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Sportlern der WSF Zweibrücken fehlt in der Corona-Krise das Wasser

Schwimmer in Coronakrise : „Wie der Blick in eine riesengroße Glaskugel“

Den Sportlern der WSF Zweibrücken fehlt in der Corona-Krise derzeit ihr wichtigstes Element – das Wasser. Da muss zum Training auch schon mal eine Bierbank herhalten.

Das Eintauchen von Kopf und Händen, die dumpfen Geräusche unter Wasser, das Nasskalt um einen herum. Und dabei – die Füße des Vordermanns im Blick – Kilometer um Kilometer abspulen. Von diesen Trainingsumständen können die Schwimmer der Wassersportfreunde (WSF) Zweibrücken derzeit nur träumen.

Die Coronavirus-Pandemie trifft auch die WSF-Sportler, nicht nur die Schwimmer, sondern auch die Kanuten besonders hart. Alle Schwimmbäder sind dicht. Mindestens bis 20. April. Von 100 auf null runterfahren, das geht für die Athleten jedoch nicht. „Dadurch, dass ich auch im saarländischen Schwimmverband (SSB) tätig bin, weiß ich, dass die Trainer so weit wie möglich alles versuchen, um den Kaderathleten individuelle Wochentrainingspläne zusammenzustellen“, erklärt der WSF-Vorsitzende und SSB-Vizepräsident Matthias Fritzke. Individualkraft, Ausdauer und Koordination stehen derzeit für die Schwimmer wie Sohn Lukas Fritzke, Michael Raje, Timo Sorgius oder Nick Werner auf dem Programm. Einsames Laufen, Radfahren und Athletiktraining, statt Kacheln zählen im gewohnten Element in Trainingsgruppen in Saarbrücken und Zweibrücken. „Mein Sohn etwa bekommt jeden Sonntagabend einen Wochenplan geschickt.“ Neben den Einheiten an der Luft hat sich Lukas Fritzke (Jg. 2006) im Keller einen eigenen kleinen Fitnessraum eingerichtet. Dort steht beispielsweise Zugtraining auf einer Bierbank auf dem Programm, „um das Brustschwimmen bestmöglich zu imitieren“. Für eine gewisse Zeit lang sei dieses Trockentraining okay, erklärt Matthias Fritzke, „aber das ist kein Ersatz fürs Wasser, und über einen längeren Zeitraum wäre das extrem schlecht und schade“.

Nicht gerade förderlich für die Motivation der Athleten ist auch, nicht zu wissen, auf welchen Zeitpunkt, auf welchen Wettkampf sie eigentlich hin trainieren. Nicht nur der Saarländische Schwimm-Bund hat bis zum Ende der Saison 2019/20, also bis zum Sommer, alle SSB-Meisterschaften abgesagt. Auch der Deutsche Schwimm-Verband hat alle Maßnahmen und Wettkämpfe bis vorerst 31. Mai ausgesetzt. Darunter fallen auch die deutschen Meisterschaften und die deutschen Jahrgangsmeisterschaften, die für viele der jungen WSF-Schwimmer der Saisonhöhepunkt gewesen wären. „Die Enttäuschung bei unseren Schwimmern, vor allem denen, die bei den deutschen Jahrgangsmeisterschaften gute Chancen gehabt hätten, ist natürlich groß“, erklärt der WSF-Vorsitzende. „Aber ändern können wir es alle nicht.“

Der Verband wolle zwar versuchen, einen Ersatztermin zu finden, „das ist derzeit aber alles noch so im Fluss und nicht absehbar“. Und nach Fritzkes Ansicht mache ein Nachholtermin im Herbst auch keinen großen Sinn. In dieser Phase, in der wir jetzt sind, haben wir auf den Höhepunkt im Mai hingearbeitet – jetzt werden wir deutlich in Rückstand geraten.“ Der WSF-Vorsitzende glaubt aber ohnehin, dass irgendwann die Entscheidung kommen wird, dass in diesem Jahr keine deutschen Meisterschaften stattfinden werden. „Und sich der Fokus des DSV voll auf das neue olympische Jahr 2021 richten wird“. Wie das dann allerdings mit den DM- und Quali-Wettkämpfen für Olympia laufen soll – alles offen. „Wir müssen abwarten, wie sich die Pandemie weiter entwickelt. Derzeit ist es wie der Blick in eine riesengroße Glaskugel.“

Auch eigene Veranstaltungen wie das 24-Stunden-Schwimmen, aus dessen Erlös Schwimmunterricht im Rahmen des Projekts „Zweibrücken lernt schwimmen“ finanziert werden soll, haben die WSF absagen müssen. Doch das soll auf jeden Fall nachgeholt werden. „Das haben wir auch mit der Stadt bereits so abgesprochen. Der Gedanke, warum wir diese Veranstaltung machen wollen, hat sich durch den Coronavirus ja nicht verflüchtigt“, sagt Fritzke. Die große Frage sei – wie bei allem derzeit: wann? „Ich bin so realistisch zu sagen, dass das in diesem Jahr wohl nichts mehr wird.“ Fritzke denkt, dass uns das Thema Corona noch das gesamte Jahr über – wenn irgendwann auch in abgeschwächter Form – begleiten wird. „Dann erst werden wir sehen, wo wir alle stehen. Und dann geht’s von diesem Punkt an weiter.“

Fritzke hofft allerdings, dass Mitte des Jahres zumindest die Bäder wieder ihre Toren und Becken öffnen können. Das wäre für die Schwimmer und Kanuten „wirklich wichtig“, um den Anschluss nicht zu verlieren. „Es geht bei dem Training derzeit vor allem um den Erhalt der Fertigkeiten, der Kraft und Kondition. Wenn die Sportler in ein paar Wochen wieder ins Wasser gehen, werden sie sicher erstmal Muskelkater bekommen.“

Neben den fehlenden Wassereinheiten, betont Fritzke, fehle den Sportlern auch jemand, der ihnen „mal in den Hintern tritt“. Obwohl die Fritzkes um Schwimmer Lukas und Leichtathletin Lisa versuchen, einen geregelten Tagesablauf mit Zeit für Schule und Training beizubehalten, sei doch eine gehörige Portion Selbstmotivation nötig. „Weder Trainer, noch Lehrer sind durch Eltern kompensierbar“, spürt Matthias Fritzke während der Corona-Krise nur zu deutlich.

Der Vorsitzende der Wassersportfreunde Zweibrücken, Matthias Fritzke. Foto: Thomas Wieck

Neben den Anweisungen eines Trainers und dem Wasser fehlen zudem die sozialen Kontakte. „Natürlich gibt es WhatsApp und die Kids zocken zusammen. Aber das ist mit dem gemeinsamen Training, dem gemeinsamen Leiden im Becken nicht vergleichbar.“ Zumal viele der WSF-Junioren für gewöhnlich den gesamten Tag von morgens acht Uhr in der Schule in Saarbrücken bis nach dem Training am Abend zusammen verbringen. Wann das gemeinsame Lernen, Trainieren und Eintauchen wieder möglich sein wird – ungewiss.