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VTZ Saarpfalz will Corona trotzen

Handball-Oberliga : Das Warten auf den Silberstreif am Horizont

Seit fast neun Monaten haben die Oberliga-Handballer der VTZ Saarpfalz kein Ligaspiel mehr bestritten. Das drückt auf die Stimmung. Der Verein steht vor großen Hürden – will sich aber nicht unterkriegen lassen.

Ob sich die Spieler und Verantwortlichen des Handball-Oberligisten VTZ Saarpfalz noch an den 8. März dieses Jahres erinnern können? So lange nämlich – also fast neun Monate ist es her, dass die Zweibrücker ihr letztes Ligaspiel bestritten haben.

Dass seitdem keines mehr dazugekommen ist, liegt natürlich vor allem an Corona. Aber auch an dem Stromausfall in der Rosenstadt am 2. Oktober, der die erste Partie der neuen Saison – die alte war im Frühjahr abgebrochen worden – gegen Aufsteiger TV Homburg verhinderte. Kurz darauf stiegen die Infektionszahlen wieder an – und die Runde wurde auf Eis gelegt. Auftauen wird sie in diesem Jahr nicht mehr. Frühestens am 10. Januar 2021 darf wieder gespielt werden, entschied die Technische Kommission des Handball-Verbandes Saar (HVS) Ende Oktober. Daran, dass dieser Termin zu halten sein wird, glauben die wenigsten. Anfang Dezember verkündete bereits die Spielkommission der dritten Liga, die unter den Profistrukturen des Deutschen Handballbundes zu Hause ist, ihre Spielpause zu verlängern, weil sie „keine realistische Chance“ sieht, Anfang Januar den Spielbetrieb wieder aufnehmen zu können.

Die VTZ Saarpfalz kämpft seit Monaten darum, sich den neuen Gegebenheiten anzupassen, Konzepte zu entwickeln und einen kleinen Um- und Aufbruch in die Wege zu leiten. Doch jedes Mal, wenn die Zweibrücker einen Silberstreif am Horizont erahnen, folgt die nächste Hiobsbotschaft. Einen Kaderumbruch wegen der vielen Zu- und Abgänge in der ersten wie zweiten Mannschaft in Zeiten von Corona zu bewerkstelligen, war eine Herkulesaufgabe. Dennoch zeigten sich die VTZ-Verantwortlichen kurz vor dem geplanten Rundenbeginn im Oktober durchaus zuversichtlich, dass das Unterfangen gelingen könne.

Doch mit der zweiten Pandemie-Welle und dem erneuten Lockdown brach eine viermonatige Vorbereitung in sich zusammen.

„Die Stimmung ist dadurch natürlich gedämpft. Jeder ist in ein Loch gefallen. Wir führen derzeit mit allen Spielern Einzelgespräche. Dabei geht es um die letzten Monate, aber auch um einen ersten Ausblick in die Zukunft“ sagt VTZ-Coach Kai Schumann, der sich wie sein Trainerpartner Philip Wiese die erste Saison von Beginn an sicherlich anders vorgestellt hat. Da trotz des offiziell im Januar geplanten Re-Starts kaum abzuschätzen ist, wann die Runde tatsächlich fortgeführt wird, ist das Training ausgesetzt. Die Hallen in der Rosenstadt sind für den Amateursport ohnehin geschlossen. Die Spieler bekommen derzeit aber auch keine Vorgaben, um sich individuell fitzuhalten. „Das soll im Moment jeder so handhaben, wie er es für richtig hält“, sagt Schumann.

Auch bei den Verantwortlichen ist die „die Stimmung niedergeschlagen“, sagt Klaus Biehl, der VTZ-Vorsitzende. Auch wenn es sich „ja leider schon vor einiger Zeit angebahnt hat, dass dieses Jahr nicht mehr gespielt werden kann.“ Biehl erklärt, dass er den Frust der Spieler der ersten Mannschaft vollkommen nachvollziehen kann. Es sei über Wochen und Monate ein enormer Aufwand betrieben worden, um wieder mit dem Handballsport beginnen zu können. Aber auch für den Rest des Vereins, insbesondere die Jugendspieler der VTZ, sei der erneute Lockdown ein schwerer Schlag. „Um die Jugendmannschaften und auch das Vereinsleben machen wir uns im Vorstand große Sorgen. Für junge Menschen ist die sportliche Betätigung als Ausgleich zur Schule sehr wichtig. Das fällt jetzt alles leider weg“, sagt Biehl.

Auch VTZ-Jugendkoordinator, Marek Galla gibt sich nachdenklich: „Die Situation ist für niemanden leicht. Für unseren Handballsport stellt sich die Frage, wie es später weitergehen soll. Ich befürchte, dass es auch im Januar noch nicht so weit sein wird, dass wir das Training wie im Sommer wieder vorsichtig aufnehmen können. Die Gefahr, dass uns ein paar Kinder verlassen, besteht definitiv.“

Auch Schumann glaubt nicht an den Start im Januar – darüber hinaus erachtet er ihn auch nicht als sinnvoll. „Egal wann es losgeht, es muss es einen Vorlauf von wenigsten zwei oder drei Wochen geben. Ansonsten sind Verletzungen vorprogrammiert“, warnt der Trainer.

Planungssicherheit für die aktuelle Runde – aber auch für die folgenden – gibt es weder für die VTZ noch für andere Sportvereine. Wichtige Einnahmequellen wie Eintritt und Verkauf bei den Heimspielen brechen weg. „Wir haben erhebliche Ausfälle. Wir haben die Saison aber konservativ geplant und mit solchen Rückschlägen gerechnet. Wir stehen deswegen ständig mit den Spielern in Kontakt. Es ist ein gutes gegenseitiges Einvernehmen. Die Spieler wissen, welche Schwierigkeiten der Verein hat, die Situation zu meistern“, sagt Biehl.

Der Vorsitzende der Handballer von der VTZ Saarpfalz, Klaus Biehl. Foto: Ulm Foto: Rainer Ulm

Ihr letztes Spiel vor rund neun Monaten gewann die VTZ Saarpfalz übrigens vor heimischem Publikum gegen die HSG Kastellaun/Simmern mit 30:26. Und auch wenn kaum abzusehen ist, wann der Handballsport wieder Fahrt auftauen wird, freut man sich bei der VTZ schon jetzt auf den Tag, an dem in der Westpfalzhalle endlich wieder Siege bejubelt werden dürfen.