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TV Niederwürzbach bereitet sich auf Handball-Saarlandligasaison vor

Saisonvorbereitung : Ohne Druck erneut zum Maximum?

Handball-Saarlandligist TV Niederwürzbach will auch in der kommenden Saison auf Eigengewächse und Zusammenhalt setzen.

Der TV Niederwürzbach erscheint in mehrerer Hinsicht wie der Gegenentwurf zu vielen Vereinen in der Handball-Saarlandliga. „Die finanziellen Geschichten, die andere betreiben, machen wir nicht mit“, sagt Abteilungsleiter Arno Gebhardt. Dass der Verein Spieler aus dem Ausland mit dem Versprechen auf ein üppiges Handgeld oder eine Arbeitsanstellung in die Region lotst, kommt für ihn nicht in Frage. „Wir wollen – und wir werden weiter mit kleinem Budget unseren eigenen Nachwuchs und Spieler aus der Region entwickeln“.

Sportlicher Erfolg und Sparsamkeit schließen sich beim TVN nicht aus. Die letzte Saison schloss die Mannschaft auf Rang fünf ab. Das überraschte selbst Gebhardt. „Das Maximum“, sei die Platzierung gewesen. Zum einen, weil der Verein vor der vergangenen Runde einen personellen Umbruch durchführen musste: So wollten unter anderem die Oberliga-erfahrenen Brüder David und Johannes Leffer nur noch in der zweiten Mannschaft spielen.

Zum anderen, weil das Verletzungspech den Würzbachern wie ein treuer Begleiter an den Hacken klebte. Max Junius zog sich zu Beginn der Saison einen Kreuzbandriss zu und fehlte komplett. Auch Kreisläufer Aaron Braun und Rückraumspieler Maurice Brill fielen lange aus. Dazu kamen zahlreiche kleinere Verletzungen, die das Team zurückwarfen und zunächst verhinderten, dass eine eingespielte Mannschaft auf der Platte stand.

Dementsprechend durchwachsen verlief die Hinrunde. Mit den Temperaturen im Winter sank auch die Platzierung in der Tabelle immer weiter gen Keller. Nach nur zehn Punkten in der Vorrunde schien sich der TVN sogar auf den Abstiegskampf einstellen zu müssen. Doch mit dem neuen Jahr kehrten auch die Spieler zurück – und damit der Erfolg. Der TVN holte in der Rückrunde doppelt so viele Punkte (20) wie in der Hinserie und brachte die Gegner reihenweise mit seinem Abwehrbollwerk zur Verzweiflung. Am Ende der Runde stellte der TVN die drittbeste Defensive der Liga. Im März schoss die Mannschaft sogar den Tabellenführer und späteren Oberliga-Aufsteiger Dillingen/Diefflen mit 30:22 aus der Würzbachhalle.

Ganz ohne seine alte Garde bestritt der TVN die Runde aber nicht. Die Leffer-Brüder und Thosten Bas sprangen immer dann ein, wenn personelle Not am Mann war. Das werde auch in der kommenden Runde, die Ende August beginnt, der Fall sein, sagt Gebhardt. Auch TVN-Toptorjäger Max Bölke, der schon letzte Saison aufgrund seines Studiums Spiele verpasst hatte und nun ein Referendariat beginnt, werde als „Feuerwehr“ weiter zur Verfügung stehen.

Die Platzierung der letzten Saison war aber nicht das einzig erfreuliche aus Niederwürzbacher Sicht. Schon im Februar konnte der Verein verkünden, dass Trainer Christian Schöller seinen Vertrag verlängert hat. Auch Top-Talent Nils Lauer hielt dem Club trotz Angeboten aus höheren Ligen die Treue. „Christian war wichtig, dass der Nachwuchs bleibt und er hier mit jungen Spielern weiterarbeiten kann. Und Nils hätte woanders Geld bekommen, aber er weiß, was er hier hat: Mitspieler, mit denen er schon in der Jugend bei uns angefangen hat. Er kennt das Spielsystem und ist auch als Jugendtrainer im Verein engagiert. Das menschliche Gefüge passt beim TVN. Hier ist etwas zusammengewachsen“, schwärmt Gebhardt, der aber nicht ausschließen will, dass „Nils in Zukunft so gut wird, dass er den Schritt in eine höhere Liga wagen muss.“

Seit rund vier Wochen ist die Mannschaft in die Vorbereitung auf die anstehende Saison eingestiegen. Einziger externer Neuzugang ist Linksaußen Ralf Wilhelm, der vom Lokalrivalen SGH St. Ingbert kam. „Max Junius ist für mich eigentlich auch ein Neuzugang, er ist nach seinem Kreuzbandriss wieder ins Aufbautraining eingestiegen, wird die ersten Saisonspiele aber noch verpassen“, berichtet Gebhardt.

Ein klares Saisonziel wurde beim TVN nicht formuliert. Der Abteilungsleiter erklärt: „Klar wollen wir die Klasse halten. Und Leistung muss hier jeder zeigen. Aber darüber hinaus freuen wir uns einfach auf die vielen Derbys und sehen nicht ein, warum wir mit unnötigem Druck unser Zusammengehörigkeitsgefühl belasten sollten.“ Auch solche Worte klingen wie der krasse Gegenentwurf zu manchem Ligakonkurrenten.