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Triathlon: Zweibrücker Oliver Spurzem baut selbst Pool in Garten, Hawaii bleibt Ziel

Triathlon : Im eigenen Pool zum nächsten Ironman

Schwimmbäder sind weiter dicht, der Wettkampfkalender ist komplett durcheinander gewirbelt, und auch der Ironman auf Hawaii fällt 2020 flach. Sein großes Ziel verliert der Zweibrücker Triathlet Oliver Spurzem, der sich kurzerhand selbst einen Pool im Garten gebaut hat, dabei aber dennoch nicht aus den Augen.

Das letzte Schwimmtraining von Triathlet Oliver Spurzem ist schon ein Weilchen her: Im März im Trainingslager auf Mallorca war der WSF-Athlet das letzte mal „richtig“ im Wasser. Corona machte ihm einen Strich durch seine Trainings- und Wettkampfpläne. Während Spurzem in den vergangenen zwei Monaten auf dem Trockenen saß, konnte er zwar Laufen und Radfahren, doch das Training im Wasser fehlte. Also fasste er den Entschluss, sich im eigenen Garten einen Trainingspool zu bauen. Der ist inzwischen fast fertig. „Ich kann schon drin schwimmen, auch wenn noch einiges gemacht werden muss“, sagt der ehrgeizige Sportler. Bereits kurz nach dem Lockdown habe der Stabsfeldwebel des Fallschirmjägerregiments 26 damit angefangen, ihn zu bauen.

Die Idee selbst ist schon älter. Vor zwei Jahren entwickelte Oliver Spurzem bereits die Pläne mit dem Trainingspool. Corona sorgte dafür, dass er sie nun umsetzten musste. „Alleine irgendwo in den kalten See springen wollte ich ja auch nicht“, sagt der viermalige Teilnehmer am legendären Hawaii-Ironman.

Kann man in einem kleinen Pool im Garten aber überhaupt richtig trainieren? Immerhin müssen die Athleten bei den Langdistanz-Wettkämpfen 3,86 Kilometer schwimmen, im freien Gewässer ­ – und ein Pool ist räumlich begrenzt. Spurzem hat sich etwas einfallen lassen. Er nutzt einen Pooltrainer. Dieser hält den Schwimmer mit einem Seil in der Mitte des Beckens. „Das ist die günstigere Lösung gegenüber einer Gegenstromanlage“, erklärt der Zweibrücker Athlet, der zufrieden ist, dass auch die preiswerte Lösung funktioniert. „Es geht besser als erwartet“, erzählt er von den ersten Einheiten mit dem Seil. Am Anfang sei der leichte Zug zurück ein etwas komisches Gefühl gewesen, aber das Grundlagentraining sei damit gut umsetzbar. „Derzeit muss ich ja keine Wettkampfintervalle machen, es geht vor allem darum den Körper und die Schwimmmuskulatur zu bewegen.“

Gerade befindet sich der 43-Jährige mitten in einem achtwöchigem Aufbautraining. Eigentlich wollte er auf die Militär-WM im Juni in Spanien sowie den Ironman-Wettkampf im Juli im kalifornischen Santa Rosa hinarbeiten, der jedoch jetzt verschoben wurde. Auf welchen Zeitpunkt genau ist unklar. Die acht Wochen will Spurzem trotzdem einmal hart durchtrainieren. „Dann kann ich sehen, an welchen Stellschrauben ich noch drehen muss“, sagt er. Spurzem hätte noch die Option, statt des Wettkampfs in Kalifornien zum Beispiel im Oktober in Portugal oder im November in Florida anzutreten. Es fällt nur derzeit schwer, zu planen. Niemand weiß, wie es bis dahin mit den Reisebeschränkungen aussieht. Wann der nächste Wettkampf überhaupt stattfinden kann, „steht noch in den Sternen“.

Daher hat er sich dazu entschlossen, Ende Juni, Anfang Juli einen „Selfmade-Triathlon“ durchzuführen. „Ich würde meine Teamkollegen dazu holen, wir würden in einem Weiher schwimmen und dann auf die Strecke – stört ja keinen“, erklärt Spurzem die Pläne, um in diesem Sommer doch noch irgendwie eine Langdistanz zu absolvieren.

Auch 2020 wollte der Zweibrücker Oliver Spurzem wieder mit einem Lachen im Gesicht auf Hawaii über die Ziellinie laufen. Daraus wird jedoch nichts. Foto: Spurzem

Das nächste große Ziel des Zweibrückers bleibt nach wie vor aber die erneute Teilnahme am legendärsten Ironman der Welt auf Hawaii, der aufgrund der Corona-Verschiebung in diesem Jahr 2021 nun sowohl im Februar als auch im Oktober steigt (wir berichteten). Sollte es mit der Quali kappen, würde Spuzem lieber im Oktober als im Februar 2021 antreten. „Dann hätte ich ein Jahr Vorbereitungszeit“, sagt der WSF-Athlet. Wie es mit der Qualifikation für die zwei Weltmeistershaften in einem allerdings genau abaufen wird, ist offen. Ob nun im Februar oder Oktober – in Kona will Spurzem endlich sein Ziel erreichen, dort die Zehn-Stunden-Marke zu knacken. Die er über die Langdistanz schon mehrfach unterschritten hat – nur eben nicht auf Hawaii. 2019 war er nah dran. Da fehlten drei Minuten. Oliver Spurzem ist zuversichtlich. „Die drei Minuten kriege ich noch hin“. Vielleicht kann der Zweibrücker die letzten paar Prozent durch eine perfekte Vorbereitung im eigenen Trainingspool ja noch herauskitzeln.