beuger aber vorzeitig ab. An der EM nahm er nicht mehr teil. Und seitdem – von Showveranstaltungen abgesehen – auch an keinem anderen Indoor-Wettkampf mehr.

Aber weil Olympia in Tokio auf den kommenden Sommer (23. Juli - 08. August) verlegt wurde, will Holzdeppe, der seit September keinen Wettkampf mehr bestritten hat, diesmal bereits in der Hallenrunde in den Wettkampfrhythmus finden. Nach zwei Jahre langer „Indoor-Abstinenz“ steht für den LAZ-Athleten nun gleich ein echter „Hallen-Doppelpack“ auf dem Programm. Am Freitag greift er in der Karlsruher Europahalle zum Stab – und am Sonntag nimmt er an der Premiere des Istaf (Internationales Stadionfest) Indoor in Düsseldorf teil, das im ISS Dome ausgetragen wird. Holzdeppes Konkurrenz wird in beiden Fällen hochklassig sein. In Karlsruhe misst er sich mit „Sechs-Meter-Springer“ Piotr Lisek aus Polen und dem Halter des Meeting-Rekords Renaud Lavillenie. Der Franzose, mit dem sich Holzdeppe seit Jahren eine freundschaftliche Dauerfehde liefert, übersprang dort im Jahr 2016 bereits 5,91 Meter. Auch Lavillenies jüngerer Bruder Valentin ist in Baden-Württemberg am Start. Der DM-Zweite Torben Blech, Ethan Cormont (Frankreich), Matt Ludwig (USA), Cole Walsh (USA), Pawel Wojciechowski (Polen) und Ernest John Obiena (Philippinen) greifen ebenfalls zum Stab. „Nettes Starterfeld für ein Season Opening“, schrieb Holzdeppe bei Instagram. Und ergänzte: „Ich fühle mich großartig und kann es kaum abwarten, am Freitag in meine Saison einzusteigen.“

Das Teilnehmerfeld in Karlsruhe wird allerdings durch jenes in Düsseldorf noch einmal getoppt. Im ISS Dome bekommt es Holzdeppe am Sonntag mit dem schwedischen Überflieger und Weltrekordhalter Armand Duplantis und dem amtierenden Weltmeister Sam Kendricks (USA) zu tun. Auch Piotr Lisek und Torben Blech sind wieder am Start. Genauso wie Holzdeppes größter nationaler Konkurrent, der deutsche Meister Bo Kanda Lita Baehre (Bayer Leverkusen).

Doch am heutigen Freitag steht zunächst einmal Karlsruhe auf dem Programm. Das Meeting ist allerdings nicht nur für Holzdeppe von großer Bedeutung. „Ein Licht am Ende des Tunnels“ inmitten der Corona-Pandemie wolle der Wettkampf zum Auftakt der World Indoor Tour sein, teilen die Veranstalter mit. Denn allzu viele andere Startmöglichkeiten bieten sich den Leistungssportlern derzeit nicht. „Wir Athleten haben es im vergangenen Jahr noch viel mehr schätzen gelernt, dass es Angebote gibt. Das stimmt mich unglaublich glücklich und dankbar“, sagte die zweimalige Europameisterin und zweimalige WM-Dritte über 3000 Meter Hindernis, Gesa Krause. Die Topläuferin vom Verein Silvesterlauf Trier rennt in Karlsruhe die 1500 Meter. Der SWR überträgt das Meeting ab 18.40 Uhr im Livestream. Die 36. Auflage der Veranstaltung wird erstmals in ihrer Geschichte ohne Zuschauer stattfinden.

Der Wettkampf zum Start in die schwere Leichtathletiksaison gilt auch als erster Prüfstein auf dem Weg zu den Hallen-Europameisterschaften, die am ersten März-Wochenende in Torun (Polen) geplant sind. Und dann sollen ja auch noch die nationalen Titelkämpfe am 20./21. Februar in Dortmund ausgetragen werden. Dahinter steht freilich noch ein dickes Fragezeichen. Zumindest gebe es in dieser Hinsicht „positive Signale“ von der Stadt, sagt die sagte Chef-Bundestrainerin Annett Stein.

Am Sonntag in Düsseldorf geht dann auch Weitsprung-Weltmeisterin und Deutschlands Sportlerin des Jahres Malaika Mihambo von der LG Kurpfalz an den Start. Dort probt sie den Ernstfall auf dem Weg nach Tokio. „Solche Spitzen sind in den Belastungsreizen essenziell für die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele im Sommer“, sagte Mihambo. Mit langem Anlauf – 20 statt 16 Schritten – hofft sie wieder auf einen Sprung über 7 Meter.

Auch für Holzdeppe soll das Istaf Indoor, bei dem ebenfalls keine Zuschauer und nur „ein Minimum der für den Sportbetrieb erforderlichen Personen vor Ort sein dürfen“ ein Fingerzeig Richtung Olympia in Japan werden. Für den Zweibrücker, der die Olympia-Norm durch seine 5,80 Meter aus dem Jahr 2019 bereits erfüllt hat, wäre es nach Peking, London und Rio bereits die vierte Teilnahme an dem Großereignis. In London gewann er 2012 mit 5,91 Metern die Bronzemedaille. Seine Bestleistung von 5,94 Metern datiert noch von den deutschen Meisterschaften 2015 in Nürnberg. Und an eben dieser Leistung will der Weltmeister von 2013, der zuletzt verkündete, nach den Olympischen Spielen 2024 in Paris „definitiv“ seine Karriere beenden zu wollen, noch einmal kratzen. Auch wenn seine Bestleistung aus dem ungewöhnlichen Corona-Jahr 2020 lediglich bei 5,76 Metern liegt und ihn sein größter nationaler Konkurrent Lita Baehre um fünf Zentimeter übertraf, versicherte Holzdeppe in der Onlinesendung „Webtalkshow“, „dass es noch immer in meinem Körper steckt. Dass ich mindestens so hoch springen kann wie vor ein paar Jahren.“ Und dass er seine persönliche Bestleistung „definitiv nochmal angreifen“ werde.

Ein erster Indikator, wie hoffnungsvoll der Zweibrücker dieses Unterfangen im für einen Stabhochspringer fortgeschrittenen Alter von 31 Jahren angehen kann, liefert sein Hallen-Doppelpack in Karlsruhe und Düsseldorf. Und die zahllosen Male, die er im Laufe seines Lebens die 4,50 Meter lange Glasfiber-Latte in der Dieter-Kruber-Halle übersprungen hat, werden sicher dabei helfen, dass sich das ungewohnte Gefühl bei Raphael Holzdeppe trotz zwei Jahren Hallenabstinenz in Grenzen halten wird.

Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo will in Düsseldorf über sieben Meter springen. Foto: dpa/Jens Büttner
Der Weltrekordhalter im Stabhochsprung, Armand Duplantis aus Schweden, startet beim Istaf in Düsseldorf. Foto: AP/Martin Meissner
Sechs-Meter-Springer Piotr Lisek aus Polen nimmt an den Wettkämpfen in Karlsruhe und Düsseldorf teil. Foto: Jensen/dpa Foto: dpa/Rainer Jensen
Gesa Krause von Silvesterlauf Trier bestreitet in Karlsruhe das Rennen über die 1500 Meter. Foto: Zmijewski/PAP/dpa Foto: dpa/Tytus Zmijewski
Raphael Holzdeppes größter nationaler Konkurrent Bo Kanda Lita Baehre springt in Düsseldorf. Foto: ski/Svenja Hofer

 Der Auftakt der World Indoor Tour in Karlsruhe ist am Freitag ab 18:35 Uhr in kompletter Länge im Livestream des SWR zu sehen. Der Stabhochsprung mit Raphael Holzdeppe beginnt um 19.40 Uhr. Das Istaf Indoor in Düsseldorf wird am Sonntag ab 12 Uhr Livestream der ARD übertragen. Im TV soll zudem ab 14:35 Uhr in der ARD eine Zusammenfassung zu sehen sein. Der Stabhochsprung beginnt um 12.10 Uhr