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Vier Schwimmer der WSF Zweibrücken starten bei DJM in Berlin

Vier Schwimmer der WSF Zweibrücken bei DJM : „Extreme“ Vorfreude auf den großen nationalen Vergleich

Vier Nachwuchsschwimmer der WSF Zweibrücken messen sich bei den deutschen Jahrgangsmeisterschaften in Berlin – nicht ohne Medaillenhoffnung.

(ski) Der Zeitpunkt ist ungewöhnlich. Nach coronabedingten Absagen, Verschiebungen und nervenzehrenden Hängepartien fiebern die deutschen Nachwuchsschwimmer dem nationalen Wettkampf-Höhepunkt des Jahres aber umso mehr entgegen. Von Dienstag bis Samstag messen sich mehr als 1100 Athleten bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften (DJM) in der Schwimmhalle im Berliner Europasportpark. Mit dabei sind vier Sportler der Wassersportfreunde (WSF) Zweibrücken, die für die Schwimmstartgemeinschaft Saar Max Ritter ins Becken gehen: Michael Raje, Lukas Fritzke, Nikita Sorel Haubrich (alle Jahrgang 206) sowie Leo Ilias Baumann (Jg. 2008).

„Sie sind extrem froh, dass der nationale Vergleich endlich wieder ausgetragen werden kann“, erklärt Matthias Fritzke, WSF-Vorsitzender und Vizepräsident des Saarländischen Schwimm-Bundes (SSB). Im vergangenen Jahr wurde die DJM komplett gecancelt, der ursprüngliche Termin für die Auflage 2021 im Mai wurde nach langem Hin und Her verschoben. „Damals war es unsicher, ob der Wettkampf im Herbst würde stattfinden können.“ Das kann er nun. Und über 240 Vereine nutzen die Gelegenheit, ihre Nachwuchsschwimmer erstmals seit 2019 wieder zu dem großen nationalen Kräftemessen zu schicken. „Es war allerdings schwierig, die Qualifikationen zu erschwimmen“, verweist Fritzke auf die wenigen Wettbewerbe in den vergangenen Monaten. Und so hat der SSB am vergangenen Wochenende kurz vor Meldeschluss noch einen Wettkampf organisiert, um dem Nachwuchs eine Möglichkeit zu bieten, sich noch für Berlin zu qualifizieren.

Unverhofft diese Gelegenheit in letzter Minute genutzt hat Nikita Sorel Haubrich. „Er war sehr lange krank, konnte lange nicht trainieren. Er ist am Wochenende eigentlich nur gestartet, um einfach mal wieder reinzukommen“, erklärt Fritzke. Über die 50 Meter Schmetterling unterbot der WSF-Schwimmer dann aber tatsächlich auf Anhieb die Qualizeit, weshalb er nun in Berlin dabei sein darf. „Eigentlich war das gar nicht geplant, aber das zeigt, dass Nikita trotz Krankheit und langer Trainingspause das Schwimmen nicht verlernt hat“, freut sich der WSF-Vorsitzende.

Nicht nur für Haubrich geht es bei der DJM nun darum, wieder Wettkampf-Luft im größeren Rahmen zu schnuppern. Letztmals war das bei den deutschen Jahrgangsmeisterschaften Ende Mai 2019 möglich. Damals waren die WSF mit zehn Medaillen sehr erfolgreich. Doch unendlich weit entfernt scheinen diese Erfolge von vor zweieinhalb Jahren. Daher sei es auch nicht die vorderste Zielsetzung, möglichst viel Edelmetall aus dem Becken zu fischen. Die Erwartungshaltung könne nicht die gleiche sein wie zu Vor-Corona-Zeiten. „Und einen Vergleich zu 2020 gibt es einfach nicht. Die letzten anderthalb Jahre hat die Welt ein bisschen auf dem Kopf gestanden.“ Jetzt gehe es daher vor allem darum, zu schauen, wo die SSG Saar Max Ritter im deutschlandweiten Vergleich steht. „Das wichtigste ist es, tatsächlich wieder einmal einen nationalen Wettkampf auf diesem Niveau zu haben.“

Kandidaten, die für Medaillen gut sind, haben die WSF dennoch in ihren Reihen. „Ich hoffe und denke, dass Michael Raje auf seinen Bruststrecken ganz nach oben rutschen wird. Da steht er momentan deutschlandweit in seiner Altersklasse ganz vorne.“ Bei der DJM-Generalprobe, der Kurzbahn-DM Ende September in Wuppertal, hat Raje seine Ambitionen über seine Lieblingsstrecke nochmal verdeutlicht. Über die 50 Brust steigerte der 15-Jährige seinen eigenen Altersklassenrekord auf 28,76 Sekunden. Erst drei Wochen zuvor hatte er diesen im luxemburgischen Ettelbruck auf 28,82 Sekunden hochgeschraubt. Neben den 50 und den 100 Metern Brust steigt der Bundeskaderathlet zum Saisonhöhepunkt auch für die 100 Freistil sowie die 50 Meter Schmetterling auf den Startblock. 2019 hatte Raje bei vier DJM-Starts (50, 100 und 200 Brust sowie 50 Schmetterling) vier Mal Gold gewonnen. Das zu wiederholen wird schwierig, doch die Titel über die beiden Bruststrecken will sich der 1,90-Meter-Hüne keinesfalls nehmen lassen.

Langstreckenspezialist Lukas Fritzke nimmt in Berlin die 200, 400, 800 und 1500 Meter Freistil in Angriff. Nach DM-Bronze im Freiwasser (5 km) und der anschließenden Teilnahme an der Junioren-EM in Paris (Rang 3) in diesem Sommer kann er sich bei der DJM ebenfalls etwas ausrechnen. „Auf den vier Strecken steht er in seiner Klasse in den Top 3. Sehr optimistisch gesagt, rechne ich hier schon auch mit der einen oder anderen Medaille – vielleicht nicht mit dem ersten Platz, aber der zweite oder dritte ist schon drin“, sagt sein Vater Matthias Fritzke, der berufsbedingt bei dem für eine begrenzte Zuschauerzahl geöffneten Wettkampf diesmal „leider“ nicht dabei sein kann.

Aufregend – und womöglich auch ein wenig stressig – dürfte nach seiner DM-Premiere im Freiwasser nun auch das Debüt bei der DJM für Leo Ilias Baumann werden. Er nimmt dort ein wahres Mammutprogramm in Angriff. „Er hat sich auf zahlreichen Strecken qualifiziert. Er ist noch relativ jung und es geht für ihn erstmal darum, Erfahrung zu sammeln. Denn es ist schon etwas anderes, die Vorläufe am Vormittag zu schwimmen und wenn er sich qualifiziert, dann am Nachmittag noch die Finals“, erklärt der WSF-Vorsitzende. In dem Fall würde sich die Anzahl der Starts nochmal verdoppeln. „Das muss jeder Sportler erstmal lernen. Wenn man ausgereifter und spezialisierter ist, nimmt man vielleicht einfach die Strecken, bei denen man die größten Chancen hat.“ Doch Baumann ist noch jung. Und so geht er in Berlin in den kommenden Tagen über die 50, 100, 200 und 400 Freistil, die 50 Meter Brust, 50 Rücken, die 50, 100 und 200 Meter Schmetterling sowie die 200 und 400 Meter Lagen ins Wasser.