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Triathlet Oliver Spurzem startet bei 70.3-WM in Nizza, dann Hawaii

Ironman : Der Druck steigt erst vor Hawaii

Für den Zweibrücker Triathleten Oliver Spurzem ist die Halbdistanz-WM in Nizza ein schöner Zwischenstopp.

Ein Jahr ohne großen Druck. Ungewöhnlich für Oliver Spurzem. Die quälenden Anstrengungen sind dennoch nicht ausgeblieben. Im September 2018 sicherte sich der Triathlet der WSF Zweibrücken in Kalifornien bereits die Qualifikation für Hawaii 2019 – und damit seinen vierten Start beim legendärsten Ironman der Welt. Zwar von dem Druck befreit, die WM-Quali noch abliefern zu müssen, ist das große Ziel, dort endlich die Zehn-Stunden-Marke zu knacken in der Vorbereitung noch deutlicher in den Fokus gerückt. Alles ist in diesem Jahr ganz genau darauf ausgerichtet.

Bevor der 42-Jährige allerdings den Haken hinter dieses ehrgeizige Vorhaben machen kann, steht zunächst ein weiteres großes Rennen – über die halbe Distanz (1,9 km schwimmen – 90 km auf dem Rad – 21 km laufen) – auf dem Programm. Und das bei keinem geringeren Event als der 70.3-WM in Nizza. „Zwei Weltmeisterschaften in einem Jahr, das ist schon cool.“ Großen Druck vor diesem Wettkampf macht sich Spurzem nicht. Er wird aus vollem Training starten. „Es hört sich komisch an, aber es ist ein B-Rennen in diesem Jahr. Ich werde dort nicht volles Tempo gehen.“ Zumindest nicht so, wie er normalerweise eine Mitteldistanz in Angriff nehmen würde. „Ich will eher die Hawaii-Belastung abrufen, Verpflegung und Kühlung testen.“

Bereits seit vergangener Woche ist Spurzem in Südfrankreich, spult in den Bergen Kilometer ab, erkundet die im zweiten Teil sehr holprige Rennstrecke. „Ich habe noch lange Belastungen auf dem Programm, die richtig reinhauen“, erklärt der Stabsfeldwebel des Fallschirmjägerregiments 26. Fünf, sechs Stunden in der Hitze auf dem Rad, danach laufen und im Meer schwimmen. „Das werde ich auch schon ohne Neopren testen, womöglich sogar im Wettkampf.“ Dann werde die Schwimmzeit in Nizza vielleicht etwas langsamer, „aber ich muss das große Ziel sehen“. Und das lautet: In Hawaii in einer Zeit unter zehn Stunden die Ziellinie überqueren.

„Ich bin schon voll im Modus und auf dieses Ziel fokussiert“, betont der extrem ehrgeizige Athlet, der bereits drei Mal den Qualen auf der Pazifikinsel getrotzt hat. „Es ist aber das erste Mal, dass Hawaii als Hauptwettkampf der Saison fungiert“, betont Spurzem. Ansonsten lag der Schwerpunkt auf dem Qualiwettkampf – meist der EM in Frankfurt im Juni oder Juli. „Danach war ich erstmal in einem Loch. Nochmal für Hawaii aufzutrainieren war hart und sehr schwer.“ Das Licht habe schon noch geglimmt, „aber nicht mehr so hell – jetzt habe ich richtig Bock auf das Rennen“.

An das er dieses Mal ganz anders herangehen konnte. „Ich hatte Zeit, den Fokus neben dem Training noch mehr auf die Themen drumherum zu lenken.“ Hitzeanpassung, Ernährung, Kühlungsmethoden. All das hat er in seinen bisherigen Rennen in diesem Jahr – ganz „zum Spaß“ der Langdistanz auf Lanzarote im Mai, der Halbdistanz in Maxdorf im Juni, der abgewandelte olympische Distanz in Luxemburg im Juli mit dem Militärnationalteam, der „harten und erbarmungslosen“ Halbdistanz im Allgäu im August – ausprobiert und verfeinert. Abgeschlossen ist dieser Prozess auch nach Nizza noch nicht. Dann geht es für Spurzem gleich ins Trainingslager nach Mallorca. Seinen Körper will er dort an die unfassbare Hitze von Hawaii anpassen. In langen Klamotten, mit Regenjacke und Mütze wird er lange Strecken abspulen. Bei aufgedrehter Heizung schlafen. Auch die frühe Anreise nach Hawaii am 26. September, zweieinhalb Wochen vor dem Rennen, soll der Akklimatisierung dienen.

„Es reicht mir jetzt einfach, wegen der Hitze auf Hawaii meine Leistung nicht abrufen zu können.“ Körperlich habe er sich bei jedem Start topfit gefühlt, aber die Dehydrierung habe ihn jedes Mal erwischt. „Dieses Mal muss es mit der Hitzeanpassung funktionieren – ich hoffe, dann habe ich Ruhe mit Hawaii.“ Vorerst. „Es ist einfach kein normales Rennen, es ist hart und brutal. Aber ich kann die Zehn-Stunden-Marke einfach nicht offen lassen“, erklärt Spurzem seine Motivation, sich auch einem vierten Mal den Höllenqualen auszusetzen.

Nach Spaß hört sich das kaum an. „Klar muss man ein bisschen verrückt sein“, gibt er lachend zu. „Aber Sport machen und durch die Welt reisen, das ist einfach ein Traum – wenn es auch ein harter ist.“ Diesen zu leben, wäre ohne die Unterstützung seines Arbeitgebers Bundeswehr so nicht möglich. „Ich habe schon fast Profibedingungen, dafür bin ich sehr dankbar.“

Und aktuell läuft unter diesen Voraussetzungen alles rund. „Die Vorbereitung scheint perfekt.“ Wenn nicht jetzt, wann dann soll die Zehn-Stunden-Marke auf Hawaii fallen? Ein bisschen Druck scheint da doch aufzukommen.