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„Unsere Offensive hat Oberliga-Niveau“

„Unsere Offensive hat Oberliga-Niveau“

Zweibrücken. Innerhalb von zwei Jahren hat sich der EHC Zweibrücken unter Trainer Richard Drewniak zu einem Spitzenteam der Regionalliga entwickelt. Mit welchen Zielen die Hornets in die neue Saison gehen, und wie der Abgang von Topscorer Ben Payne kompensiert werden soll, darüber hat sich Merkur -Redaktionsmitglied Martin Wittenmeier mit dem 42-Jährigen unterhalten.

Herr Drewniak, wie ist die Vorbereitung auf die neue Runde in der Regionalliga Südwest bisher verlaufen?

Richard Drewniak: Sehr gut. Die Mannschaft zieht toll mit, auch die Trainingsbeteiligung ist ausgezeichnet. Die Intensität ist wirklich hoch, und man merkt schon, dass es ein leichtes Gerangel um die Plätze gibt. Aber genau so muss es sein, und ich freue mich, dass es bald richtig losgeht.

In welcher Phase der Vorbereitung befindet sich Ihr Team? Was wurde bislang trainiert, wo liegen die Schwerpunkte in den kommenden Wochen bis zum Saisonstart?

Drewniak: Am Anfang haben wir das Augenmerk auf Kondition gelegt, sowohl Off-Ice als auch auf dem Eis. Die Einheiten, die wir im Westpfalzstadion und dann auch im Fitness-Center hatten, waren intensiv. Und jetzt fängt so langsam das Taktische an.

In der vergangenen Runde hatten es die Hornets bis ins Play-off-Halbfinale geschafft. Mit welcher Zielsetzung gehen Sie in die neue Spielzeit?

Drewniak: Die Liga wird definitiv stärker sein als im letzten Jahr. Wenn wir wieder das Halbfinale erreichen würden, wäre das schon toll. Aber natürlich wollen wir uns steigern, vielleicht ist diesmal ja sogar das Finale drin. Die Play-offs - diesmal gibt es ja nur vier Teilnehmer - sind unser Minimalziel.

Die Liga startet nur mit neun Mannschaften in die Saison, einen Absteiger wird es also nicht geben. Besteht dadurch die Gefahr, dass Teams die Spiele abschenken und somit auch die Meisterschaft beeinflussen?

Drewniak: Das kann passieren, gerade zum Ende der Hauptrunde hin. Die Gefahr ist halt einfach, dass Teams, die unten in der Tabelle stehen und keine Chance mehr auf die Play-off-Plätze haben, jetzt vielleicht nicht kampflos abschenken, aber auswärts dann nur mit einem Minikader antreten. Aber für uns ist das kein Nachteil. Wir wollen ja vorne mitspielen und verfolgen da ganz andere Ziele. Wenn eine Mannschaft kommt, die das Spiel herschenkt, nehmen wir das dankend an.

Welche Teams muss man im Kampf um die die Play-off-Plätze und die Meisterschaft auf der Rechnung haben?

Drewniak: Stuttgart, die sich ordentlich verstärkt haben, sollte man ebenso beachten wie Schwenningen. Dort leistet Kevin Apelt sehr gute Arbeit, und die haben zudem zwei neue Amerikaner im Kader. Mit Schwenningen wird zu rechnen sein. Dazu kommen dann natürlich auch wieder Bietigheim und Heilbronn. Ich glaube, das sind die Konkurrenten, mit denen wir uns um die Play-off-Ränge streiten werden. Hügelsheim schätze ich dagegen nicht unter den Top vier, man hört auch ziemlich wenig von dort.

Die Heilbronner Eisbären, Regionalliga-Meister der vergangenen drei Jahre, haben die Hornets ja bereits als Titelfavorit Nummer eins abgestempelt.

Drewniak: Ganz ehrlich, mir ist das vollkommen egal. Ich glaube, Heilbronn möchte einfach den Druck an uns weitergeben, um somit von sich selbst abzulenken. Wir haben relativ früh unsere Hausaufgaben gemacht, einen qualitativ hochwertigen Kader zusammengestellt. Wir verspüren da allenfalls positiven Druck. Topfavorit sind nach wie vor die Eisbären. Die haben schließlich nicht umsonst dreimal in Folge den Titel geholt und gehen mit fast unveränderter Mannschaft in die Saison.

Ben Payne und Kapitän Robin Lehmann haben den Verein verlassen. Wie schwer wiegen die beiden Abgänge?

Drewniak: Ben wird uns mit Sicherheit fehlen, er war schließlich der Topscorer der Liga. Wir haben aber auch erkannt, dass er nicht immer der mannschaftsdienlichste Spieler war. Und gerade in den Spielen, in denen es um etwas ging, zum Beispiel gegen Bietigheim oder gegen Neuwied im Pokal, war Ben dann auch nicht so präsent, wie wir uns das gewünscht hätten. Auch der Abgang von Robin ist schade, aber ich glaube, dass er sportlich für uns weniger ins Gewicht fallen wird.

Dafür hat sich der EHCZ mit einigen talentierten Spielern verstärkt. Wie schätzen Sie die Neuzugänge ein?

Drewniak: Wir sind in jedem Fall breiter aufgestellt. Leon Bachstein mit seinen 17 Jahren ist ein ganz junger Spieler, der hier in Zweibrücken einfach die Erfahrung sammeln möchte, in einer guten Regionalliga-Mannschaft zu spielen. Maximilian Wanninger ist ein sehr schneller Verteidiger, der bereits in der Oberliga aufgelaufen ist, aber seit Januar nicht mehr auf dem Eis trainiert hat. Den Rückstand muss er in der Vorbereitung aufholen. Auch Dominik Dech ist ein unglaublich starker Verteidiger, der uns in der Defensive enorm weiterhelfen wird. In den letzten zwei Jahren hat er in Eppelheim allerdings im Sturm gespielt, diesen Offensivdrang müssen wir jetzt noch aus ihm rauskriegen (lacht).

Auch zwei neue Kontingentspieler hat der Verein verpflichtet.

Drewniak: Von unserem Kroaten Marko Sakic erwarte ich mir sehr viel. Er ist unglaublich schnell und mit einem guten Zug zum Tor. Zudem spielt Marko sehr kampfbetont, kann den Puck in der Ecke gut abschirmen. Und dass er perfekt deutsch spricht, macht es für uns natürlich auch einfacher. Adam Klein ist ein richtig guter Stürmer, der einen tollen Schuss hat. Ihm traue ich zu, in dieser Saison bei uns der Topscorer zu werden, wenn er Gas gibt. Er ist ja erst seit zwei Wochen in Deutschland und hatte am Anfang noch etwas mit dem Jetlag zu kämpfen. Aber das gibt sich jetzt. Beide bringen eine absolut professionelle Einstellung mit, gehen jeden Tag ins Fitness-Studio. Die wollen die Saison nutzen, um auf sich aufmerksam zu machen. Außerdem wird noch ein weiterer Stürmer kommen (Benedikt Peters vom Oberligisten Löwen Frankfurt 1b, Anm. d. Red.). Unsere Offensive hat dieses Jahr definitiv Oberliga-Niveau, da können wir jeden Gegner wegballern. In der Abwehr müssen wir uns allerdings noch verbessern, aber daran arbeiten wir.

Gibt es schon Überlegungen, in welcher Besetzung die Reihen zusammenspielen werden?

Drewniak: Adam Klein wird Ben Payne in unserer zweiten Reihe ersetzen. Wir tauschen also Kanadier gegen Kanadier. Aber die Reihen sind auch noch nicht in Stein gemeißelt, das wird sich im Laufe der Testspiele noch ändern. Der Plan ist aber definitiv, dass wir mit vier Reihen in die Saison gehen werden und in den Spitzenspielen eventuell auf drei umstellen.

Mit Tomas Vodicka, Adam Klein und Marko Sakic stehen drei Kontingentspieler im Team, zwei dürfen in der Liga aber nur eingesetzt werden. Werden Sie rotieren oder nach den Trainingseindrücken nominieren?

Drewniak: Es zählt nur die Leistung. Ich hoffe aber noch, dass Tommy die deutsche Staatsangehörigkeit beantragt. Das würde uns noch einmal einen Schub nach vorne geben. Letztendlich ist das aber seine Sache.

Mit Marco Voltz und Luca Bartscherer standen zwei junge Spieler aus der eigenen Nachwuchsabteilung im Kader. Gehören sie auch in dieser Runde dem Regionalliga-Team an?

Drewniak: Luca hat sich leider nicht in der ersten Mannschaft durchsetzen können, Marco ist im Kader mit drin, wird aber kämpfen müssen. Wenn er dran bleibt und hart arbeitet, wird er auch seine Chance bekommen. Es gibt auch andere Spieler, die auf der Kippe stehen. Aber jeder kann sich in der Vorbereitung beweisen.

Auch finanziell hat sich beim EHCZ einiges getan. Wie sieht es derzeit aus?

Drewniak: Sehr gut. Das letzte Jahr war das erfolgreichste seit Bestehen des Vereins. Die Sponsoren ziehen mit und die Türen stehen uns wesentlich offener. Aber auch wir müssen weiter akribisch arbeiten, geschenkt bekommen wir weiterhin nichts. Es ist wichtig, dass wir das positive Image, das wir derzeit in der Stadt und in der Region haben, auch halten. Der Verein hat schließlich auch noch Pläne. Im nächsten Jahr wollen wir eine neue Kabine für die erste Mannschaft bauen. Dafür müssen wir ein finanzielles Polster anlegen.

Wäre im Falle der Meisterschaft ein Aufstieg in die Oberliga ein Thema für Ihren Verein?

Drewniak: Ich glaube, das Zweibrücken vom Potenzial her ein richtig guter Oberliga-Standort sein könnte - langfristig. Kurzfristig werden wir das nicht stemmen können, dafür fehlen einfach die großen Sponsoren .