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SVK Blieskastel-Zweibrücken starten mit neuem Trainer Haitham Aleter in die Saison

SVK Blieskastel-Zweibrücken : „Das Potenzial für die Oberliga ist da“

Mit Trainer Haitham Aleter ist der SVK Blieskastel-Zweibrücken in die Vorbereitung eingestiegen. Der neue Coach bringt reichlich Profierfahrung – und eine bewegte Geschichte mit.

Nationalspieler, Übungsleiter, Kriegsflüchtling: Haitham Aleter hat in seinem Leben viel gesehen. Der 44-Jährige ist der neue Trainer der Verbandsliga-Volleyballer des SVK Blieskastel-Zweibrücken. Aleter beerbt Alexander Hoffmann – in der letzten Saison noch Spielertrainer – der künftig als Spieler und Co-Trainer fungiert. Im Gespräch mit dem Merkur erzählt Aleter, welche Ziele er mit dem SVK verfolgt, unter welchen Umständen es ihn vor fünf Jahren aus seiner Heimat Syrien nach Deutschland verschlagen hat – und nach welchem Erlebnis er als neunjähriger Knirps entschied, dass der Volleyball aus seinem Leben nicht mehr wegzudenken ist.

Herr Aleter, was war ausschlaggebend dafür, dass Sie sich entschieden haben, bei den Volleyballern des SVK Blieskastel-Zweibrücken zur neuen Saison den Trainerposten zu übernehmen?

Die Mannschaft hat ein Ziel vor Augen: nämlich den Aufstieg in die Oberliga. Und sie ist bereit, für dieses Ziel richtig hart zu arbeiten. Außerdem ist die Stimmung im Team, auch im Training, richtig gut. Jeder Spieler hat Lust darauf, zu arbeiten und sich weiterzuentwickeln.

Der Oberliga-Aufstieg ist also das klar definierte Saisonziel?

Das Potenzial ist auf jeden Fall da. Meiner Einschätzung nach könnte es sogar noch weiter nach oben gehen.

Wie kam der Kontakt mit dem SVK überhaupt zustande?

Ich habe zwei Jahre lang die Damenmannschaft vom SV Steinwenden (Regionalliga Anm. d. Red.) trainiert. Eine meiner ehemaligen Spielerinnen hat mir erzählt, dass beim SVK noch aktive Spieler gesucht werden und mir die Nummer von Spielertrainer Alex Hoffmann gegeben. Ich habe dann beim SVK ein paar Mal mittrainiert. Wegen Knieproblemen ist es mit dem Spielen selbst zwar nichts geworden. Aber als Alex erfahren hat, dass ich neben meiner Erfahrung als Spieler auch schon als Coach gearbeitet habe, hat er mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, das Training beim SVK zu übernehmen.

Was waren Ihre ersten Eindrücke vom Verein, den Spielern und dem Umfeld? Sind Sie gut aufgenommen worden?

Mein Eindruck war und ist sehr positiv. Ich stand vor allem mit Alex Hoffmann in Kontakt. Ich habe ihm erklärt, was meine Ideen sind und was ich verbessern will. Die Rückmeldung von Vereinsseite war richtig enthusiastisch und mir wurde jede Unterstützung angeboten, die ich brauche.

Sie sind mit der Mannschaft bereits früh in die Vorbereitung auf die neue Saison eingestiegen. Worauf liegt der Fokus im Training?

Ich bin ein Anhänger der sogenannten „asiatischen Volleyballschule“. Die beruht vor allem auf Geschwindigkeit und einer starken Defensive. Diese Art Volleyball wird in Asien vorwiegend gespielt, weil es dort nicht so viele große Spieler gibt. Dieses System versuche ich gerade im Training zu vermitteln. Unser Spielrhythmus soll schneller – und unsere Defensive besser werden.

Wie oft in der Woche lassen Sie momentan trainieren?

Im Augenblick trainieren wir zwei Mal in der Woche. Aber wenn die Mannschaft zustimmt, würde ich ab Juni gerne noch eine dritte Trainingseinheit einlegen.

Für welche Clubs in Deutschland haben Sie bereits gespielt oder sie trainiert?

2015 sollte ich für Enkenbach-Alsenborn spielen. Damals hatte ich aber eine Operation am Knie, da wurde nichts draus. Dann habe ich begonnen, die zweite und dritte Herrenmannschaft des Vereins zu trainieren. Im Anschluss war ich Coach der Damen vom SV Steinwenden in der Regionalliga. Das war eine erfolgreiche Zeit. Wir wurden Vierter und mit der U20 des Vereins haben wir die Rheinland-Pfalzmeisterschaft gewonnen. Dann war ich noch kurz Co-Trainer beim Drittligisten SSC Freisen.

Hatten Sie schon Gelegenheit Zweibrücken kennenzulernen?

Ehrlich gesagt noch nicht richtig. Das Training endet immer ziemlich spät, so dass ich noch keine Möglichkeit hatte, die Stadt wirklich zu erkunden. Aber ich spiele mit dem Gedanken, zum Saisonstart hierherzuziehen, sofern ich hier bis dahin eine Arbeit gefunden habe.

Wo wohnen Sie im Moment?

Ich lebe in Kaiserslautern. Ich fahre oft mit der Bahn nach Zweibrücken. Dann dauert es etwa eine Stunde bis ich im Training bin.

Alexander Hoffmann, der letzte Saison noch Spielertrainer war, ist jetzt Ihr Co-Trainer. Wie ist die Zusammenarbeit mit ihm?

Dass Alex mir zur Seite steht, hilft mir sehr. Er ist der Zuspieler in der Mannschaft, eine ganz wichtige Position. Da ist es essenziell, dass wir eng und vertrauensvoll zusammenarbeiten.

Ihr Heimatland ist Syrien. Sie waren dort Volleyball-Profi in der ersten Liga, sogar Junioren-Nationalspieler. Können Sie etwas über ihr Leben als Profi dort erzählen?

Meine Karriere hat 15 Jahre gedauert. Ich habe für verschiedene Vereine in – und außerhalb von Syrien gespielt. Außerdem von 1992 bis 1993 in der Jugendnationalmannschaft. Wir haben in Syrien drei Ligen, die erste ist in etwa vergleichbar mit der zweiten Liga in Deutschland. Ein Problem der Sportart habe ich auch in Deutschland kennengelernt: Die meiste Beachtung bekommt immer der Fußball.

Kann man in Syrien von dem Sport leben?

Wenn man für einen der „reichen“ Clubs in der Hauptstadt Damaskus oder auch in Aleppo spielt, dann geht das schon. Viele Vereine werden auch von Ministerien unterstützt. Das heißt, dass Spieler und Trainer eine Arbeit in einem Ministerium bekommen, sich aber hauptsächlich auf Volleyball konzenztrieren können.

Wo wurden Sie ausgebildet?

Ich bin in der Stadt Salamia aufgewachsen und habe in der Jugend dort auch für den Salamia Sport Club gespielt. Darauf bin ich schon stolz. Das ist eine der wichtigsten Volleyballschulen – nicht nur für Syrien – sondern auch für andere arabische Länder. Aus der Sportschule kommen viele zukünftige syrische Nationalspieler im Damen- und Herrenbereich. Einige meiner ehemaligen Mitspieler aus der Jugend spielen und trainieren heute etwa in Schweden, Frankreich, Qatar – und auch in Deutschland.

Gibt es beim Volleyball einen Unterschied zwischen Syrien und Deutschland?

Der Sport in Syrien leidet wie viele andere Bereiche dort unter den typischen Problemen von Entwicklungsländern: mangelnde Infrastruktur, unverantwortliches Finanzgebahren, Korruption. Und dazu kommt natürlich noch der Krieg. Der Sport generell ist in gewisser Hinsicht „defekt“ und müsste wie so vieles andere von Grund auf erneuert werden.

In welchem Alter haben Sie mit dem Volleyball angefangen? Wie kamen Sie zu dem Sport?

Ich habe mit sieben angefangen Volleyball zu spielen. In meiner Heimatstadt ist es der Traum eines jeden Kindes in der ersten Mannschaft des Salamia Sports Club zu spielen. Ich erinnere mich noch daran, wie ich neun Jahre alt war und mit dem Jugendteam unseres Clubs gegen den Nachwuchs der bulgarischen Nationalmannschaft gespielt habe. So einen Gegner hatte ich in unserer kleinen Stadt vorher noch nie gesehen. Gefühlt ist die ganze Stadt zu dem Spiel gekommen. Da habe ich entschieden, dass ich es im Volleyball so weit wie möglich bringen will.

Sie leben seit fast fünf Jahren in Deutschland. Wie kam es dazu?

Als der Arabische Frühling Syrien erreicht hat, war ich einer von den Millionen Menschen, die Freiheit und Demokratie verlangt haben. Aber unter dieser Diktatur war selbst Meinungsfreiheit verboten. Nachdem ich mich geweigert hatte, beim sogenannten „Präsidenten-Cup“ mitzuspielen, habe ich mich ernsthaft bedroht gefühlt und entschieden, mein Heimatland zu verlassen.

Wie ging es weiter?

Ich hatte das große Glück, dass ich ein Stipendium für ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität von Barcelona bekommen habe. Ich musste also nicht wie viele andere in einem Gummiboot über das Meer fahren. Ich habe Spanien dann verlassen und in Deutschland Asyl beantragt. Bei dieser Gelegenheit will ich Deutschland und vor allem den Menschen, die hier leben, für die große Unterstützung danken. Sie sind für die Flüchtlinge ein bisschen wie die Familie, die wir vermissen.

Haben Sie Familie?

So ausgelassen wollen die Volleyballer des SVK Blieskastel-Zweibrücken in der nächsten Saison noch viel öfter jubeln. Und in der Spielzeit darauf vielleicht sogar eine Liga höher. Foto: maw/Martin Wittenmeier

Ich bin ledig. Mein Vater, meine Mutter und meine drei Schwestern leben noch in Syrien.