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SV64-Neuzugang Tim Götz folgt dem Ruf von Stefan Bullacher - erneut

3. Handball-Liga : Götz hat seinen „Anker“ wiedergefunden

Tim Götz ist einer der Neuzugänge bei den Handballern vom SV 64 Zweibrücken. In den Planungen seines – neuen alten – Trainers Stefan Bullacher soll der 23-Jährige eine Führungsrolle einnehmen. Denn der Rückraumspieler bringt trotz seines jungen Alters schon eine Menge Drittliga-Erfahrung mit.

Tim Götz auf dem Feld und Stefan Bullacher an der Seitenlinie: Das passt. Bereits zum zweiten Mal ist der Rückraumspieler dem Ruf des Handballtrainers gefolgt. 2016 spielte Götz unter Bullacher beim TV Hochdorf. Und in der kommenden Saison wird der 23-Jährige für den Drittliga-Aufsteiger SV 64 Zweibrücken auf der Platte stehen.

Die Vertragsgespräche dürften sich beim zweiten Mal ein wenig einfacher gestaltet haben als im ersten Anlauf. Denn als Bullacher vor rund vier Jahren bei Götz zu Hause auf dem Sofa saß und den damaligen Jugendspieler von den Eulen Ludwigshafen nach Hochdorf lotsen wollte, habe der Trainer „richtig Überzeugungsarbeit leisten müssen.“ Stefan Bullacher sollte den Kader des baden-württembergischen Drittligisten damals verjüngen „und Tim war einfach ein Riesentalent – aber er hat sich den Sprung selbst noch gar nicht so richtig zugetraut“, berichtet der Coach. Und das obwohl Götz bei den Eulen Torschützenkönig aller vier Jugendbundesliga-Staffeln geworden war. „Ich war damals einer der letzten Transfers von Hochdorf und bin eigentlich davon ausgegangen, dass der Verein einen anderen Spieler auf meiner Position favorisiert. Und ich wollte in meinem ersten Jahr bei den Aktiven nicht nur auf der Bank sitzen“, erzählt Tim Götz.

Doch die Zweifel waren unbegründet. In seiner Premierensaison bei den „Erwachsenen“ wurde er rasch Stammspieler auf der Rückraum-Mitte-Position und avancierte zum Top-Torschützen seiner Mannschaft . „Ich hatte zu Beginn viele erfahrene Mitspieler, die mir extrem weitergeholfen haben. Und wenn es dann gleich in den ersten zwei, drei Spielen gut läuft, ist auch das Selbstvertrauen da“, erklärt Tim Götz den reibungslosen Übergang in den Aktivenbereich.

Dass er sich nun den Zweibrücker Löwen angeschlossen hat, hängt mit seinem neuen alten Trainer eng zusammen. „Na klar – Stefan war ein großer Faktor“, sagt Götz. „Als 19-Jähriger direkt so viel Vertrauen geschenkt zu bekommen, ist nicht selbstverständlich – und es hat mich weitergebracht.“ Auch die Auftritte der Zweibrücker Mannschaft, die mit nur einer Niederlage aus der Oberliga aufgestiegen war, habe ihn beeindruckt. „In der RPS-Oberliga spielen einige alte Weggefährten von mir, deshalb habe ich die Spielklasse immer im Blick gehabt. Als ich dann zum Jahreswechsel die ersten Gespräche mit den SV-Verantwortlichen geführt habe, habe ich natürlich noch genauer hingeschaut. Die Dominanz war schon beeindruckend“, blickt Götz zurück auf die Zeit vor der Corona-Krise.

Seine neuen Mannschaftskameraden hat er im Training nun kennengelernt – und ist sowohl sportlich als auch menschlich angetan. „Ich bin super aufgenommen worden, das ist eine junge Mannschaft, in der richtig viel Talent steckt.“ Torwart Marko Ivankovic, der vor kurzem aus seinem verlängerten Urlaub in Kroatien zurückgekehrt ist, habe er als letztes kennengelernt. „Der ist im Tor ein richtiges Brett.“ Dass die Zweibrücker das Zeug dazu haben, das angepeilte Ziel Klassenerhalt zu erreichen, steht für Götz außer Frage.

Dass er sich dem SV 64 angeschlossen hat, liegt aber zum Teil auch an der letzten Spielzeit in Hochdorf. Eine komplizierte Knieverletzung zwang ihn in der kompletten Vorrunde zum Zuschauen. Im neuen Jahr knüpfte er zwar fast nahtlos wieder an seine starken Leistungen an, ganz zufrieden war der 23-Jährige aber nicht. „Ich hätte auch nichts dagegen gehabt, in Hochdorf zu bleiben. Aber die letzte Saison war schwierig für mich. Ich wollte jetzt auf der einen Seite etwas Neues ausprobieren – auf der anderen Seite nicht in komplett neue Strukturen eintauchen. Da war es wichtig, dass ich Stefan kenne und schätze“, sagt Tim Götz, der einräumt, dass der Entschluss, sich dem SV 64 anzuschließen, bis zu einem gewissen Grad eine „Bauchentscheidung“ gewesen sei.

„Tim hat eine neue Herausforderung gesucht, wollte dabei aber auch einen ‚Anker’ haben“, bestätigt Bullacher. Wenn er die Vorzüge seines Neuzugangs aufzählt, gerät der 51-jährige Trainer ins Schwärmen. Die Liste ist lang: „Tim ist zwar kein 100 Kilo schwerer Zwei-Meter-Mann. Aber das macht er auf anderer Ebene wett. Er ist spielintelligent, schnell, dynamisch, torgefährlich und hat eine tolle Übersicht“, lobt Bullacher. der Götz darüber hinaus menschlich für einen „Top-Jungen“ hält, der „immer bodenständig geblieben ist, obwohl er in jungen Jahren schon viel erreicht hat“. Dass Götz in seiner Mannschaft eine tragende Säule werden soll, ist für den Trainer sonnenklar. „Er ist zwar erst 23, aber ähnlich viel Erfahrung in der 3 Liga haben bei uns nur Benni Zellmer und Philipp Hammann“, weiß Bullacher.

Götz selbst freut, das Lob. Er weiß aber auch, dass mit den Vorschusslorbeeren eine gewisse Erwartungshaltung verknüpft ist. „Ein bisschen Druck ist da schon. Aber das motiviert mich auch. Der Verein erwartet viel von mir, die Zuschauer erwarten viel von mir. Aber vor allem erwarte ich selbst viel von mir“, sagt er.

Den Beginn der neuen Runde kann Götz kaum erwarten. „Zuerst die lange Verletzung – und als ich gerade wieder fit war, kam Corona und es war wieder Pause.“ Die Unterbrechung hat Götz zwar sinnvoll genutzt – der Bauingenieurs-Student hat unter andere seine Bachelor-Arbeit zu Ende geschrieben – dennoch habe er „viel zu lange keinen Ball mehr in der Hand gehabt.“ Um sich mit seinen neuen Mitspielern auf die kommende Saison in der Staffel Mitte vorzubereiten, fährt Götz zu jedem Training rund 125 Kilometer von seinem Wohnort Schifferstadt zur Ignaz-Roth-Halle nach Zweibrücken. Dann steht er wieder auf dem Feld und Stefan Bullacher an der Seitenlinie. Dass diese Beziehung passt, sollen die Anhänger der Löwen spätestens an ersten Spieltag der 3. Handball-Liga mit eigenen Augen sehen.