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Springreiter Steffen Hauter bekam Liebe zu Pferdesport und Zucht in Wiege gelegt

Pferdesport : Eine Leidenschaft über viele Generation

Steffen Hauter hat die Liebe zum Pferdesport und für die Zucht in die Wiege gelegt bekommen. Vater Gerhard steht dem 42-Jährigen auf dem Großsteinhauserhof noch heute mit Rat und Tat zur Seite. Ende April durfte der Springreiter endlich mal wieder auf einem Turnier ran. Doch auch er wurde von der Corona-Krise und dem Pferdeherpes ausgebremst.

Selten ist Steffen Hauter so gespannt auf ein Turnier gefahren, wie in der vergangenen Woche nach Lamprechtshausen. Bei dem Internationalen CSI* feierte der Springprofi vom Großsteinhauserhof sein internationales Turnier-Comback, nachdem er im Februar das große Internationale Turnier im Spanischen Valencia wegen des dort ausgebrochenen Pferdeherpes vorzeitig verlassen hatte. „Die Pferde haben alle eine konstante und gute Leistung gezeigt“, freut er sich selbst ohne „großen Wurf“ über 13 Runden mit null oder nur einem Fehler bei insgesamt 15 Starts. Die sechsjährige Stute Caribina wurde mit weißer West und Doppelnull Vierte bei den Sechsjährigen, gegen erhebliche Konkurrenz der Weltrangspitze. Sie gehört zu den vier seiner fünf in Österreich gestarteten Pferde mit einer zweimonatigen Trainings-Zwangspause durch die Herpes-Quarantäne.

Der 42-jährige Großsteinhauser ist erfolgreicher Pferdemann in der dritten Generation. Am Standort zwischen Zweibrücken mit dem Landgestüt und Pirmasens, hat bereits Steffens Großvater Hermann als Landwirt sowohl sportliche als auch züchterische Erfolge erzielt. Der passionierte Züchter konnte verschiedene Auszeichnungen entgegennehmen, unter anderem die Goldene Plakette der Deutschen Reiterlichen Vereinigung FN. Er war zu seiner aktiven Zeit in vielen Reitsportdisziplinen erfolgreich, als Dressur- und Springreiter, insbesondere aber als Sulki-Fahrer bei den Trabern und Jockey bei den Galoppern. 1929 war das Jahr, in dem Hermann Hauter mit der Zweibrücker Mannschaft die Landes-Standarte in München gewann. Ein sportliches Ereignis, das im Zweibrücker Stadtarchiv offiziell erfasst ist. Heute schmückt die Jahreszahl das Logo von Hauter-Horses, dem Unternehmen, das Steffen Hauter 2019 gemeinsam mit der saarländischen Unternehmerfamilie Holzer gegründet hat.

Gerhard Hauter, Jahrgang 1945, vollzog in den 1970er Jahren den ersten Wandel und funktionierte das Familienunternehmen vom landwirtschaftlichen Nutzbetrieb mit Kühen und Schweinen zum professionellen Pferdesportbetrieb um. Er konzentrierte sich neben einigen Zuchtpferden vor allem auf den Aufbau als Pensions-, Ausbildungs- und Verkaufsstall. Der Bau der ersten Privatreithalle in der weiten Region 1978 nebst der Gründung des RV Großsteinhauserhof verbesserten die Trainingsmöglichkeiten. Im vergangenen Jahr wurde der große Springplatz mit Allwetter-Boden versehen und den Anforderungen der Zeit angepasst. 17 Paddocks erlauben eine artgerechte Pferdehaltung, die Ställe sind mit vergrößerten Boxen zunehmend luftiger. Immer wieder waren es Hauters, die neue Maßstäbe setzten. Unvergessen sind 17 Jahre großes Turnier von 1988 bis 2004 mit den ersten gesellschaftlichen Akzenten wie der Reiter-Party am Samstagabend oder dem sonntäglichen Frühschoppen, das hohe sportliche Niveau mit unter anderem Kaderreitern aus dem Rheinland oder Baden-Württemberg und dem Mächtigkeitsspringen am Samstagabend. Alles hat seine Zeit – denn mit Steffen Hauters Sieg im Großen Preis 2004 ging auch diese Ära zu Ende.

Sportlich war bereits Gerhard Hauter in die Fußstapfen seines Vaters Hermann getreten: Jahrzehnte lang zählte er zu den erfolgreichsten Springreitern im Südwesten. 18 Jahre lang bekleidete er das Amt des Landestrainers der saarländischen Springreiter und ist seit 1990 Träger des Deutschen Reitabzeichens in Gold. Zehn Siege in Klasse S waren vor gut 30 Jahren ein außergewöhnlicher Erfolg. Es gab kaum Startmöglichkeiten in der weiten Region. Und gegen die Konkurrenz von Olympiareitern wie der deutschen Springreiter-Ikone Hans-Günter Winkler hatten die hiesigen Reiter wenig Chancen. Fünfmal allein war Gerhard Hauter Saarlandmeister der Senioren. Seine Reiter-Karriere ist gekrönt von Schärpen, Standarten-Siegen, Einzel- und Mannschaftspreisen in der Region und weit darüber hinaus. Um Sohn Steffen zu fördern, stellte der Sportler seine eigene Karriere hintenan und konzentrierte sich ganz auf seine Aufgaben als Ausbilder und Coach. Bis heute ist er bekannt für seinen Spezial-Blick, mit dem er junge Pferdetalente entdeckt. Der auch im Alter von 76 Jahren noch anerkannte Trainer, hat als Landestrainer beim RV Einöd zudem zahlreiche Reiterpersönlichkeiten herausgebracht und gefördert. Steffen Hauters Karriere begann ebenfalls in Einöd und somit im saarländischen Landesverband. In den Anfangsjahren war Gerhard Hauter sein großes Vorbild und er profitierte von den Lehrgängen mit namhaften Ausbildern wie Achaz von Buchwaldt. Vor gut 30 Jahren, Steffen Hauter war damals 14 Jahre alt und Gerhard Hauter 48, konkurrierten beide erstmals im Stechen eines M-Springens gegeneinander. Steffen Hauter lacht: „Ich war Zweiter und Vater Vierter – oder so ähnlich.“

Schon bald übernahm der Sohn die erfolgreichen S-Pferde und etablierte sich schnell auf diesem Niveau. Bei den Pfalzmeisterschaften ritt er Quirida zum Titel und zu seinem zehnten S-Sieg. 2001 wurde ihm das Goldenen Reitabzeichen verliehen. Doch für Steffen Hauter ging es noch höher hinaus. Mittlerweile verbucht er weit über 100 Siege bis Drei- und Viersterne-Niveau. Der zweifache Landesmeister Rheinland-Pfalz sprang von seinen regionalen Erfolgen gleich in die deutsche Nationenpreis-Equipe. Von insgesamt fünf Auftritten mit dem Bundesadler bei internationalen FEI Nation Cups ritt er dreimal zu Gold. 2005 und 2006 gelangen ihm dabei jedes Mal zwei Nullrunden mit Cartusch. Ein Jahr später heimste er unter anderem mit seinem zweiten Nationenpreis-Pferd Cash den nächsten Erfolg ein: den Sieg im Großen Preis bei dem CSIO**** in Kiskunhalas (Ungarn). Als persönliche Höhepunkte folgten der Sieg im Großen Preis beim CSI** in Magna Racino (Österreich, 2007 mit Prince Brownie) sowie der Sieg im Großen Preis beim CSI** in Roeser (Luxemburg, 2018 mit Erik der Rote).

„Geritten wird, was im Stall steht“. Mit dieser Maxime gelingt es Hauter, sich vom „fast Kaltblüter“ bis hin zum superheißen Vollblut auf nahezu jeden Pferdetyp einzustellen und seinen vierbeinigen Partner zum Erfolg zu reiten. Lange Aufenthalte in den USA prägten seinen eleganten Reitstil, gleichwohl dieser auf den klassischen Grundlagen der Dressurarbeit beruht. Ihm sei es wichtig, mit der Zeit zu gehen und sich persönlich auch hier weiter zu entwickeln. Manchmal bedauert der Diplom-Kaufmann, „dass wir unsere Pferde nur selten selbst zu Ende reiten können, sondern sie immer vorher verkauft haben“. So obliegt es ihm, immer wieder neue Youngster auszubilden und bis zur schweren Klasse zu fördern, in einem Balance-Akt zwischen Sport und Geschäft.

Bereits vor 15 Jahren, nach dem erfolgreichen Studienabschluss in Saarbrücken, schloss er sich 2005 hauptberuflich der elterlichen Firma an. Bis heute unterstütze ihn Vater Gerhard mit Rat und Tat. Für das größte Erfolgsgeheimnis des Familienunternehmens halten beide die Fähigkeit, immer wieder nach vorne zu denken und mutige Entscheidungen zu treffen. Spezialisierte sich Gerhard Hauter auf den professionellen Pferdebetrieb, gewinnt der 42-Jährige Sohn zunehmend auch internationale Kunden. Als Trainer bereist er neben den USA etwa Mexiko, die Vereinten Arabischen Emirate mit Dubai und Abu Dhabi, Jordanien, Ungarn oder Luxemburg.

 Drei Hauter-Generation: Vater Gerhard, Enkelin Anna Sophie und Sohn Steffen Hauter (von links).
Drei Hauter-Generation: Vater Gerhard, Enkelin Anna Sophie und Sohn Steffen Hauter (von links). Foto: cvw/Cordula von Waldow

„Noch nie war ich so gut beritten wie jetzt und könnte voll angreifen“, bedauert Steffen Hauter, ausgerechnet jetzt von den Corona-Verordnungen ausgebremst zu werden. Der Start auf Internationalen Turnieren ist neben der Förderung des jüngeren Pferde-Nachwuchses in der Region Steffen Hauters erklärtes Ziel für 2021. Apropos Nachwuchs: Mit Tochter Anna-Sophie (10) sitzt bereits die vierte Hauter-Generation erfolgreich im Sattel und ist, wie ihre Vorfahren, Feuer und Flamme fürs Pferd.