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Sportkolumne im Pfälzischen Merkur

Kolumne : Verlieren ist keine Schande

Die „merkwürdige Sehnsucht nach dem Scheitern“: Mit diesen Worten beschrieb Basketball-Ikone Dirk Nowitzki jüngst die Schadenfreude, die Sportlern von Seiten der Menschen und der Medien entgegenschlägt, wenn ein Gegner zu stark oder eine Herausforderung zu groß war.

Diese Erfahrung musste auch Boxer Senad Gashi machen. Nach seiner Punktniederlage gegen den Briten Dereck Chisora ergoss sich kübelweise Häme über den Zweibrücker. Hatte dieser doch angekündigt, mit Chisora „in den Krieg zu ziehen“ und ihn auszuknocken. Stattdessen war Gashi zehn Runden im Rückwärtsgang unterwegs.

Zu beachten ist aber: Zum einen gehören markige Sprüche zum Boxen wie Reiner Calmund an ein warmes Buffet. Zum anderen war Gashi gegen den 20 Kilo schwereren (im Schwergewichtsboxen eine Welt) Ex-Europameister Chisora nur Außenseiter. Zudem: Gashi hatte mit Chisora und Carlos Takam zuletzt zwei Kämpfer vor den Fäusten, die echte Weltklasse verkörpern. Davon dürfen sich andere deutsche Boxer, die tagein tagaus Fallobst verprügeln, um keine Niederlage im Kampfrekord zu riskieren, durchaus eine Scheibe abschneiden. Aber vielleicht fürchten ja auch sie die merkwürdige Sehnsucht der Menschen nach
scheiternden Sportlern.