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„Unsere Titel wollen wir 2017 verteidigen“

„Unsere Titel wollen wir 2017 verteidigen“

Zweibrücken. Das Goldene Voltigierabzeichen kann man nicht in einem Lehrgang erwerben. Es wird vorgeschlagenen Sportlern nach gründlicher Prüfung vom Deutschen Olympia Komitee für Reiterei DOKR und der Fédération National FN, der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, verliehen. Der 28-jährige Zweibrücker Jürgen Köhler erhielt es gemeinsam mit der Mannschaft aus Ingelheim (ehemals Mainz-Laubenheim) und gehört damit zu dem kleinen Kreis der deutschen Elitevoltigierer. Merkur -Mitarbeiterin Cordula von Waldow unterhielt sich mit dem Athleten, der als Erzieher in einer Kindertagesstätte in Mainz arbeitet.

Herr Köhler, Sie haben das Goldene Voltigierabzeichen erhalten. Wofür steht die Auszeichnung?

Jürgen Köhler: Das Goldene Voltigierabzeichen ist eine selten verliehene Auszeichnung - und ich habe mich riesig gefreut, als die Nachricht kam, dass unser Ingelheimer Team sie erhält. Man muss dafür auf höchstem Niveau voltigieren und kontinuierliche nationale sowie internationale Erfolge vorweisen können.

Was bedeutet diese Auszeichnung für Sie?

Köhler: Die Verleihung fand bei den Landesmeisterschaften in Herxheim statt. Es war für mich ein ganz besonderer Moment, an der Longe zu stehen und neben der Mannschaft auch Doppel und Einzel zum Titel zu führen. Es ist schön, diese offizielle Bestätigung und Anerkennung für zahllose, intensive Trainingszeiten und einige Erfolgsserien im In- und Ausland zu erhalten.

Wie verlief Ihr Weg hierher? Was waren Ihre größten und schönsten Erfolge?

Köhler: Alle meine Erfolge verdanke ich letztendlich meiner Mutter Ruth Köhler. Sie hat mich als langjährige, erfolgreiche Trainerin zum Voltigieren gebracht, von klein auf gefördert und von der Pike an sowohl im Turnen als auch im Longieren und als Trainer gründlich ausgebildet. Mit fünf Jahren, 1993, habe ich in der Basisgruppe angefangen und Spaß daran gefunden. Nachdem wir als C-Voltigiermannschaft des RFV Zweibrücken, das wäre heute L-Niveau, 2000 als Vierte den Fünf-Länder-Vergleichswettbewerb beenden konnten, löste sich 2001 unser S-Team auf. Bei dem Neustart in B, das ist M-Niveau, war ich dabei und habe mich kontinuierlich hochgearbeitet. Bis zur höchsten Klasse. Zwölf Jahre hintereinander waren wir Pfalzmeister der Teams und ich errang als Solo-Voltigierer mehrere Pfalzmeister-Titel und Landesmeister-Vize. Auf dieser Basis begann mit dem berufsbedingten Wechsel nach Mainz zu den Laubenheimern und Trainerin Hanne Strübel meine eigentliche Karriere. Sofort im S-Team, 2011 mehrfach Gold bei Internationalen CVI-Turnieren. Der Höhepunkt der Köhler-Familie war in dem Jahr der Bronzetitel bei der deutschen Meisterschaft im Team mit meiner zwei Jahre älteren Schwester Barbara Köhler. Nach einem Berufsjahr und Pause kam 2013 im Doppel mit Janine Beitz das Comeback: Landestitel, Siebte bei der deutschen Meisterschaft, Vize im Deutschen Voltigierpokal, süddeutscher Meistertitel. Vom Doppel hatte ich immer geträumt: In einem reinen Kürprogramm die eigenen Stärken herausstellen, Musik und Kostüme als Duo selbst kreieren. Das hat riesigen Spaß gemacht.

Wie kam der Wechsel zum Longenführer?

Köhler: Diese Aufgabe hat mich schon immer gereizt: Gemeinsam mit dem Pferd eine solide Basis der Verständigung zu finden, die in jeder Situation zuverlässig auf kleine Hilfen hin funktioniert. Als klar war, dass sich Hanne Strübel aus der praktischen Arbeit zurückziehen würde, war schnell klar, dass ich übernehme - eine besondere Herausforderung bei ihrem Ruf und ihren Erfolgen. Mein erster Turnierauftritt war gleich bei den süddeutschen Meisterschaften 2016. Sowohl die Ingelheimer Mannschaft als auch Jasmin Glahn im Einzel gewannen Gold. Unser Urgestein Nabucco ist nach wie vor eher Hannes Pferd und hat mich viel Nerven gekostet hat, um ihn zu den Erfolgen zu führen. Dafür harmonieren unser schwarzer Nachwuchs Poker und ich perfekt - er ist "mein" Pferd.

Haben die eigenen Erfolge in der Praxis eher Vorteile oder auch Nachteil? Etwa, dass Sie zu viel Verständnis haben, wenn es darum geht, den inneren Schweinehund zu überwinden?

Köhler: Wie alles, hat auch dies zwei Seiten. Hanne ist sehr streng und resolut, ich bin eher der ruhige Pol. Bis ich laut werde im Training, dauert es lange, doch dann wissen alle: Jetzt ist Schluss mit lustig. Natürlich habe ich Verständnis, weiß aber auch genau, dass nur Disziplin und die eigenen Grenzen überschreiten zum Erfolg führen. Mittlerweile akzeptieren mich auch die ehemaligen Mannschaftskollegen vollständig. Der Nachwuchs war nie ein Problem.

Wo sehen Sie sich in der Zukunft? Welches Ziel möchten Sie noch erreichen?

Köhler: Mit zwei internationalen Siegen, süddeutschen und Landestiteln sowie vorderen Plätzen bei der DM war die Saison 2016 schon sehr erfolgreich. Natürlich träume ich manchmal von einem Auftritt bei einer EM oder sogar WM. Bei unseren eingeschränkten Trainingszeiten ist das aktuell aber undenkbar. Dafür konzentriere ich mich neben den beiden Ingelheimer Teams, dem Bundenbacher Doppel Mara Marschall und Jasmin Glahn und Jasmin im Einzel sowie einigen Nachwuchs-Einzeln überhaupt auf die Nachwuchsförderung. Ich organisiere gemeinsam mit meiner Mutter von der PSG Zweibrücken und Sandra Schwebius von der VRG Südwestpfalz den E-Kader Pfalz und leite mit Silke Theisen, Nadja Vogel, Susanne Wunderle und Carolin Noner den Perspektivkader, den wir auch trainieren. Außerdem bin ich gerade dabei, meinen Trainer-B-Schein zu machen. Die Saison 2017 gehen wir natürlich mit dem Ehrgeiz an, unsere Titel zu verteidigen und dennoch gelassen zu bleiben, ohne zu großen Leistungsdruck.

Das klingt alles sehr zeitaufwendig. Gibt es noch ein Leben außerhalb des Voltigiersports?

Köhler: An erster Stelle steht immer meine Arbeit als Erzieher , die ich sehr liebe. Als Ausgleich betreibe ich Yoga und nehme mir schon auch die Zeit, mit Freunden Spaß zu haben.