3. Handball-Liga Derbysieg! Löwen lösen das DHB-Pokal-Ticket

Zweibrücken · Dramatik – Derbysieg – DHB-Pokal! Der SV 64 Zweibrücken hat seine beeindruckende erste Saison nach dem Aufstieg in die 3. Handball-Liga am Samstag mit einem 26:24-Erfolg gegen den ehemaligen Zweitligisten HG Saarlouis gekrönt.

 Da ist das DHB-Pokal-Ticket! Der SV 64 Zweibrücken bezwingt die HG Saarlouis – und nach der Schluss-Sirene brechen bei den Löwen alle Dämme.

Da ist das DHB-Pokal-Ticket! Der SV 64 Zweibrücken bezwingt die HG Saarlouis – und nach der Schluss-Sirene brechen bei den Löwen alle Dämme.

Foto: Martin Wittenmeier

Philipp Kockler muss sich entscheiden. 15 Sekunden vor der Schluss-Sirene hält der Rückraumspieler vom SV 64 Zweibrücken den Ball. Sein Team führt im Derby der 3. Handball-Liga am Samstagabend gegen die HG Saarlouis mit 25:24. Doch der Arm der Schiedsrichter ist oben – Zeitspiel droht. Landet der Ball nicht im Tor, bekommt Saarlouis eine letzte Chance die Partie auszugleichen. Doch Kockler entscheidet sich richtig. Der Rückraumspieler sieht die Lücke im Abwehrverbund der Gäste, stößt hinein – und sein satter Wurf schlägt links unten im Tornetz ein. Kurz darauf ist Schluss – und Kockler verschwindet in dem grau-schwarzen Jubelknäuel, das die Spielfläche stürmt. Der SV 64 schlägt den ehemaligen Zweitligisten in der heimischen Westpfalzhalle mit 26:24 (11:14) und löst das Ticket für den Deutschen Handballpokal. Denn durch den Sieg schließen die Zweibrücker die in Form eines Ligapokals ausgetragene Drittligasaison punktgleich hinter der HSG Rodgau Nieder-Roden auf Platz zwei ab.

Den Löwen hätte im Spiel gegen Saarlouis auch ein Remis gereicht, um Rang zwei zu sichern. Der Derbysieg war für die 64er, die die Liga als Aufsteiger mächtig aufgemischt hatten, aber die berühmte Kirsche auf der Torte. Angeführt vom einmal mehr überragend aufspielenden zehnfachen Torschützen Tim Götz hatten die Zweibrücker einen Vier-Tore-Rückstand (12:16) kurz nach der Pause noch in einen Sieg umgebogen. Dass Götz überhaupt auf der Platte stand, war keine Selbstverständlichkeit. Der Spielmacher hatte sich eine Woche zuvor am Sprunggelenk verletzt, drohte auszufallen. Am Samstag war er dann der „Unterschiedsspieler“, wie auch Saarlouis’ Trainer Philipp Kessler anerkennen musste.

Die Vorzeichen waren klar. Mit einem Sieg hätte Saarlouis die Chance gehabt, mit einem weiteren Erfolg im Nachholspiel gegen Bieberau an den Löwen vorbeizuziehen. Und wie wichtig der Sieg der 64er gegen die Saarländer war, zeigte sich am Montagabend. Denn Saarlouis schlug die Hessen dann auch mit 27:25.

Die Bedeutung der Partie am Samstag war deshalb in der – leider – leeren Westpfalzhalle deutlich zu spüren. Beide Teams waren bis in die Haarspitzen motiviert. In der ersten Viertelstunde konnte sich keine Mannschaft absetzen. Das war auch Verdienst von SV-Torwart Alexander Dörr, der bis zur 8.Minute drei Großchancen – darunter einen Siebenmeter von Philipp Leist – entschärfte. Beim Stand von 6:6 nach 16 Minuten bot sich den Hausherren dann in doppelter Überzahl die Chance, die Partie in ihre Richtung zu lenken. Doch die Löwen zeigten Nerven, scheiterten zwei Mal an Darius Jonczyk im Saarlouiser Gehäuse. Technische Fehler auf Seiten der Zweibrücker taten ihr Übriges, dass die Saarländer trotz Unterzahl einen 4:1-Lauf auf die Platte legten. SV-Trainer Stefan Bullacher legte die Grüne Karte auf den Tisch: Auszeit. Und die Neuausrichtung fruchtete zunächst. Die Löwen eroberten drei Bälle in Folge und glichen zum 10:10 aus. Eine Zeitstrafe gegen Zweibrückens A-Junior Peter Gohl (25.) brachte den SV aber wieder aus dem Tritt. Bis zur Pause setzte sich Saarlouis erneut bis auf drei Tore ab (11:14).

Nach dem Seitenwechsel schien sich an den Kräfteverhältnissen zunächst nichts zu ändern. Marko Grgic warf die HG in der 35. Minute mit 16:12 in Führung. Doch dann nahm Tim Götz das Heft in die Hand. Unnachahmlich sein Treffer zum 13:16, als er nach einem Sprint über das ganze Spielfeld zwölf Meter vor dem gegnerischen Tor absprang, die Saarlouiser Deckung samt Torhüter Jonzcyk düpierte und fulminant ins rechte untere Eck abschloss. Der Treffer war das Startsignal für die aufopferungsvoll kämpfenden Zweibrücker. Marko Ivankovic, der zur Halbzeit Alex Dörr im Tor der Löwen abgelöst hatte, entschärfte nun reihenweise Würfe der Saarlouiser Rückraumschützen. Götz, Kockler und Tim Schaller ließen den Rückstand mit ihren Treffern Tor um Tor schmelzen. Rund eine Viertelstunde vor dem Ende traf Benni Zellmer schließlich zur ersten SV-Führung (18:17) seit der vierten Spielminute (2:1).

Die Schlussphase stand dann einem Krimi von Alfred Hitchcock in nichts nach. Die Löwen verteidigten ihre Führung bis zum Ende – aber Saarlouis blieb immer auf Schlagdistanz. Erst Kockler schraubte zehn Sekunden vor der Schluss-Sirene den Deckel auf die Partie. Der Rest war ein grau-schwarzes Jubelknäuel inmitten der Westpfalzhalle, das unter frenetischen „Derbysieger“-Rufen ausgelassen im Kreis tanzte.

„Heute können wir uns bei unseren charakterstarken Spielern wie Tom Grieser, Benni Zellmer und Tim Götz bedanken, die diese Mannschaft durch alle Tiefen wieder zum Erfolg geführt haben. Ich bin glücklich, solche positiven Typen in meinem Team zu haben. An ihnen richten sich die Talente auf, auch wenn es mal gerade nicht gut läuft. Das sind echte Gewinnertypen“, schwärmte SV-Trainer Bullacher. Doch auch Marko Ivankovic und Philipp Kockler holten sich ein Sonderlob des 51-Jährigen ab: „Marko hatte gestern noch einen Autounfall und sollte wegen Rückenschmerzen heute gar nicht spielen. Im zweiten Durchgang hat er uns dann aber den Sieg festgehalten. Und Philipp hat bei uns in kürzester Zeit eine unglaubliche Entwicklung durchgemacht. Er hat sich durch seine Zielstrebigkeit zu Recht einen Stammplatz erkämpft.“

Der Abend in der Westpfalzhalle stand aber auch im Zeichen der Abschiede. SV-Abteilungsleiter Jürgen Kroner bedankte sich bei den vier Spielern, die den Verein verlassen werden: Tobias Alt schließt sich dem Oberligisten TV Homburg an. Kian Schwarzer wechselt zum TBV Lemgo in die erste Bundesliga. Marc-Robin Eisel und Tim Schaller bleiben in Liga drei. Eisel spielt künftig für das neu gegründete HLZ Hochdorf-Friesenheim, Schaller wechselt zur HG Oftersheim-Schwetzingen und soll zudem ein Zweitspielrecht bei den Eulen Ludwigshafen erhalten.

Die Löwen gehen nach ihrer starken Saison in der dritthöchsten deutschen Spielklasse nun in die verdiente Pause. Der erste offizielle Auftritt in der neuen Saison wird am 28. August erfolgen – dann wenn die erste Runde des deutschen Handballpokals ausgetragen wird.