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Trainer der Region über die Fußball-EM

Umfrage zur Fußball-EM : „Sicher nicht Titelanwärter Nummer eins“

Die Euphorie vor der am Freitag beginnenden Fußball-Europameisterschaft hält sich derzeit noch in Grenzen. Was neben der Ausnahmesituation durch die Pandemie auch an den auszurechnenden Titelchancen der deutschen Elf liegen könnte, wie eine Umfrage unter Fußballtrainern der Region zeigt. Von denen einer bereits einen der aktuellen Nationalspieler gecoacht hat.

Seit etwas mehr als einer Woche informiert das DFB-Team täglich auf seinem Facebook-Kanal über das, was so angestanden hat. Training, Spiel, Quiz-Taxi und vieles mehr. Mal sind die Beiträge lustig oder zumindest lustig gemeint, mal sind sie ernster. Etwa beim Training – dann herrscht „höggschde Konzentration“, wie Bundestrainer Jogi Löw sagen würde.

Ein eingeläuteter Countdown auf die am Freitag beginnende Fußball-Europameisterschaft sozusagen, der Lust auf mehr machen soll. Denn bereits am Dienstag, 21 Uhr, startet Deutschland gegen den amtierenden Weltmeister Frankreich in das europäische Großturnier. Nicht mehr lange also, weshalb es nur allzu logisch erscheint, dass „Die Mannschaft“ bei den Fans eine Aufbruchsstimmung erzeugen will.

Nur, gelingt das? Peter Rubeck, Trainer des Landesligisten TSC Zweibrücken, ist sich da noch nicht so ganz sicher. „Mit der Art und Weise, wie die Nationalmannschaft aktuell Fußball spielt, kann ich mich überhaupt nicht mehr identifizieren“, sagt er. Deshalb „hält sich meine Vorfreude eher in Grenzen“.

Rubeck hätte sich gewünscht, dass Bundestrainer Joachim Löw, von dem „ich lange Zeit ein großer Fan war“, noch vor der EM zurückgetreten wäre. Gerade die Abkehr vom lange Zeit so erfolgreichen Ballbesitzfußball missfalle ihm bis heute. „Kroos oder Goretzka – die brauchen den Ball“, ist sich Rubeck sicher.

Doch der Zweibrücker Trainer sieht nicht alles negativ. So zeigt sich der Routinier etwa erleichtert darüber, dass Löw wieder das Leistungsprinzip eingeführt hat. Endlich wieder. Er verweist hier auf die Nominierungen von Mats Hummels, Innenverteidiger bei Borussia Dortmund, und Thomas Müller, Offensivspieler des FC Bayern München. „Es müssen bei der EM die besten Spieler spielen – und sie gehören ohne Zweifel dazu“, begründet Peter Rubeck.

Diese Meinung hat der 59-Jährige auch über seinen ehemaligen Schützling Robin Koch. Rubeck, damals Trainer bei Eintracht Trier, holte den zu dieser Zeit 17-jährigen Innenverteidiger von der A-Jugend zur Ersten Mannschaft in die Regionalliga Südwest. Seit 2020 spielt Koch, der für den 1. FC Kaiserslautern 27-mal in der zweiten Liga auflief, bei Leeds United in der Premier League. „Dass Robin berufen wurde, hat mich sehr gefreut“, sagt Rubeck hörbar stolz: „Ich habe mit ihm danach auch geschrieben und ihm gratuliert.“

Ob er Koch in wenigen Wochen auch zum EM-Titel beglückwünschen kann, da ist sich Rubeck indes nicht so sicher: „Wenn wir die Gruppenphase überstehen, ist alles möglich.“ Vom frühen Ausscheiden bis zum großen und durchaus überraschenden Coup.

In diese Kerbe schlägt auch Trainerkollege Alexander Joniks. „Wenn die Nationalelf die Gruppenphase übersteht, dann kann sie natürlich weit kommen“, sagt der Spielertrainer des Landesligisten VB Zweibrücken. Denn die Gegner sind, „ausgenommen vielleicht von Ungarn“, mit Weltmeister Frankreich und Europameister Portugal „hammerhart“. Rangiert die deutsche Nationalelf nach drei Spielen unter den ersten Zwei, sei alles möglich, glaubt Joniks. Auch der Titel.

Dass Löw einlenkte und Hummels sowie Müller doch für die EM nominiert hat, bewertet Joniks wie sein Vorredner Rubeck sehr positiv. „Die Entscheidung ist absolut richtig – die beiden haben eine gute bis sehr gute Bundesliga-Saison gespielt“, sagt Joniks und erkennt Parallelen zum VBZ-Kader: „Auch wir setzen bei uns auf einige erfahrene Spieler.“

Macht also Lust auf mehr, oder? Joniks widerspricht. Trotz der sehr attraktiven Gruppenphase und der sehr hohen Kaderqualität, „lässt mich die EM aktuell doch eher kalt“, sagt er. Der Grund: „Ich finde es nicht optimal, dass eine EM während einer Pandemie an vielen Standorten in Europa ausgetragen wird“, moniert der Fußball-Fachmann.

Die Abschiedstournee von Löw, „von dem ich nicht der größte Fan bin, weil ich selbst das schnelle Spiel in die Spitze mag, werde ich mir deshalb wohl nicht live anschauen“. Eher in der Zusammenfassung.

Etwas euphorischer klingt Jan Berger, sobald er über das europäische Kräftemessen spricht. „Die EM sollte nach vielen Monaten Corona-Krise mit vielen Spielen in leeren Stadien wieder Schwung in den Fußball bringen“, sagt der Trainer des Verbandsligisten SV Schwarzenbach. Nicht nur für die Amateurfußballer und Jugendkicker sei das Großereignis auf dem Weg hin zur Normalität wichtig. „Auch die Fußballfans wollen endlich wieder live vor Ort ihrer Mannschaft die Daumen drücken“, sagt Berger.

„Daher finde ich es gut und begrüßenswert, dass Fans bei der EM zugelassen werden.“ Jeweils rund 14 000 Zuschauer können voraussichtlich bei den Spielen der deutschen Nationalmannschaft in der Münchner Allianz Arena dabei sein. Berger hofft, dass „Die Mannschaft“ mit den Fans im Rücken weit kommt. Der Trainer sieht in ihr eine „Turniermannschaft, die sich fast immer zu steigern weiß“.

Auch Timo Wenzel, Trainer des Regionalligisten FC Homburg, sieht darin eine große Chance. „Deutschland ist erfahrungsgemäß eine Turniermannschaft“ – und könne deshalb durchaus überraschen, glaubt er. Top-Favorit ist das deutsche Ensemble für den 42-Jährigen jedoch nicht. „Hier stehen für mich Frankreich und England ganz oben.“ Neben den Niederlanden und Belgien rechnet er Deutschland aber zumindest Außenseiterchancen zu.

So sieht das auch Thorsten Dahmer. „Deutschland ist zwar sicherlich nicht der Titelanwärter Nummer eins, aber ich hoffe dennoch, auf ein sehr gutes Ergebnis“, hält der Trainer des Landesligisten SV Kirrberg fest. Auch Dahmer ist gespannt, ob sich das DFB-Team in der schweren Gruppe durchsetzen wird. „Diese gilt es erst einmal zu überstehen.“

Sollte Löws Elf bereits dort ausscheiden, wäre das für Patrick Gessner, Trainer des Verbandsligisten FC Palatia Limbach, eine herbe Enttäuschung. Schwere Gruppe hin oder her. „Zumindest unter die besten Vier sollte Deutschland schon kommen“, macht Gessner deutlich. Der 38-Jährige denkt hierbei sicherlich auch an die vergangenen Europameisterschaften unter Löw, bei denen die Deutschen stets mindestens ins Halbfinale kamen.

 Trainer des TSC Zweibrücken, Peter Rubeck.
Trainer des TSC Zweibrücken, Peter Rubeck. Foto: Wolfgang Degott/Degott
 Jan Berger, Trainer des SV Schwarzenbach.
Jan Berger, Trainer des SV Schwarzenbach. Foto: Stefan Holzhauser
 Der Trainer des SV Kirrberg, Torsten Dahmer.
Der Trainer des SV Kirrberg, Torsten Dahmer. Foto: Stefan Holzhauser
 VBZ-Spielertrainer Alexander Joniks.
VBZ-Spielertrainer Alexander Joniks. Foto: maw/Martin Wittenmeier
 Homburgs Regionalliga-Coach Timo Wenzel.
Homburgs Regionalliga-Coach Timo Wenzel. Foto: Hagen/Markus Hagen
 Patrick Gessner, Coach des FC Palatia Limbach.
Patrick Gessner, Coach des FC Palatia Limbach. Foto: Wolfgang Degott/Degott

Deutlich zurückhaltender klingt Martin Germann: „Aktuell ist die deutsche Mannschaft nicht so stark einzuschätzen, dass sie weit kommen wird“, vermutet der Vorsitzende des Oberligisten FSV Jägersburg. Für ihn gibt es spielerisch stärkere Teams. England zum Beispiel. Oder der Auftaktgegner Frankreich. Der Countdown läuft bis dahin.