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SV 64 Zweibrücken II steht mit Trainer Klaus Peter Weinert an der Spitze

Handball-Saarlandliga : 100 Prozent - egal für welches Löwen-Team

Der SV 64 Zweibrücken II ist die einzige Mannschaft der Handball-Saarlandliga, die alle ihre Spiele gewonnen hat. Im Pokal hatte die Zweitvertretung der Löwen zuletzt sogar Oberligist HF Illtal am Rande einer Niederlage. Über einen möglichen Aufstieg macht sich Trainer Klaus Peter Weinert aber (noch) überhaupt keine Gedanken.

Die Löwen grüßen von der Tabellenspitze! Nein, die Rede ist nicht von der ersten Mannschaft des SV 64 Zweibrücken, die in der 3. Handball-Liga ebenfalls eine starke Saison spielt. Sondern von der Zweitvertretung der 64er. Die Mannschaft von Trainer Klaus Peter Weinert ist die einzige, die in der Saarlandliga alle ihre Spiele gewonnen hat. Und im Saarlandpokal ist sie am vergangenen Donnerstag nur hauchdünn an einer Überraschung vorbeigeschrammt. Gegen den gestandenen Oberligisten HF Illtal holten die 64er in der Westpfalzhalle einen Sechs-Tore-Rückstand auf und zwangen die „Zebras“ in die Verlängerung. Dort lag der SV nach der ersten Hälfte sogar mit zwei Treffern vorn (26:24). Doch im Schlussspurt zog der Oberligist den Kopf noch aus der Schlinge und entschied die Partie mit 28:27 für sich.

„Da hab ich selbst eine Nacht drüber gegrübelt, ob wir damit zufrieden sein sollten. Auf das Ergebnis können wir stolz sein, aber wir hätten gewinnen können. Am Ende haben wir zu viele Chancen liegengelassen“, bedauert Weinert. Dass sein Team in der Saarlandliga derzeit das Maß aller Dinge ist, kommt für den 41-Jährigen nicht völlig überraschend. Auch wenn als große Favoriten andere gehandelt wurden. Ex-Oberligist HSV Merzig/Hilbringen etwa. Oder die HSG TVA/ATSV Saarbrücken, die einen Punkt hinter Zweibrücken auf Rang zwei liegt. „Wenn wir komplett sind, sind wir vielleicht die stärkste Mannschaft der Liga“, sagt Weinert. Schließlich stehen ihm Spieler wie die drei Brüder Aris, Till und Nils Wöschler zur Verfügung – in der jüngeren Vergangenheit Säulen der ersten Mannschaft der Löwen. Das Problem ist: Komplett war der SV 64 II bislang nur selten. Urlaube, Krankheiten, Hochzeit oder andere Verpflichtungen: „In der Vorbereitung waren nur ein einziges Mal alle da. Gleich für das erste Saisonspiel gegen Saarbrücken mussten wir um Verlegung bitten, weil wir nicht genügend Leute hatten“, erzählt der Trainer. Er ist sich sicher: „Spielerisch werden wir im Saisonverlauf noch besser.“

Personell wird Weinerts Team allerdings – das ist das Los vieler Zweitvertretungen – geschwächt werden. Weil die erste Mannschaft der Löwen nach dem Abgang von Marko Ivankovic einen zweiten Torwart braucht, der das Gespann mit Alexander Dörr bildet, wird Alexander Sema voraussichtlich fest in das Drittliga-Team aufrücken. „Alex wird uns jetzt wohl geklaut“, sagt Weinert und lacht. Für das Saarlandliga-Team steht damit aktuell nur der erst 17 Jahre alte Dennis Buchner bereit. Einen Ersatz aus den eigenen Reihen gebe es, versichert der Trainer. Dieser könne aber noch nicht am kommenden Samstag um 19 Uhr im Auswärtsspiel beim Vorletzten HSG Nordsaar zwischen den Pfosten stehen. „Ich hoffe, ich habe jemanden für die Partie gefunden, muss aber noch auf einen Rückruf warten, ob es tatsächlich klappt“, berichtete Weinert, der bis 2019 auch bei der Zweibrücker A-Jugend in der Junioren-Bundesliga an der Seitenlinie stand, am Montagabend.

Doch was passiert eigentlich, sollten die 64er trotz des personellen Aderlasses am Ende der Saison in der Saarlandliga ganz oben stehen? Würden die Löwen mit ihrer zweiten Mannschaft die Oberliga in Angriff nehmen? „Da müssten die Mannschaft und auch der Verein mitspielen. Das ist ja auch eine finanzielle Frage. Dann haben wir ja Spieler wie die Wöschler-Brüder, die – wenn sie die Zeit und den Aufwand investieren könnten – auch Kandidaten für die erste Mannschaft wären. Sie haben sich vor der Saison bewusst für das Saarlandliga-Team entschieden. Wenn das aber nächstes Jahr anders aussieht, müssen wir nicht über die Oberliga reden“, erklärt Weinert. Er ergänzt: „Über dieses Thema machen wir uns in der Rückrunde Gedanken. Zumal wir ja auch nur aufsteigen könnten, wenn die erste Mannschaft in der 3. Liga bleibt.“

Apropos 3. Handball-Liga: Dort stand Weinert während der Corona-Erkrankung von Stefan Bullacher zuletzt selbst als Vertretung an der Seitenlinie. „Die Mannschaft hat es mir leicht gemacht, hat mir sehr geholfen. Die Atmosphäre und der Druck sind in der 3. Liga ganz anders. Aber es hat Riesenspaß gemacht“, schwärmt Weinert. In seine Interims-Amtszeit fielen Siege gegen Leuterhausen und Pforzheim sowie eine Niederlage gegen Großsachsen. Eine Erfolgsquote von über 66 Prozent . . . „Es sind sogar 100 Prozent“, korrigiert Weinert und lacht erneut. Denn beim Spiel in Großsachsen weilte er im Urlaub. Verfolgt hat er die Partie trotzdem. „Auf einem wackligen Internet-Stream im Hotel, der ständig abgebrochen ist“, erzählt er. Könnte sich der 41-Jährige, der 2010 als SV-Spieler offiziell verabschiedet wurde (aber in den folgenden zwei Jahren immer einsprang, wenn Not am Mann war) eine Wiederholung vorstellen? „Ich hätte nichts dagegen.“

 Klaus Peter Weinert, Trainer der zweiten Mannschaft des SV 64 Zweibrücken.
Klaus Peter Weinert, Trainer der zweiten Mannschaft des SV 64 Zweibrücken. Foto: Martin Wittenmeier

Weinerts Fokus liegt, nun da Bullacher genesen ist, aber natürlich auf seiner Mannschaft in der Saarlandliga. Doch über der Spielzeit der Amateure hängt erneut die dunkle Corona-Wolke. „Klar besteht die Sorge, dass jetzt die dritte Runde in Folge abgebrochen wird. In unserer Mannschaft sind alle geimpft, ich hätte auch nichts dagegen, wenn wir zusätzlich vor Spielen und Training noch einen Test ablegen. Hauptsache wir dürfen weiterspielen.“