Triathlon : Locker in bislang härtesten Saisonstart

Großes hat Oliver Spurzem in diesem Jahr auf dem Wettkampfplan stehen: Halbdistanz-WM in Nizza und Ironman-WM auf Hawaii. Zum Auftakt am Wochenende wartet zunächst aber der „brutale“ Ironman auf Lanzarote.

Eigentlich könnte Oliver Spurzem diese Saison ganz locker angehen. Die Quali für Hawaii hat der Triathlet der WSF Zweibrücken bereits in der Tasche. Und neben dem Start bei der Ironman-WM zudem das Ticket für die Halbdistanz-WM im August in Nizza. Doch locker ist so gar nicht nach dem Geschmack des 42-Jährigen.

„Das wird der härteste Saisonstart in meiner Triathlon-Karriere“, erklärt der Zweibrücker daher beim Blick auf seinen ersten Ironman des Jahres an diesem Samstag auf Lanzarote. „Ganz nach dem Motto: Einmal mit Vollgas gegen die Wand fahren und das mit einem großen Grinsen im Gesicht“, erwartet Spurzem auf der Kanareninsel „ein brutales Ding“. Den 3,8 Kilometern Schwimmen am Playa Grande in Puerto del Carmen sieht er noch recht entspannt entgegen. Es folgen 182,2 Radkilometer gespickt mit über 2500 Höhenmetern durch die sehr hügelige Vulkanlandschaft sowie die 42,2 Kilometer Laufen zum Abschluss entlang der  Strandpromenade zwischen Puerto del Carmen und Arrecife. „Ich habe großen Respekt vor der Strecke und bin sehr fokussiert, gleichzeitig bin ich sehr ruhig vor dem Rennen“, erklärt Spurzem, der seit dem vergangenen Wochenende die Routen auf Lanzarote unter die Lupe nimmt – und hier sehr viele Parallelen zu Hawaii sieht. „Teilweise ist sogar der Strand und der Blick von den Bergen zum Meer fast gleich. Es ist nur bergiger und nicht so heiß, aber der Wind bei den Abfahrten ist richtig gefährlich“, erzählt er von seinen Eindrücken.

Gespannt ist Oliver Spurzem, der in der Vergangenheit später in die Saison eingestiegen ist, nun im Rennen zu sehen, wie die frühe Vorbereitung in der Kälte in Deutschland funktioniert hat. Der er allerdings auch mehrfach entflohen ist. Nach einem Trainingslager auf Mallorca mit der Teilnahme am Powerman Duathlon Spain Ende Februar zum Warmwerden verbrachte er in der Vorbereitung auf Lanzarote zudem zwei Wochen mit der Militärnationalmannschaft in Südfrankreich. Die der Stabsfeldwebel des Fallschirmjägerregiments 26 auch gut dazu nutzen konnte, die Strecke der im August anstehenden Halbdistanz-WM in Nizza schon einmal abzufahren.

Und genau diese unzähligen Kilometer, die Spurzem in Frankreich Anfang Mai abgespult hat, könnten ihm am Samstag in der anspruchsvollen Vulkanlandschaft helfen. „Gerade die ersten 70 Kilometer werden sicher ein Eye-Opener.“ Und auch die 2500 Höhenmeter müssten erstmal bewältigt werden. „Daher weiß ich schon jetzt, dass ich beim Radfahren keine Bestzeit erwarten kann“, stellt sich Spurzem auf qualvolle Stunden ein. Auch auf der Laufstrecke. „Es wird sicher heiß sein. Einen Marathon in praller Sonne und immer wieder Wind – hört sich super an“, sagt der Zweibrücker mit einem Lachen. „Ich erwarte im Gesamten maximale Schmerzen. Nicht umsonst ist dieser Wettkampf der härteste in der Ironman-Rennserie.“ Den er dennoch recht gelassen angehen kann – so gut ihm das eben gelingt. „Es ist kein Drama, wenn es nicht so läuft, der Wettkampf ist einer zum Abhaken auf der Liste“, betont Spurzem, der in diesem Jahr weitere Herausforderungen meistern will. Im ersten Saisonblock steht am 9. Juni noch der Start beim Maxdorf-Triathlon (2 km Schwimmen - 85 km Rad - 20 km Laufen) auf dem Plan. Danach geht’s im zweiten Saisonabschnitt in die direkte Vorbereitung auf den Hawaii-Ironman im Oktober. Mit dem Zwischenstopp bei der Halbdistanz-WM in Nizza.

Bereits zum vierten Mal nimmt Oliver Spurzem den legendärsten Ironman der Welt – und damit das Leiden sowie die Qualen in der unfassbaren Hitze von Kona in Angriff. Dieses Mal will der extrem ehrgeizige Sportler in der Vorbereitung allerdings „einiges anders machen“. Die Form, das Material, die Akklimatisierung des Körpers, einfach alles soll dieses Mal passen. „So etwas plant sich leichter, wenn du die Quali schon im Sack hast“, erklärt er. Der körperliche Zustand sei bei dem extremen Rennen nie das Problem gewesen, „sondern diese verdammte Hitze“. Bei seinen bislang drei Hawaii-Starts habe er immer das Gefühl gehabt, „dass mein Körper austrocknet“. Mit gezielten Maßnahmen will Spurzem sich und seinen Körper auf die extreme Luftfeuchtigkeit und die Hitze vorbereiten. Zudem wird er noch früher anreisen, um sich noch besser zu akklimatisieren. Alles, um das ganz große Ziel zu schaffen: Dort endlich die Zehn-Stunden-Marke zu knacken. „Und dann bin ich hoffentlich fertig damit“, wünscht sich Spurzem, in Zukunft auch beim Gedanken an Hawaii lockerer sein zu können.