SVN fängt wieder bei null an

Noch hat die Runde in der Fußball-Oberliga nicht begonnen, muss sich der SVN Zweibrücken schon wieder auf die Suche nach einem neuen Trainer machen. Noch vor dem Start in die Vorbereitung, geplant für gestern Abend, ist Sven Blauth zurückgetreten. Neue finanzielle Forderungen an den Verein machen seine Planungen zunichte.

Harter Schlag für den SVN Zweibrücken . Der Fußball-Oberligist ist wieder trainerlos. Noch vor dem gestern geplanten Start in die Vorbereitung ist Sven Blauth zurückgetreten. Ohne überhaupt ein Spiel an der Seitenlinie absolviert zu haben. "Ich kann die Arbeit nicht weitermachen", erklärt er im Gespräch. Er sei nach Zweibrücken gekommen, hat seine Planungen auf einen bestimmten Etat aufgebaut, "der jetzt nicht gehalten werden kann." In den vergangenen Tagen seien bei dem finanziell arg angeschlagenen Absteiger aus der Regionalliga neue Forderungen "von Institutionen eingelaufen, die akut sind, keinen Aufschub dulden - und die Etatplanung damit sozusagen nullen". Die Forderungen der Institutionen liegen in einem fünfstelligen Bereich. Dabei dreht es sich um Altlasten aus der vergangenen Saison, wie der Vorsitzende Richard Denger erklärt. Dabei sei der "Bruchteil der noch ausstehenden Gehälter von Spielern" das geringste Problem. Zumal vieles auch in Raten abgezahlt werden könne. Die aktuell eingelaufenen Rechnungen, "die wir in dieser Höhe nicht erwartet haben, dulden aber keinen Aufschub", betont Denger. Damit haben sich die Voraussetzungen für Blauths Kaderplanungen verändert. "Wenn ich weiß, dass ich das Wort nicht halten kann, dass ich den Spielern in den vergangenen Wochen gegeben habe, kann ich das nicht mit mir vereinbaren. In der geplanten Konstellation können wir die Runde nicht umsetzen." Also zieht der 29-Jährige einen Schlussstrich.

Die gleiche Option will er auch den bereits verpflichteten Spielern offen halten. Auch wenn es "ein schwerer Gang war, hat Blauth gestern statt zu trainieren mit den Spielern gesprochen, ihnen die neue Situation mit der Konsequenz, für noch weniger Geld als die vereinbarten Summen zwischen 200 und 300 Euro monatlich beim SVN zu kicken, dargelegt. "Wenn dann Spieler entscheiden, auch unter den neuen Bedingungen hier zu spielen, ist das schön. Aber ich denke, man muss so ehrlich sein und ihnen die Möglichkeit geben, eine andere Option zu wählen." Das müsse der Verein dann akzeptieren. Entschieden habe sich gestern aber noch keiner, "die Jungs wollen erst einmal eine Nacht drüber schlafen", erklärte Blauth am Abend auf Nachfrage. "Ich bin Richard Denger dankbar, dass er zu mir so offen war, zu so einem frühen Zeitpunkt, an dem ich noch konsequent eine Entscheidung treffen konnte - auch wenn diese nicht einfach war."

Kein früher Zeitpunkt ist es für den SVN. Es ist unklar, wie viele Spieler in den kommenden Tagen noch im Kader stehen. Ob überhaupt noch einer. Ebenso, wer so schnell unter den gegebenen Voraussetzungen das Traineramt übernehmen könnte, wann die eventuell verbleibenden und neuen Spieler in die Vorbereitung starten. Knapp sechs Wochen vor Rundenstart fängt der Verein somit wieder bei null an. Denger versucht sich dennoch zuversichtlich zu geben, glaubt noch daran, die Saison in der Oberliga antreten zu können. "Natürlich kommt der Knall relativ kurzfristig. Wir brauchen jetzt schnellstmöglich einen neuen Trainer, der sich in der Region ebenfalls auskennt, mit den Spielern - das ist unsere Hauptaufgabe." Neben den Gesprächen mit Sponsoren. Denn auf deren Unterstützung sei der Verein jetzt angewiesen. "Es kommt darauf an, wie sie uns helfen, ob sie auch bereit sind, uns dabei zu unterstützen, nicht nur das Tagesgeschäft ordentlich abzuwickeln." Nur so könnten die Altlasten sukzessive abgebaut und der Verein, "der sicher noch mindestens ein Jahr zur Konsolidierung braucht", wieder in geordnete Bahnen geführt werden. "Damit der SVN auch wieder zu seinen Zusagen stehen kann." Ans Aufgeben denkt der Vorsitzende auch in der erneut heiklen Lage nicht: "Wir hatten schon ähnlich schwere Situationen zu überstehen in den vergangenen Jahren. Ich bin zuversichtlich, dass wir das auch dieses Mal schaffen." Die SVN-Verantwortlichen, die immer wieder Lösungen gefunden haben, würden alles dafür geben, "eine ordentliche Runde in der Oberliga spielen zu können". Denger: "Aber wir brauchen dazu Hilfe."

Meinung:

Die Zeit wird knapp

Von Merkur-RedakteurinSvenja Kissel

Trainer weg, die meisten Spieler wohl auch. Und das, bevor die Saison in der Fußball-Oberliga für den SVN Zweibrücken überhaupt erst begonnen hat. Die Krise bei den Niederauerbachern nimmt noch lange kein Ende. In der vergangenen Woche erst standen mit Sven Blauth und dessen ersten elf Neuverpflichtungen die Zeichen beim wirtschaftlich schwer angeschlagenen Verein auf Aufschwung. Jetzt ist alles wieder dahin. Neue finanzielle Forderungen lassen die Etatplanungen zerplatzen wie eine Seifenblase. Die finanziellen Möglichkeiten für Spieler schwinden. Man kann sich fragen, ob die Vereinsspitze nicht schon vorher hätte mit den Forderungen rechnen und die Runde anders planen müssen. Klar ist es schwer, dann Spieler und Trainer zum SVN zu locken. Aber jetzt, keine sechs Wochen vor Saisonstart, wird es nicht einfacher. Der SVN kann froh sein, wenn es ihm gelingt, dem vierten Umbruch innerhalb eines Jahres noch vor dem ersten Anpfiff den fünften folgen zu lassen. Die Zeit wird knapp.