Zahl der Schiedsrichter nimmt ab

Der deutsche Fußball steht vor einem Nachwuchsproblem im Schiedsrichterwesen: Ganze Ligen müssen auf Kreisebene bereits ohne Schiedsrichter auskommen, die rund 75 000 Unparteiischen reichen nicht mehr aus.

Rund 75 000 Schiedsrichter sind Woche für Woche im Einsatz, damit 1,5 Millionen Fußballspiele in ganz Deutschland Jahr für Jahr stattfinden können. Bei etwa 100 000 Spielen pro Wochenende reicht diese Zahl jedoch nicht aus, weshalb viele Schiedsrichter mehrere Spiele pro Woche leiten oder beispielsweise die untersten Klassen von Jugend- oder nicht aufstiegsberechtigten Seniorenmannschaften nicht mit offiziellen Schiedsrichtern angesetzt werden können. Die Zahl der Schiedsrichter ist damit in den letzten fünf Jahren um etwa zehn Prozent geschrumpft.

Die Vereine müssen, je nach Zahl ihrer Mannschaften und teilweise auch abhängig von deren Spielklasse, eine Mindestanzahl von Schiedsrichtern stellen. Stellen sie zu wenige ab, sind Strafgelder zu zahlen. Daneben gibt es weitere Strafen, die abhängig von der Differenz zum Soll und der Dauer der Unterschreitung des Solls sind, wie etwa Punktabzüge, Zwangsabstieg oder das Verbot der Ausrichtung von Turnieren.

Im Bereich des Südwestdeutschen Fußball Verbandes (SWFV) scheint die Welt bei den Schiedsrichtern - wieder - heil zu sein, zumindest, was die Zahl der Unparteiischen betrifft. Tobias Christ, Bundesliga-Assistent und SWFV-Referent für Schiedsrichter-Wesen, beziffert die derzeitige Zahl im Dachverband auf knapp 1600 Unparteiische und spricht von einer Stagnation in den letzten vier Jahren. Das sei eine erfreuliche Entwicklung, meint der 39-Jährige. Auch die Besetzung im Aktiven-Bereich, so der Regelhüter aus Münchweiler, bereite lediglich im Kreis Birkenfeld Sorgen. Etwas trüber sieht die Sache im Fußballkreis Pirmasens-Zweibrücken aus. Nach Angaben von Obmann Ralf Vollmar ist die Zahl der südwestpfälzischen Pfeifenmänner in den vergangenen vier Jahren von 130 auf 110 geschrumpft. "Die älteren Sportkameraden hören auf, die jüngeren können diese Verluste nicht auffangen", nennt der Mauschbacher Gründe für die wenig erfreuliche Situation. Das Schiedsrichteramt ist ein Ehrenamt. In Deutschland gibt es offiziell keine professionellen Schiedsrichter. Allerdings erhält ein Referee für seine Spielleitungen sogenannte Spesen (faktisch ein Entgelt), die je nach Landesverband und Spielklasse variieren. Der geringste Satz wird für Jugendspiele gezahlt, während bei Erwachsenen im unteren Amateurbereich etwa 22 Euro gezahlt werden.