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SWFV: Auf- und Abstiesrunde nun endgültig gestrichen

Amateurfußball: SWFV hält an Saisonfortsetzung fest : „Es schlagen zwei Herzen in einer Brust“

Der Südwestdeutsche Fußballverband hält weiter an der Fortsetzung der Saison – allerdings ohne komplette Auf- und Abstiegsrunde – fest. Auch die Pokalwettbewerbe sollen zu Ende gebracht werden. Die Skepsis an der Machbarkeit dieser Pläne nach der Lockdown-Verlängerung wächst allerdings.

Der Wunsch der Amateurfußballer, auf die Plätze, in den Spielbetrieb zurückzukehren, ist groß. Und doch ist klar, dass das nicht von heute auf morgen passieren kann. Die Skepsis, die derzeit unterbrochene Runde noch zu einem sportlich fairen Ende zu bringen, wächst im gleichen Maße, wie der vorhandene Zeitraum bis Ende Juni immer weiter zusammenschrumpft. Und doch hat der Südwestdeutsche Fußballverband (SWFV) in seiner Präsidiumssitzung am Donnerstagabend beschlossen, an der Fortsetzung der seit November unterbrochenen Spielzeit festzuhalten. „Erstes Ziel bleibt nach wie vor, eine Wertung der Saison 2020/21 zu erreichen“, heißt es in der Mitteilung des SWFV. Dies sei auch bei einem Start der Runde nach dem März noch möglich. Von der Auf- und Abstiegsrunde hat sich das Präsidium aber endgültig verabschiedet, da „nach dem Beschluss der Ministerpräsidenten und der Bundeskanzlerin eine Wiederaufnahme des Spielbetriebs im März nicht mehr möglich ist“.

Der jetzige Plan des SWFV sieht vor, dass im April wieder Punktspiele stattfinden können, wie Reiner Ehrgott, Vorsitzender des Fußball-Kreises Pirmasens-Zweibrücken und Mitglied des Verbandsspielausschusses, auf Nachfrage bestätigt. Neben dem Ligabetrieb sollen auch die Kreis- und Verbandspokalspiele auf jeden Fall durchgeführt werden, auch um das Landespokalendspiel am Finaltag der Amateure austragen zu können. Im Verbandspokal stehen noch die Runden ab dem Viertelfinale aus, im Kreispokal Pirmasens/Zweibrücken müssten noch fünf der acht Viertelfinal-Teilnehmer ermittelt werden.

Aufgrund der langen Unterbrechung hatte der SWFV zuletzt stets betont, den Vereinen eine Vorlaufzeit von vier Wochen für das Training ermöglichen zu wollen. Auch, um dem Verletzungsrisiko entgegenzuwirken. Um dann tatsächlich bereits im April wieder Spiele bestreiten zu können, müsste recht zügig nach den ersten Corona-Lockerungen wieder Mannschaftstraining möglich sein. „Und das wird es sicher nach dem 7. März auch noch nicht“, schätzt Ehrgott, der die Fortsetzung der Runde persönlich eher skeptisch sieht: „Irgendwann wird der Tag kommen, an dem es nicht mehr geht“, sagt er. Man werde zwar vielleicht irgendwann im März mit vier, fünf Leute n trainieren dürfen. Aber bis zu einem geregelten Teamtraining dürfte es noch eine Weile dauern. „Wir sind ein Fußballverband und müssen das Spielen ermöglichen“, erklärt der Kreisvorsitzende. Aber ob es in der derzeitigen Situation sinnvoll und machbar ist, das sei eine andere Frage. Im Verband gehen die Meinungen, was die Fußballer selbst wollen, ein bisschen auseinander. „Ich fühle eher, dass die Vereine bereit sind, einen Abbruch zu riskieren, während andere Kollegen sagen: ‚Die Vereine wollen partout noch spielen’“, sagt Reiner Ehrgott zum allgemeinen Stimmungsbild. In dem einen oder anderen Fall dürfte die Ansicht auch mit der jeweiligen Tabellenposition zusammenhängen.

„Es ist eine schwierige Entscheidung“, sagt Alexander Joniks, Trainer des Fußball-Landesligisten SG VB Zweibrücken/Ixheim, mit einem tiefen Seufzer. „Ich denke, man muss weiter die Entwicklung der Corona-Pandemie abwarten – auch, wie der Mutant sich auswirkt.“ Aus sportlicher Sicht würde er „natürlich“ gerne weiter machen. „Fußballer wollen immer spielen.“ Aber die Vernunft sage auch: „Vielleicht wäre es sinnvoll gewesen, für diese Saison zu sagen, aufgrund der Pandemie geht es einfach nicht und man muss einen Haken dran setzen. Es schlagen zwei Herzen in einer Brust: Einmal der Fußballer und dann die Vernunft“, betont der Spielertrainer des derzeit Fünften der Südstaffel der Landesliga West.

Der sportliche Leiter des Liga-Konkurrenten TSC Zweibrücken, Hakan Haliloglou, findet deutliche Worte: „Ich halte es für Schwachsinn, dass überhaupt noch darüber diskutiert wird, die Saison fortzusetzen.“ Die Spieler hätten schon im vergangenen Jahr nach der langen Zwangspause durch den Lockdown innerhalb von vier Wochen wieder von null auf hundert kommen müssen. „Jetzt hatten sie wieder die Pause und sollen dann noch acht Spiele machen?“, sieht Haliloglou diese Pläne auch mit Blick auf die Verletzungsanfälligkeit kritisch. „Ich habe keinen Athletiktrainer und keinen Physio, der dreimal die Woche im Training ist und die Spieler massiert.“ Er sähe es lieber, wenn die Saison abgebrochen wird, und die Clubs etwa ab Mai bereits mit ihren neuen Mannschaften auf die kommende Saison hinarbeiten könnten. Dann wären mit ausreichend Vorlaufzeit – um sich wieder an fußballspezifische Bewegungsabläufe gewöhnen zu können – ja auch Testspiele drin. „Und mögliche Lockerungen nach dem 7. März würden ja nicht bedeuten, dass gleich wieder voll ins Mannschaftstraining eingestiegen werden kann. Ich denke, zunächst sind mal Lokale und Geschäfte dran“, sagt Haliloglou, dem bewusst ist, dass der eine oder andere denken könnte, seine Meinung hätte mit dem derzeit sechsten Platz des TSC zu tun, der die Teilnahme an der Abstiegsrunde bedeuten würde. „Nein, ich bin sicher, dass wir in den acht verbleibenden Spielen mit einem Trainer Sanel Nuhic unsere Punkte noch holen würden.“

Unabhängig davon, dass die SG Rieschweiler derzeit mit nur einem Zähler das Schlusslicht der Verbandsliga Südwest (Gruppe 1) bildet, wäre Co-Trainer Steffen Sprau froh, „endlich wieder auf den Platz zu können – das wird so langsam Zeit“. Ob es realistisch ist, die Runde noch durchzubekommen, „kann man, denke ich, erst Ende Februar sehen, je nachdem, wie die Corona-Zahlen sich bis dahin entwickeln“. Und auch der 32-Jährige sieht bei jeglichen Plänen die vier Wochen Vorlaufzeit vor dem ersten Punktspiel als dringend notwendig an. „Natürlich muss man schauen, ob das ganze dann auch von der Zeit her noch machbar ist.“ Grundsätzlich denkt Sprau, dass die SGR ihre noch ausstehenden zehn Partien bis Ende Juni durchbekommen könnte. Allerdings seien in der Verbandsliga Mittwochsspiele schon schwierig. „Wir können unter der Woche nicht mal schnell nach Bad Kreuznach oder Idar-Oberstein.“ Grundsätzlich wolle aber jeder in der Mannschaft und jeder im Verein einfach wieder auf den Platz, um auch die Leute wieder um sich zu haben. „Wenn es wirklich möglich wäre, zu spielen, wäre es schon schön. Einfach, weil es sonst auch schon die zweite Runde wäre, die abgebrochen werden müsste“, sagt der Rieschweiler Co-Trainer.

Für den Fall, dass die Corona-Beschränkungen auch die jetzigen Pläne des SWFV zunichtemachen würden, wären die Modelle des Verbands erschöpft. „Dann ist das Ende der Fahnenstange erreicht“, erklärt Reiner Ehrgott. „Die Auf- und Abstiegsspiele sind ja schon gestrichen. Die Gruppenphase müssen wir spielen, um eine sportliche Wertung zu erzielen.“ So stehe es in der Spielordnung. Eine Wertung erfolgt im Spielbetrieb der Herren, wenn bei geteilten Staffeln alle Spiele der Hauptrunde und bei kompletten Ligen mit Vor- und Rückrunde zumindest die Vorrunde gespielt beziehungsweise gewertet wurde. Im Frauen- und Jugendbereich gilt dies, wenn jede Mannschaft mindestens einmal gegen jede andere der gleichen Gruppe/Staffel gespielt hat. „Wenn wir damit nicht klar kommen, dann ist das Thema durch“, betont der Kreisvorsitzende. Die Punktspiele müssten bis 30. Juni beendet sein. Sollte die Runde tatsächlich fortgeführt werden, ist vorgesehen, dass die jeweiligen Tabellenersten der geteilten Spielklassen nach der Gruppenphase ein Aufstiegsspiel bestreiten, der Verlierer wäre dann der Relegationsteilnehmer. Auch um den Klassenverbleib gäbe es eine Relegation.

Wann genau es wieder auf den Platz gehen kann, ist nach jetzigem Stand für die SWFV-Fußballer demnach weiterhin offen. Der Verband müsse das nächste Bund-Länder-Treffen am 3. März abwarten, bei dem auch Aussagen zu möglichen Zeitpunkten einer Wiederaufnahme des Amateursports erwartet werden. Die nächste Sitzung des SWFV-Präsidiums ist dann für den 10. März geplant. Zumindest bis dahin müssen sich die Fußballvereine im südwestdeutschen Verband weiter gedulden, bevor sie wissen, ob sie noch für diese Saison oder erst für die nächste mit einer Rückkehr in den Punktspielbetrieb rechnen können.