Christin Hussong bei Leichtathletik-EM „Das ist sehr schön für mein Herz“

Rom/Zweibrücken · Speerwerferin Christin Hussong hat sich in der Qualifikation am Montag ins Finale der EM gezittert. Dort hofft die Athletin des LAZ Zweibrücken, dass am Dienstagabend im Olympiastadion von Rom der Knoten endlich wieder platzt.

LAZ-Speerwerferin Christin Hussong haderte mit ihren drei Würfen bei der Qualifikation der Europameisterschaften in Rom. Sie schaffte aber dennoch den Sprung ins Finale am Dienstagabend.

LAZ-Speerwerferin Christin Hussong haderte mit ihren drei Würfen bei der Qualifikation der Europameisterschaften in Rom. Sie schaffte aber dennoch den Sprung ins Finale am Dienstagabend.

Foto: dpa/Michael Kappeler

Der große Befreiungsschlag ist für Christin Hussong nach ihrer Leidenszeit auch beim ersten EM-Auftritt in Rom ausgeblieben. Hadernd, leicht den Kopf schüttelnd packte die Speerwerferin des LAZ Zweibrücken nach ihrer Qualifikation am Montagvormittag ihre Tasche. Mit ihren dort geworfenen 58,21 Metern blieb sie hinter der geforderten Quali-Weite von 60,50 Metern zurück – und musste demnach bis nach der zweiten Gruppe zittern, ob es denn für das Finale der besten Zwölf am Dienstagabend (21.36 Uhr/ARD) im Olympiastadion von 1960 reichen würde. Dann folgte das erleichterte Aufatmen. Als Neunte schaffte die 30-Jährige den Sprung in den Endkampf. Insgesamt katapultierten nur drei der 30 Starterinnen ihren 600-Gramm-Speer über die geforderte Marke. Die beste Weite zeigte am Montag die Norwegerin Marie-Therese Obst mit 61,45 Metern.

„Ich habe mich draußen und auch im Stadion richtig gut eingeworfen“, erzählt Hussong im Gespräch mit dem ZDF. Im Wettkampf allerdings habe sie es dann nicht richtig umsetzen können. Damit war sie am Montag allerdings nicht alleine. „Auch Vicky (Victoria Hudson, Anm. d. Red.) hatte ganz schöne Probleme.“ Die Österreicherin ist mit 66,06 Metern als Führende der europäischen Jahresbestenliste angereist. In der Quali landete ihr Speer bei 60,15 Metern. Das reichte auch ihr zum Weiterkommen.

Für die zweite deutsche Starterin Jana Marie Lowka (Eintracht Frankfurt) hingegen, die eine Bestmarke von 58,89 Metern stehen hat, war nach der Quali Schluss. Sie kam in Rom nicht über 52,54 Meter hinaus.

So ist Christin Hussong, die als einzige Vertreterin des LAZ Zweibrücken bei der EM in Italien am Start ist – nachdem Sprinterin Sina Mayer und Stabhochspringer Raphael Holzdeppe sich nicht qualifiziert hatten – auch die einzige deutsche Speerwerferin im Finale. Wo sie nur zu gerne in den Kampf um die Medaillen eingreifen möchte.

„Ich weiß, dass ich was drauf habe und ich weiß, wenn mal alles zusammenpasst, bin ich auf jeden Fall konkurrenzfähig“, ist sich die Herschbergerin sicher. Wobei auch die EM-Teilnahme und das Erreichen des Finales nach den vergangenen beiden, sportlich sehr harten Jahren für „mein Herz schon sehr sehr schön“ sind.

Nach einer Knieverletzung, die sich Hussong 2022 beim Heimmeeting in Zweibrücken zugezogen hatte, verpasste die Europameisterin von 2018 (67,90 m) mit DM, EM und WM damals sämtliche Saisonhöhepunkte. Auch in ihrem Comeback-Jahr 2023 kam die Herschbergerin nicht annähernd an ihre Bestmarke von 69,19 Metern heran. Um wenige Zentimeter verpasste sie mit ihrer Saisonbestweite von 60,88 Metern die Norm für die Weltmeisterschaften in Ungarn. Und auch in diesem Sommer lief es noch nicht ganz rund für Christin Hussong. Obwohl ihr Speer bislang noch nicht weiter als auf 59,63 geflogen ist, ist ihre vierte EM-Teilnahme aber schon ein Lichtblick auf dem Weg zurück in die Weltspitze. Auf dem mit den Olympischen Spielen im August in Paris ein weiterer folgen soll.

Doch der nächste große Schritt der sechsfachen deutschen Meisterin soll nun zunächst am Dienstag im Finale von Rom folgen. „Da geht es dann ohnehin wieder von vorne los. Da ist ganz egal, was ich in der Quali geworfen habe“, sagt sie. Doch auch dort muss es Hussong erst einmal gelingen, die vergangenen beiden Jahre aus dem Kopf und die richtige Technik abgerufen zu bekommen. „Körperlich bin ich topfit, meine Leistungsdaten stimmen, die Technik stimmt eigentlich auch. Nur gab es in diesem Jahr noch keinen Wurf, in dem alles zusammengepasst hat“, erklärt die 30-Jährige und ergänzt mit einem Lachen: „Vielleicht ist am Dienstag ja der Tag“. Der für den großen Befreiungsschlag. „Da hätte ich nichts dagegen.“

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