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Vereine und Sportler haben keine Planungssicherheit

Merkur-Kolumne : Unwissenheit ist (k)ein Segen

Ignorance is bliss – Unwissenheit ist ein Segen. Dieses Zitat des englischen Dichters Thomas Gray aus dem 18. Jahrhundert eignet sich womöglich, um auf biederen Cocktailpartys schnöselige Gäste zu beeindrucken – inhaltlich ist es aber ziemlicher Mumpitz.

Das dürften zumindest die Vereine und Individualsportler in der Region so sehen, denen die Ungewissheit in Zeiten von Corona an den Nerven zehrt. Und die momentan viele Fragen haben, auf die sie sehr wohl gerne die Antwort wüssten.

Wer steigt auf? Wer steigt ab? Wann und wie geht es weiter? Und tut es das in dieser Saison überhaupt noch? Das ist in vielen Sportarten noch nicht geklärt. Und wenn es doch der Fall ist, häufen sich Frust und Fragen. Die Tischtennisspielerinnen vom TTC Riedelberg etwa lagen in der Oberliga zwei Punkte hinter dem Aufstiegsrelegationsplatz – bekamen aber keine Chance mehr, den Rückstand im Schlussspurt wettzumachen. Denn die Tabellen zum Zeitpunkt des Abbruchs wurden als Abschlussklassement gewertet. Auf- und Abstiege wurden in manchen Fällen dadurch entschieden, dass eine Mannschaft das Glück hatte, mehr Spiele ausgetragen zu haben als die Konkurrenz. Oder dadurch, in der Rückrunde auf die leichteren Gegner getroffen zu sein. Die Krux: Eine für alle faire Lösung gibt es nicht. „Irgendjemand wäre immer benachteiligt worden“, sagt Bezirkssportwart Sebastian Kranitz.

Zumindest haben die Tischtennisspieler nun weitestgehend Planungssicherheit. In anderen Sportarten ist hingegen noch nicht einmal entschieden, ob es überhaupt Auf- und Absteiger geben wird. Das träfe unter anderem die Oberliga-Handballer vom SV 64 Zweibrücken hart. Die Mannschaft von Trainer Stefan Bullacher ist durch die Saison gepflügt wie Reiner Calmund durch das Frühstücksbuffet im Grand Hotel. Der Aufstieg schien angesichts von sechs Punkten Vorsprung auf die ärgsten Verfolger nur noch Formsache. War die bärenstarke Runde der Löwen nun tatsächlich für die Katz?

Auch Individualsportler fischen im Trüben. Leichtathleten und Schwimmer, deren Trainingssteuerung in der Regel gezielt auf einen Saisonhöhepunkt ausgerichtet ist, wissen nicht, wann und ob es diesen Höhepunkt geben wird – und ob die Schinderei im Training nicht vielleicht sogar kontraproduktiv ist. So stehen zum Beispiel die deutschen Jahrgangsmeisterschaften im Schwimmen – für die jungen Kaderathleten der Wassersportfreunde Zweibrücken stets ein Saisonhighlight – auf der Kippe.

Nun könnte man mit Fug und Recht einwenden, dass es in Zeiten von Corona dringendere Fragen gibt als die der Spielklasse einer Mannschaft oder des Trainingsalltags eines Athleten. Doch für viele Vereine ist die Zeit, in der kein Sport getrieben werden darf, nicht nur ein Ärgernis – sondern eine Bedrohung. Denn Clubs, denen die Gemeinnützigkeit attestiert wurde, dürfen keine großen finanziellen Rücklagen bilden. Wenn den Fixkosten auf der Ausgabenseite lange keine Erträge auf der Einnahmenseite gegenüberstehen, wachsen Sorgenfalten so schnell wie der Geldbeutel schrumpft. „Bis Ende Mai können wir uns noch über Wasser halten“, warnt Stephan Heidenreich vom Fußball-Landesligisten TSC Zweibrücken. Alleine der Betrieb im Sportheim spült dem TSC im Ligabetrieb monatlich rund 5000 Euro in die Kassen.

Das Anfang dieser Woche von Minister Roger Lewentz geäußerte Versprechen, dass gemeinnützige Sportvereine von der Corona-Sofort-Hilfe profitieren können, ist vor diesem Hintergrund ein wichtiges Signal: Die Vereine werden unterstützt und nicht mir ihren Problemen allein gelassen. Das zu wissen, ist ein Segen. Und bestimmt nicht das Gegenteil davon.