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Verschiebung der Olympischen Spiele macht für Judoka Jasmin Grabowski Sinn

Judoka Jasmin Grabowski : „Die Situation macht einen kirre im Kopf“

Eine Verschiebung der Olympischen Sommerspiele in der jetzigen Lage mache Sinn, betont Judoka Jasmin Grabowski vom 1. JC Zweibrücken, die momentan im Homeoffice trainiert. Dennoch sei es eine schwierige Situation für die Athleten.

Die große Ungewissheit in Zeiten der Coronavirus-Pandemie macht auch vor dem Sport nicht halt. Olympiakandidaten können nicht wie gewohnt trainieren, wussten bislang nicht einmal, ob sie ihren Schweiß gerade überhaupt für den großen Saison-Höhepunkt im Sommer lassen. Doch auch mit dem Entschluss, dass die Spiele auf 2021 verschoben werden, sind noch lange nicht alle Fragen gelöst. Damit zu kämpfen haben auch die beiden vorläufig für die Spiele in Tokio nominierten Judoka des 1. JC Zweibrücken, Jasmin Grabowski und Martyna Trajdos. „Ein Jahr länger, die Ziele bleiben die gleichen“, schrieb Trajdos am Dienstag auf Instagram als Reaktion auf die Olympia-Verschiebung.

Noch vor vier Wochen war an diese Entscheidung des nternationalen Olympischen Komitees (IOC) nicht zu denken. Da lief auch für die deutschen Judoka alles noch in gewohnten Bahnen. Nach dem Heim-Grand-Slam in Düsseldorf wurden Grabowski (Klasse über 78 Kilogramm) und Trajdos (Klasse bis 63 Kilogramm) vom Deutschen Judobund Ende Februar in den vorläufigen Kader für Tokio berufen. Dann ging es ins Trainingslager auf die Kanareninsel Lanzarote. Dort wurden die ersten Auswirkungen durch das Coronavirus deutlich. „Wir waren regulär zwei Wochen dort. Als dann gegen Ende stündlich immer mehr nachfolgende Maßnahmen und Wettkämpfe abgesagt wurden, haben wir die Möglichkeit bekommen, um eine Woche zu verlängern“, erklärt Jasmin Grabowski. Von einigen Athleten wurde das dankend angenommen. Martyna Trajdos und Grabowski selbst entschieden sich jedoch dazu, nach Hause zu fliegen. „Das war eine der besten Entscheidungen meines Lebens“, erklärt die 28-Jährige, der noch immer die Erleichterung in der Stimme anzuhören ist. Bereits während des Boardings kamen die Nachrichten der Teamkollegen vor Ort, dass der Kraftraum dicht gemacht wurde. Wenn auf Lanzarote selbst zu diesem Zeitpunkt auch erst einzelne Corona-Fälle bekannt waren, musste sich auch dort nach der Abriegelung des spanischen Festlandes an die Ausgangssperren gehalten werden. „Die Athleten konnten eigentlich gar nicht mehr richtig trainieren, außer ein bisschen auf dem Balkon“, erklärt Grabowski. „Ich bekam es dann schon mit der Angst zu tun, als immer mehr Meldungen auch aus Deutschland kamen, ob das alles gut geht.“ Die vor Ort Gebliebenen kamen durch die Rückholaktion, wenn auch alle verspätet, letztendlich gut in die Heimat zurück. „Ich war aber echt froh, in dieser Phase schon Zuhause zu sein.“

Dort konnten die beiden JCZ-Sportlerinnen am Stützpunkt zunächst ihren Konditionsblock noch fortführen. Dann wurde jedoch das Bundesleistungszentrum in Köln, wo die Sportsoldatin lebt, geschlossen. Vorerst bis Ende nächster Woche. Solange die Versammlungs- und Kontaktsperre besteht, werde es wohl aber auch zu bleiben, schätzt Grabowski. Allerdings werde sich derzeit darum bemüht, eine Ausnahmeregelung für das Olympiateam zu bekommen. „In Hamburg gibt es eine solche schon – aber wir müssen abwarten.“

Bis dahin trainieren Jasmin Grabowski und Martyna Trajdos sozusagen im Homeoffice. „Wir haben uns aus dem Kraftraum ein paar Sachen mitgenommen“, erklärt die Pfälzerin, dass für Gewichte und Hanteln somit gesorgt ist. „Ich wohne zudem fünf Gehminuten von einem See entfernt, mein Laufpensum oder 30 bis 40 Kilometer mit dem Mountainbike rund um den See sind daher kein Problem.“ Schwieriger sei es mit dem richtigen Wettkampftraining auf der Matte. „Ich habe das Glück, dass meine Frau auch Judo macht, wir können zusammen trainieren. Daher bin ich nicht ganz raus – nur Würfe, das geht uhause natürlich nicht.“

Wenn das Homeoffice-Training für Jasmin Grabowski auch recht reibungslos umzusetzen ist, schwebt eine große Ungewissheit allerdings auch dabei immer mit. Ackert sie gerade überhaupt für den Saison-Höhepunkt Olympische Spiele? Die verbliebenen Qualifikations-Wettkämpfe dafür waren bereits seit 10. März abgesagt, die EM in Prag ist von Mai vorerst auf 19. bis 21. Juni verschoben worden. Und für die Sommerspiele in Tokio, die eigentlich vom 24. Juli bis 9. August ausgetragen werden sollten, stand die Entscheidung bis am Dienstag noch aus. IOC-Chef Thomas Bach hatte sich hinsichtlich einer Olympia-Verschiebung noch am eine Frist von vier Wochen gesetzt. Eine Komplettabsage der Sommerspiele schloss er aus. Am Dienstag besprach Bach die Möglichkeiten in einer Telefonkonferenz mit Japans Ministerpräsident Shinzo Abe. Und plötzlich der Entschluss: Olympia wird auf 2021 verschoben. „Stündlich gibt es neue Meldungen, jede Agentur schreibt etwas anderes – es ist echt eine schwierige und belastende Situation“, sagt Jasmin Grabowski. Für sie als Athlet sei es ein „zweischneidiges Schwert“. „Ich hoffe natürlich, dass sich durch Maßnahmen wie die Kontaktsperre alles reguliert und sich der Alltag bald wieder normalisiert.“ Sodass auch Training und Wettkämpfe wieder unter den gewohnten Umständen stattfinden können. „Doch niemand kann das abschätzen. Es ist eine beängstigende Situation für viele Menschen, auch für uns Sportler“, betont Grabowski mit Blick auf die so wichtige Gesundheit.

Dennoch hänge für die Athleten natürlich sehr viel an den Großveranstaltungen wie Olympia. Viel mehr als nur das Hinarbeiten über vier – nun sogar fünf – Jahre auf dieses ganz große Ziel. Förderung, Bundeswehrplätze, Existenzen. „Ganz zu schweigen davon, was diese Situation gerade körperlich mit einem macht. Man wird echt kirre im Kopf“, erklärt Grabowski bei den ständig neuen Meldungen. „Natürlich macht es Sinn, in der jetzigen Lage die Spiele zu verschieben“, betont die Athletensprecherin der Judoka. Selbst, wenn sich die Lage der Corona-Ausbreitung in Deutschland in naher Zukunft entschärfen sollte, wisse man noch lange nicht, wie es in den anderen Ländern aussieht.

Und doch sei es „eine Situation zwischen Hoffen und Bangen“. Auf welchen Termin genau wird Olympia gelegt? Wie weit werden die Spiele nach hinten verschoben? Wie sieht es mit dem Qualifikationszeitraum aus? Bleibt man so lange gesund? „Für viele Athleten wären es die letzten Olympischen Spiele. Auch ich muss sehen, wie lange meine Schulter noch mitmacht“, erklärt Grabowski, dass im kommenden Jahr für sie wohl eigentlich die dritte OP an dem lädierten Gelenk anstehen würde. Schafft sie es bei der Verlegung  dann überhaupt noch, ihre offene Rechnung mit Olympia zu begleichen, nachdem sie bei ihrer ersten Teilnahme 2016 in Rio in der ersten Runde scheiterte? Viele Fragen geistern durch den Kopf der JCZ-Judoka.

Bei all diesen Unsicherheiten war die Meldung der Deutschen Sporthilfe Anfang der Woche, dass „die Förderung für den aktuell bewilligten Zeitraum unverändert fortgeführt wird, um den Athleten Planungssicherheit zu gewährleisten“, wie Balsam für die Seele. „Als Athletensprecherin wusste ich am Sonntag bereits von den Zusagen der Deutschen Sporthilfe und des BMI (Bundesministerium des Innern), dass die Förderung weitergeht und die Förderplätze bei Bundeswehr und Bundespolizei erhalten bleiben“, macht Jasmin Grabowski den Stellenwert dieser Unterstützung deutlich. „Das beruhigt in dieser schwierigen Situation natürlich ungemein. Viele von uns könnten sich sonst nicht über Wasser halten.“