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Vorbereitungsstart bei den Handballern vom SV 64 Zweibrücken

SV 64 Zweibrücken : Die Löwen wollen ihre „zweite Chance“ nutzen

Aufsteiger SV 64 Zweibrücken ist in die Vorbereitung auf die neue Saison eingestiegen. In der 3. Handball-Liga droht ein Mammutprogramm – sogar an den Weihnachtsfeiertagen könnte gespielt werden.

Eine kurze Ansprache von Trainer Stefan Bullacher, ein aufmunterndes Klatschen – und dann fällt für den Aufsteiger der Startschuss für das Abenteuer 3. Liga. Nach fast vier Monaten Corona-Zwangspause sind die Handballer vom SV 64 Zweibrücken am Montagabend in die Vorbereitung auf die kommende Saison eingestiegen. Ein wenig steif seien sie ja noch, flachste Trainer Bullacher, als er seinen 14-köpfigen Kader, der durch Talente aus der zweiten Mannschaft und der A-Jugend ergänzt wurde, von der Seitenlinie beobachtete.

Warmlaufen in wechselnder Geschwindigkeit, Gymnastik sowie Pass- und Wurfübungen standen bei der ersten Einheit zum „Rost abschütteln“ auf dem Programm. „Die Präzision fehlt noch. Die Jungs sind wohl selbst ein wenig erschrocken – aber das ist nach der langen Pause ganz normal“, bemerkte Bullacher.

Es war der lockere Einstieg, den der Trainer im Vorfeld angekündigt hatte. Die Spieler scherzten, lachten – und dennoch herrschte in der Ignaz-Roth-Halle auch eine gewisse Ernsthaftigkeit. Denn das große gemeinsame Ziel der Löwen, der Klassenerhalt, wird in der kommenden Spielzeit wohl so anspruchsvoll wie nie. Weil es in der Vorsaison wegen Corona keine Absteiger gab, muss nach der anstehenden Spielzeit voraussichtlich fast jede dritte Mannschaft den bitteren Gang in die Oberliga antreten.

Deshalb wird Bullacher die Daumenschrauben im Training in den nächsten acht Wochen auch sukzessive anziehen, um sein Team athletisch, taktisch und spielerisch für das insgesamt fünfte Jahr der 64er in der 3. Liga fitzumachen. Für die Mission Klassenerhalt ist der 51-Jährige prädestiniert. 2015 und 2016 schaffte er zweimal in Folge den Nichtabstieg in der dritthöchsten deutschen Spielklasse. Damit sich diese Erfolgsgeschichte wiederholt, setzt der Verein auf Kontinuität im Kader. Elf der Spieler trugen bereits als Junioren das Trikot der Löwen. Mit Torwart Alexander Dörr (VTZ Saarpfalz) und Tim Götz (TV Hochdorf) stoßen nur zwei externe Neuzugänge zur Mannschaft. Bei einer passenden Gelegenheit würde der Club eventuell noch einen Akteur verpflichten. „Wir sind aber nicht unter Zeitdruck, weil die 3. Liga noch nicht einmal auf dem Papier geplant ist. Das kann ein Vorteil sein. Bei vielen Vereinen muss gespart werden, manchmal tauchen dann unverhofft noch starke Spieler auf, die einen Club suchen“, weiß Bullacher. Die 64er stünden auch schon mit Spielern in Kontakt – die „perfekte Lösung“ habe sich aber bislang noch nicht herauskristallisiert.

Der ungewisse Saisonstart wirft bei den Zweibrückern – und allen anderen Drittliga-Vereinen – aber auch viele Fragen auf. Denn sie wissen bisher weder, wann die Saison anfängt, noch wie viele Staffeln es geben wird – und im Falle der 64er in welche sie eingeteilt würden. Damit einhergeht, dass die Löwen nicht abschätzen können, wie viele Spiele sie bestreiten werden. Bisher ist ein Ligastart im September oder Oktober angestrebt. Die finale Entscheidung der Spielkommission des Deutschen Handballbundes soll am 18. Juli fallen.

Durch die geografische Randlage der Zweibrücker im Südwesten Deutschlands wäre sowohl eine Einteilung in den Süden, als auch den Westen oder die Mitteldeutsche Staffel möglich. Der Süden würde Fahrten nach München und an den Bodensee bedeuten. Im Westen stünden Reisen nach Minden und Lemgo auf dem Programm. In der Mitteldeutschen Staffel sogar Fahrten nach Leipzig und Dresden.

Sollte der Saisonstart gehalten werden können, präferiert die Spielkommission vier Staffeln mit je 18 Teams und 34 Spieltagen. Um diesen ambitionierten Plan umsetzen zu können, wären sogar Ligaspiele am Weihnachtswochenende und am 2. Januar nötig. Für alle späteren Starttermine müsste die Anzahl der Staffeln steigen – und die der Partien somit abnehmen.

SV-Trainer Stefan Bullacher mit seinen beiden Neuzugängen: Torwart Alex Dörr (links) kam vom Stadtrivalen VTZ Saarpfalz. Tim Götz spielte zuletzt beim Drittligisten TV Hochdorf und hat dort bereits mit Bullacher zusammengearbeitet. Foto: Mirko Reuther
Schwitzen für den Saisonstart: Der lange verletzte Sebastian Meister (links) und Marc-Robin Eisel. Foto: Mirko Reuther
Tom Grieser (am Ball) will ein Tor erzielen, Benni Zellmer (links beim Block) hat etwas dagegen. Foto: Mirko Reuther

SV-Trainer Bullacher nimmt die vielen offenen Fragen sportlich: „Bei uns wird nicht gejammert. Wir dürfen 3. Bundesliga spielen – das ist ein Privileg. Wir nehmen alles so, wie es kommt“, sagt der Trainer, der sich insbesondere auf die Derbys gegen die ehemaligen Erst- und Zweitligisten aus Saarlouis, Dansenberg, Haßloch sowie seinen ehemaligen Club Hochdorf freut. „Das sind für einen Verein wie den SV 64 sportliche und emotionale Höhepunkte“, schwärmt Bullacher, der erneut betont, dass die kommende Runde für seine Spieler eine „zweite Chance“ sei. 2017 war der SV 64 mit einem fast identischen Kader sang- und klanglos aus der 3. Liga abgestiegen. „Albert Einstein soll gesagt haben: ‚Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten’“, sagt Stefan Bullacher. „Und die Jungs wissen genau, dass sie diesmal vieles anders machen müssen, um ihre zweite Chance zu nutzen.“