SVN feuert Trainer Sorin Radu

Der SVN Zweibrücken hat die Notbremse gezogen. Trainer Sorin Radu wurde am Dienstagabend mit sofortiger Wirkung entlassen. Damit reagiert der Verein auf den anhaltenden sportlichen Abwärtstrend. Der SVN liegt nach zehn Spieltagen ohne Punkt abgeschlagen am Tabellenende der Oberliga.

Mit seiner positiven Art hatte Sorin Radu zunächst viel Optimismus beim SVN Zweibrücken verbreitet - zuletzt aber hatte sich diese offensichtlich abgenutzt. Der kriselnde Fußball-Oberligist hat Konsequenzen aus dem desaströsen Saisonstart gezogen und sich am Dienstag nach nicht einmal drei Monaten von seinem Cheftrainer getrennt. In einem längeren Vier-Augen-Gespräch habe ihm der Vorsitzende Richard Denger seine Entscheidung mitgeteilt, erklärte Radu gestern auf Merkur-Nachfrage. "Der Vorstand will etwas anderes, das muss ich akzeptieren. Aber ich bin schon sehr enttäuscht. Mir hat die Arbeit hier Riesenspaß gemacht." Dass im Anschluss an das Gespräch geplante Training fand nicht mehr statt. "Die Jungs waren richtig niedergeschlagen. Viele haben sich direkt ins Auto gesetzt und sind nach Hause gefahren. Ich habe ihnen aber auch gesagt, dass sie weitermachen und dem Verein in seiner schwierigen Lage helfen sollen."

Die Zahlen haben schon seit Längerem gegen den Deutsch-Rumänen gesprochen: Zehn Niederlagen in zehn Ligaspielen, dazu das frühe Aus im Verbandspokal - "wenn die Resultate nicht stimmen, hast du als Trainer kaum Argumente", sagt Radu. Zuletzt hatte der 40-Jährige auch öffentlich die "fehlende Qualität" seiner Mannschaft bemängelt. "Wenn du keine Spieler von Oberligaformat hast, wie willst du dann die Punkte holen? Der Klassenerhalt wäre ein Wunder", hadert Radu. Die Oberliga sei "für einen Verein, der kein Geld hat, zu hoch". Vor diesem Hintergrund wollte sich Radu mit dem SVN erst einmal "in die Winterpause retten" und dann damit beginnen, ein verbandsligataugliches Team für die nächste Saison aufzustellen. Mit einigen Spielern habe er bereits in Kontakt gestanden.

Vereinsboss Richard Denger verfolgt offensichtlich andere Pläne. Schon nach dem Punktspiel in Wirges - "das war für uns ein Sechs-Punkte-Spiel" - habe er über personelle Konsequenzen nachgedacht und auch mit Radu darüber gesprochen. Nach der 0:4-Pleite gegen Elversberg habe er schließlich den Entschluss gefasst, nicht weiter mit seinem Trainer zusammenzuarbeiten. "Die Ergebnisse haben uns zum Handeln gezwungen." Anders als bei Radu lebt beim SVN-Vorsitzenden die "Hoffnung, es noch drehen zu können". Der Abstand zu den anderen Teams sei allerdings schon groß.

Einen Nachfolger habe man bereits gefunden, bestätigt Denger. Wer den SVN vor dem Abstieg retten soll, wollte er aber nicht verraten, es sei niemand aus der Region. Verträge seien auch noch nicht unterzeichnet. Dennoch soll der "Neue" bereits heute Abend die erste Trainingseinheit im Westpfalzstadion leiten und am Samstag beim Oberliga-Spiel in Jägersburg auf der Bank sitzen. Co-Trainer Cedric Friedmann bleibt vorerst im Amt.

Meinung:

Die falsche Reißleine gezogen

Von Merkur-RedaktionsmitgliedMartin Wittenmeier

Es gibt Entscheidungen, die auf den ersten Blick logisch erscheinen. Bleibt der sportliche Erfolg aus, sind in der Regel die Trainer das schwächste Glied in der Kette. Beim SVN Zweibrücken trifft das allerdings nicht zu - seinen Hut musste Sorin Radu dennoch nehmen. Um es in der Fußballsprache auszudrücken: Eine glasklare Fehlentscheidung! Schuld an der sportlichen Misere haben beim SVN viele, Sorin Radu sicher nicht. Während der geschasste Zweibrücker Coach realisiert hat, dass die Oberliga nicht nur sportlich sondern auch finanziell derzeit eine Nummer zu groß ist und bereit war, einen Neustart eine Klasse tiefer einzuläuten, tagträumt der Vorsitzende Richard Denger weiter vor sich hin. Glaubt noch immer an die Oberliga-Tauglichkeit der Mannschaft, an den Klassenverbleib, dass sich jetzt doch noch alles zum Guten wendet. Fatal! Auch der neue Mann an der Seitenlinie wird den SVN nicht vor dem Abstieg retten können - nicht unter diesen Voraussetzungen.