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WSF-Schwimmer Michael Raje sammelt tolle Erfahrungen und Medaille beim EYOF

WSF-Schwimmer Michael Raje : Das internationale Debüt macht „Lust auf mehr“

Mit einer ganzen Ladung an unterschiedlichen Gefühlen ist Michael Raje von den Europäischen Olympischen Jugendspielen aus der Slowakei zurückgekehrt. Das Highlight für den Schwimmer der WSF Zweibrücken: die Bronzemedaille mit der Mixed-Staffel.

Kaum ist sein erster Einsatz im deutschen Nationalteam vorüber, schon vermisst Michael Raje die Starts, den Trubel und vor allem die Teamkollegen schon wieder. „Begeisternd und beeindruckend“, sind die ersten Worte, die dem Schwimmer der Wassersportfreunde Zweibrücken (WSF) zu den Erlebnissen beim European Youth Olympic Festival (EYOF) im slowakischen Banská Bystrica einfallen. Von der europäischen Multisportveranstaltung für talentierte Nachwuchsathleten zwischen 13 und 17 Jahren brachte Raje eine Bronzemedaille mit nach Hause, die ihn versöhnlich stimmt.

Denn „mit meinen Einzelstarts bin ich gar nicht zufrieden“, blickt der 16-Jährige auf die aufregende Woche in der Slowakei zurück. Über die 50 und 100 Meter Freistil war für den Zweibrücker jeweils im Halbfinale Schluss. Mit seinen Zeiten von 24,14 über die 50 (Persönliche Bestzeit 23,83 sek) beziehungsweise 52,93 Sekunden über die 100 Meter (PB 51,44 sek) blieb er ein gutes Stück über seinen Bestmarken. Dafür hat er aber auch eine Erklärung.

„Man hat wochen- und monatelang im Training Gas gegeben und dort gesehen, die Zeiten werden immer besser.“ Eigentlich sollte es dann im Wettkampf auch schneller werden. „Aber das Becken lag mir einfach nicht – wie vielen Athleten. Kaum einer ist an seine Bestzeit herangekommen“, erzählt der Schüler des Helmholtz-Gymnasiums. Auf der Startblockseite war das Becken etwa zwei Meter tief, auf der anderen nur 1,10 Meter. „Allein die Wende ist da echt schwierig mit meinen 1,92 Meter“, erklärt Raje lachend. „Man soll sich beim Wenden ja immer klein machen, das kann ich ab einem gewissen Punkt ohnehin schon nicht.“ Zudem habe er sich einfach nicht so wohl gefühlt in dem Becken. „Daher hat das nicht ganz wie erhofft funktioniert – außer natürlich in der Freistil-Mixed-Staffel“, schiebt er mit Stolz in der Stimme hinterher.

Zusammen mit Zara Selimovic (Dortmund), Klara Sophie Beierling (Berliner Wasserratten) und Simon Reinke (Essen) erlebte Raje sein Highlight der Jugendspiele: die Bronzemedaille. Und in den Staffeln war der WSF-Schwimmer auch mit seinen Zeiten zufriedener. Als Startschwimmer legte er die 100 Meter in 51,92 zurück, fast drei Sekunden schneller als im Halbfinale seines Einzelstarts, und übergab als Zweiter. „Das war okay“, sagt er und fügt an: „Es war mir da am Ende auch egal, ob wir jetzt Erster, Zweiter oder Dritter sind. Ich hatte vor dem Wettkampf nur gesagt: Eine Medaille will ich mit nach Hause bringen. Dann bin ich glücklicher als alles andere – und das bin ich jetzt“, beschreibt Raje das Gefühl, als er und seine Teamkollegen sich nach dem Rennen am Beckenrand jubelnd in den Armen lagen. Nur ganz kurz habe er danach gehadert, als er sah, „dass es gar nicht so viel Abstand war zu den beiden Ersten. Aber am Schluss war mir das so was von egal.“ Denn dieses erste internationale Edelmetall ist ein ganz besonderer Erfolg.

Mit einer zweiten Medaille hätte es beinahe in der 4x100-Meter-Lagenstaffel der Jungs geklappt. Aber eben nur fast. Und so verließ Raje mit einem enttäuschten Kopfschütteln am Abschlusstag die Schwimmhalle. „Das Kopfschütteln galt nur mir selbst. Ich dachte, dass ich nicht die Zeit geschwommen bin, die ich mir erhofft hatte“, erklärt er und fügt lachend an: „Als ich dann gehört habe, dass ich eine 56,6 geschwommen bin, war es wieder gut. Das war nur zwei Zehntel über meiner Bestzeit. Das war für den letzten Wettkampftag, wo man ja schon einige Strecken in den Knochen hatte, gar nicht so übel. Ich dachte halt nur, weil der Franzose mich noch eingeholt hat, dass ich sau langsam gewesen wäre. Dabei ist der Schmetterling-Spezialist – da war ich gar nicht so schlecht“, sagt Raje, dessen Paradestrecke eher die Bruststrecken sind, der sich im Training vor dem EYOF aber gezielt auf die 100 Schmetterling vorbereitet hatte. Die ersten 50 der 100 Meter ist der Zweibrücker im Finale dabei fast schneller angegangen als seine 50-Meter-Bestzeit. „Ich habe dann gemerkt, dass es an keinem von uns lag, sondern die anderen Nationen in dem Moment eben einfach schneller waren.“ Dennoch grämt er sich etwas mit dem vierten Rang, für den es eben nur Blech gibt. „Ich sage immer: Wenn ich nicht aufs Treppchen komme, dann gib mir alles ab Platz fünf, aber nicht diesen verdammt undankbaren vierten.“ Am Ende sei der EYOF-Abschluss aber doch ganz gut zu verkraften gewesen. Mit der Bronzemedaille aus der Mixed-Staffel bereits im Gepäck.

Die erste internationale Medaille, die vielen Erlebnisse bei seiner Wettkampfpremiere im deutschen Team – Michael Raje hat Blut geleckt. „Schon von dem Zeitpunkt der Nominierung an, schon in der Vorbereitung wusste ich: Ich will jetzt öfter da hin.“ Und für den 16-Jährigen bietet sich möglicherweise mit der Junioren-Europameisterschaft (JEM) im kommenden Jahr erneut eine Möglichkeit. „Da hätte ich auf jeden Fall richtig Bock drauf. Es macht großen Spaß, sich mit internationalen Konkurrenten zu messen.“ Es habe Raje auch beruhigt, „dass ich im Vergleich zu den internationalen Nachwuchsschwimmern dann doch nicht so viel Abstand habe, dass ich gut mitmischen kann – das macht definitiv Lust auf mehr“.

Toll sei auch das Teamgefüge gewesen. Obwohl Raje die Nationalmannschaftskollegen nicht so gut kennt, wie die der WSF oder der SSG Saar Max Ritter, habe „die Harmonie extrem schnell gestimmt“. Schon beim Vorbereitungslehrgang in Heidelberg in den Tagen vor den Jugendspielen seien die deutschen Starter „super zusammengewachsen. Wir hatten da gleich super viel Spaß – und ich vermisse die jetzt alle schon wieder. Wir warten nur darauf, uns wieder bei einem Wettkampf zu sehen“, erzählt Raje von dem gelungenen Drumherum.

Das habe sich auch an der gegenseitigen Unterstützung in der Halle gezeigt. „Es ist schon ein besonderes Feeling, wenn dann so viel Stimmung für dich gemacht wird.“ Auch die deutschen Basketballer seien freitags „als wir“ – also Julia Ackermann (SC Chemnitz) über 800 Meter Freistil – „Gold gewonnen haben, in der Schwimmhalle gewesen und haben richtig Alarm gemacht“. Im Gegenzug waren die Schwimmer samstags beim Spiel um Platz drei bei den Korbjägern, die schließlich Bronze gewannen. Auch im Badminton erlebte Raje eine Bronzemedaille mit, im Judo war es bei der Mannschaft „leider der dolle vierte Platz“.

Dieses Gemeinschaftsgefühl zu erleben, sei schon etwas Besonderes gewesen. Ebenso wie die Unterbringung, quasi in einem Olympischen Dorf. „Das war schon alles so wie beim echten Olympia“, erzählt Raje mit Begeisterung in der Stimme. Auch andere Länder – Belgien, Österreich, Luxemburg – seien direkt in der Nähe gewesen. Mit einem Zimmerkollegen musste er sich mit einem weiteren Zweierzimmer das Bad teilen, „was auch sehr interessant war“, fügt er schmunzelnd an. „Es waren schon viele Gebäudekomplexe auf dem Gelände nah beisammen – und damit auch die vielen Nationen.“

Nervöser als bei einem „gewöhnlichen“ Wettkampf oder den nationalen Meisterschaften sei Michael Raje durch diese besonderen äußeren Umstände bei seinem Debüt für Deutschland nicht gewesen. „Ich muss sagen, auf diesem Wettkampf war nicht die Nervosität vorhanden wie etwa bei der DJM. Einfach, weil ich wusste, dass ich nur dann gut schwimme, wenn ich nicht so ultranervös bin.“ Also habe er sich gedacht: „Ich habe nix zu verlieren, ich bin dabei. Wenn es funktioniert, dann funktioniert es – und wenn nicht, dann eben nicht.“ Und letztlich sei er mit dieser Einstellung auch ganz gut gefahren.

Groß Zeit, Stadt und Land zu erkunden, hatte der Zweibrücker in der Slowakei nicht. „Dadurch, dass unser Tag so durchgetaktet war, ging das nicht. Es gab nur drei Dinge: schwimmen, essen, schlafen.“ Und obwohl sich das anstrengend und kraftraubend anhört, kann es Raje kaum abwarten, in die neue Wettkampfsaison zu starten. „Ich mache jetzt zwei, drei Wochen Pause. Die brauche ich auch wirklich mal“, sagt Raje, ergänzt aber gleich wieder mit einem herzhaften Lachen: „Eigentlich habe ich jetzt schon wieder Lust darauf.“ Die Motivation, weiter Vollgas zu geben und die nächsten nationalen wie internationalen Erfahrungen zu sammeln, die ist allemal da.