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Verschärfter Lockdown in Zweibrücken trifft auch Amateursport

Verschärfter Lockdown in Zweibrücken : Auch das Gruppentraining von Kindern muss ruhen

Der verschärfte Lockdown ab Donnerstag in Zweibrücken trifft auch den Amateur- und Breitensport. Auch die VTZ muss viele Aktivitäten wieder einstellen. Ob ein Appell des Landessportbunds an die Landesregierung und Sportminister Lewentz hilft?

Es war zunächst wieder nur ein kleiner Funke. Einer, der es noch nicht geschafft hat, auf alle Bereiche des Amateur- und Breitensports überzuspringen. Durch die ersten Lockerungen der Corona-Regeln war in Rheinland-Pfalz in den vergangenen Wochen aber immerhin im Freien, teilweise sogar in Gruppen wieder gemeinsames Training möglich. Ab Donnerstag folgen in Zweibrücken nun schon wieder weitere Einschränkungen.

Die 18. Corona-Bekämpfungsverordnung von Rheinland-Pfalz ließ hier bis zum Beginn der vergangenen Woche noch kontaktloses Freiluft-Training für Erwachsene in Zehnergruppen zu. Durch die gestiegene Inzidenz – drei Tagen in Folge lag der Wert in Zweibrücken über 50 – war dann ab Mittwoch Gruppentraining schon nur nur noch für Kinder bis 14 Jahre erlaubt. Ab dem morgigen Donnerstag folgen durch den dann verschärften Lockdown weitere Einschränkungen: Nach der neuen Allgemeinverfügung, die greift, wenn die Inzidenz an drei Tagen hintereinander über 100 liegt, ist Amateur-und Freizeitsport nur noch im Freien und nur alleine, zu zweit oder mit Personen aus dem eigenen Haushalt zulässig. Wie Stadt-Pressesprecher Jens John auf Nachfrage erklärte, ist damit ab morgen auch das Gruppentraining für Kinder bis 14 Jahre nicht mehr möglich. In Zweibrücken lag der Inzidenzwert von Samstag bis Montag über der 100er Marke. Gestern sank dieser zwar auf 99,4, doch erst wenn sieben Tage in Folge die Inzidenz in der Stadt unter 100 liegt, entspanne sich die Lage wieder.

Gisela Alt, Vorsitzende der VT Zweibrücken sieht darin einen erneuten Rückschlag für die Sportvereine. „Wir waren ja jetzt schon wieder gehandicapt durch die Inzidenz zwischen 50 und 100“, erklärt sie. In „den seligen Zeiten“ mit Werten unter 50 hatte die Vereingte Turnerschaft bereits einige Trainingsangebote im Freien zum Laufen gebracht: Die Nordic-Walking-Gruppe, die Budolife-Teilnehmer, die Nachwuchs-Basketballer, die Turnerinnen, die ihre Geräte kurzerhand ins Freie verlagert hatten, sowie die Leichtathleten waren mit mehreren Gruppen aktiv. Viele mit großem Aufwand, alle mit funktionierenden Hygiene- und Abstands-Konzepten, wie Alt erklärt. Die Chance, sich wieder gemeinsam im Freien bewegen zu können, hatten auch zahlreiche andere Vereine, Fußballer, Handballer, Leichtathleten in den zurückliegenden Wochen genutzt. Mit dem Überschreiten der 50er Grenze „waren dann alle Erwachsenengruppen schon wieder raus“, sagt die VTZ-Vorsitzende mit großem Bedauern.

Gerade mit Blick auf wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Aerosolforschung sowie auf ihre eigenen Erfahrungen aus der Budolife-Gruppe, in der sie selbst aktiv ist, könne Gisela Alt nicht verstehen, dass der Sport im Freien ab Donnerstag noch weiter eingeschränkt wird, „dass sich Gruppen auf einem Sportplatz nicht mit Abstand unter Wahrung der Corona-Regeln treffen dürfen“. Beim kontaktlosen Sporttreiben im Freien gibt es laut der Gesellschaft für Aerosolforschung (GAeF) so gut wie keine Gefahr für Corona-Infektionen. Alt persönlich dauere es zu lange, bis diese Ergebnisse in den Entscheidungen der Politik Niederschlag finden. „Als Verein haben wir nun ja gar keine andere Möglichkeit, als uns natürlich an diese Corona-Regeln zu halten“, erklärt die Vorsitzende der VTZ, die Verständnis dafür hat, dass bei den weiterhin hohen Infektionszahlen Vorsicht geboten ist. „Sonst bekommen wir diese Pandemie nie oder nur sehr langsam in den Griff.“ Im gemeinsamen Sporttreiben im Freien unter Einhaltung der Corona-Regeln sieht sie allerdings kein Risiko.

Daher steht die Vorsitzende der VT Zweibrücken auch voll und ganz hinter dem Appell des Landessportbunds Rheinand-Pfalz sowie seiner Sportbünde Rheinland, Rheinhessen und Pfalz an die Landesregierung sowie Sportminister Roger Lewentz. Dieser Appell habe das Ziel, dass im Vereinssport wieder fünf Personen plus Trainer – unabhängig vom Alter und von Inzidenzwerten – aus verschiedenen Haushalten im Freien und unter strikter Einhaltung der Abstandsregel Sport treiben können. Die jüngsten Passagen – ob im Entwurf der Bundes-Notbremse, der aktuell gültigen Corona-Bekämpfungsverordnung des Landes oder den kommunalen Allgemeinverfügungen –  seien aus Sicht des organisierten Sports überhaupt nicht mehr nachzuvollziehen, schreibt der LSB.  Auch dieser verweist auf „mittlerweile erprobte und bewährte Hygienekonzepte“ sowie die Aerosolforschung. „Auf Grundlage der wissenschaftlichen Erkenntnisse müssen Sport und Bewegung endlich als Teil der Pandemiebekämpfung anerkannt und vor allem eingesetzt werden. Sport muss im Freien wieder möglich sein“, betonte Landessportbund-Präsident Wolfgang Bärnwick.

Und nicht nur individuell oder per Videoschalte. Die VT Zweibrücken bietet zwar auch weiterhin Online-Training an, erklärt Gisela Alt. Doch gerade bei den ganz Kleinen sei die Resonanz nur noch sehr gering. „Die wollen ihre Freunde treffen, gemeinsam Sport treiben.“ Und auch für die älteren Mitglieder und Kursteilnehmer sei das Zusammensein ein wichtiger Faktor, um in den Sportverein zu gehen. „Sich zu sehen, sich zu bewegen und ein Schwätzchen zu halten.“ Das fehlt nun alles wieder.

Das komplette Ausmaß der Corona-Auswirkungen auf den Amateur- und Breitensport, so Alt, werde erst deutlich, „wenn das ganze hier vorbei ist“. „Dann erst werden wir die riesigen Lücken sehen, die entstanden sind. Sowohl bei den Kindern, bei den Sportlern als auch bei den Trainern.“ Bei den derzeit geltenden Bestimmungen bleibt da nur der Funke Hoffnung, dass sich das Infektionsgeschehen schnell zum Positiven entwickeln.