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Sorgen beim FC Kaiserslautern nach 3:4-Niederlage gegen Dresden größer

Irrer Schlagabtausch : „Tag der offenen Tür“ in Lauterns Abwehr

Zweimal geführt und am Ende trotzdem verloren. Fußball-Drittligist 1. FC Kaiserslautern gerät in immer größere Abstiegsnot. Nach dem 3:4 bei Dynamo Dresden steht der FCK vor den Heimspielen gegen München und Wiesbaden unter Druck. In Sachsen überzeugte endlich die Offensivabteilung der Roten Teufel. Dafür präsentierte sich die Abwehr desolat.

Als im Spiel zwischen Dynamo Dresden und dem 1. FC Kaiserslautern die 75. Spielminute anbrach, lagen die Gäste aus der Pfalz im Rudolf-Harbig-Stadion noch mit 3:2 in Führung. Sollte das Kellerkind aus Kaiserslautern seinen Sinkflug in der 3. Fußball-Liga ausgerechnet beim Ligaprimus Dresden beenden und den dringend benötigten Befreiungsschlag im Abstiegskampf landen?

Nein, sollte er nicht. Dazu waren die Mängel in der FCK-Defensive zu eklatant. Vor allem die linke Lauterer Abwehrseite erwies sich als nicht Drittliga-tauglich. Als Schiedsrichter Christof Günsch die Partie abpfiff, hatte Kaiserslautern ein irres Spiel mit 3:4 (1:2) verloren und belegt weiterhin einen Abstiegsplatz.

Dass insbesondere der oft gescholtene Angriff der Pfälzer endlich Durchschlagskraft entwickelt und die Dresdner Defensive – die beste der Liga – in manche Verlegenheit gestürzt hatte, war da nur ein schwacher Trost. Auch nicht für Kenny Redondo. Der Linksaußen, der gegen Dynamo doppelt getroffen hatte, kauerte nach dem Schlusspfiff minutenlang mit versteinerter Miene auf der Auswechselbank. „Nein, ich kann mich über die Tore nicht freuen. Wir haben Moral bewiesen, aber werden am Ende wieder bestraft“, sagte der 26-Jährige dem SWR.

Neben Redondo war Jean Zimmer ein weiterer Lichtblick auf Seiten der Pfälzer. Der 27-Jährige, der im Winter von Zweitligist Fortuna Düsseldorf zu seinem „Herzensverein“ (Zimmer) Kaiserslautern zurückgekehrt war, lieferte auf der rechten Seite eine bärenstarke Partie ab. Im ersten Spiel nach seiner Rückkehr in der Woche zuvor gegen den SC Verl (1:1) hatte Zimmer noch leichte Abstimmungsschwierigkeiten mit den Teamkollegen offenbart. Gegen Dresden zeigte er, dass er nicht nur eine Verstärkung, sondern Führungsspieler sein will.

Auch das 1:0 der Pfälzer entsprang aus einer Co-Produktion der beiden besten Lauterer. Zimmer marschierte in der 13. Spielminute über den rechten Flügel. Seine präzise Hereingabe brachte Redondo im Zentrum ebenso platziert flach in der linken Ecke unter.

Die Führung der Gäste auf dem teilweise gefrorenen Platz im Rudolf-Harbig-Stadion, der erst kurz vor dem Anpfiff vom Schnee befreit worden war, war zu diesem Zeitpunkt freilich ein wenig schmeichelhaft. Denn schon in der Anfangsphase deckte Dresden die Schwächen der linken Abwehrseite der Roten Teufel mehrmals auf. In der fünften Minute rutschte FCK-Außenverteidiger Adam Hlousek in der eigenen Hälfte auf dem Flügel weg. Dresden konnte unbedrängt flanken. Der Kopfball von Dynamos Philipp Hosiner geriet aber zu unplatziert. Wenige Minuten später sah Hlousek auch im Zweikampf mit Ransford Königsdörffer schlecht aus. Christoph Daferner konnte die große Chance für Dynamo aber nicht nutzen (12.).

Der 1. FC Kaiserslautern versteckte sich beim Tabellenführer aber nicht, suchte seinerseits den Weg nach vorne. Marlon Ritter prüfte Dresdens Torwart Kevin Broll mit einem auf dem seifigen Untergrund tückischen Fernschuss (7.).

Mit der Führung im Rücken wurde der FCK stärker, bot dem Ligaprimus im Mittelfeld Paroli – und hätte mit 2:0 in Führung gehen können. In der 29. Minute brach Jean Zimmer erneut auf dem linken Flügel durch, passte flach ins Zentrum, doch dort trat Marvin Pourié wenige Meter vor dem Dresdner Tor über den Ball. Statt 2:0 hieß es kurz darauf 1:1. Dynamos Hosiner durfte von rechts in aller Seelenruhe flanken, in der Mitte stieg Daferner am höchsten und markierte per Kopf den Ausgleich (32.). Und es kam noch schlimmer für den FCK. Dresden hatte die linke Abwehrseite der Pfälzer längst als Schwachpunkt ausgemacht und bespielte diese konsequent. Kurz vor der Halbzeit hatten die Hausherren auf dem Flügel erneut zu viel Platz. Diesmal bediente Daferner den Österreicher Hosiner im Rücken der Lauterer Abwehr: 2:1 für Dresden.

Doch wer dachte, dass der Tabellenführer den Vorsprung gegen die kriselnden Teufel nach dem Seitenwechsel sicher über die Ziellinie bringen würde, rieb sich verwundert die Augen. Denn die Phase zwischen der 46. und 70. Minute war die stärkste, die der FCK in dieser Saison bislang auf den Rasen brachte. 40 Sekunden nach Wiederanpfiff passte FCK-Außenverteidiger Philipp Hercher von rechts an den kurzen Pfosten. Pourié lenkte den Ball mit der Hacke Richtung Dresdner Tor. Eventuell von einem Dresdner Verteidiger abgefälscht sprang das Leder vom langen Pfosten über die Torlinie: der Ausgleich.

Und etwas mehr als zehn Minuten später hatte der FCK die spektakuläre Partie abermals gedreht. Marlon Ritter startete einen Alleingang im Mittelfeld und steckte den Ball 20 Meter vor dem Tor auf Redondo durch. Der packte an der Strafraumgrenze seine linke Klebe aus – und der Ball schlug flach rechts im Dresdner Tor ein (58.).

Der FCK war am Drücker, der FCK lag in Führung – und er hätte diese zwingend ausbauen müssen. Nach Zuspiel von Hikmet Ciftci hatte Pourié in der 67. Minute völlig freie Bahn, doch er scheiterte im Eins-gegen-eins kläglich an Dynamo-Torwart Kevin Broll. Dresden kam im Anschluss wieder besser ins Spiel, die Fernschüsse der Sachsen bedeuten aber zunächst keine Gefahr für FCK-Schlussmann Avdo Spahic. Bis zur 75. Minute: Wieder war es ein Zuspiel von Hosiner in den Rücken der Abwehr, das die Pfälzer Defensive aushebelte. Königsdörffer traf zum 3:3. Sieben Minuten später folgte der Genickbruch für die Roten Teufel. Nach einer Ecke der Hausherren, bekam der FCK den Ball nicht weg. Hosiner reagierte am schnellsten und traf aus dem Gewühl zum 4:3 für Dresden. Den Österreicher bekam der FCK überhaupt nicht in den Griff. Er war an allen vier Treffern der Sachsen beteiligt. „Was für ein Spiel, wenn die Hütte heute voll gewesen wäre, wären alle ausgerastet“, jubelte Hosiner nach dem Schlusspfiff.

Denn in den letzten Minuten hatte der FCK nichts mehr zuzusetzen. Ein harmloser Distanzschuss von Ciftci bedeutete die letzte Torannäherung der Pfälzer, die im neuen Jahr weiter auf den ersten Sieg warten. Die Situation im Tabellenkeller spitzt sich für Kaiserslautern vor den Heimspielen am Dienstag (19 Uhr) zu Hause gegen Türkgücü München und gegen den SV Wehen am Samstag (14 Uhr) enorm zu. Möglich ist, dass dem drohenden Abstieg mit weiteren Neuzugängen begegnet wird. Schon vor der Partie in Dresden kündigte Saibene im Interview mit „MagentaSport“ an, dass der Kader in den kommenden Tagen mit einem neuen Offensivspieler verstärkt werden soll.

„Wir waren mutig, wir haben gekämpft, wir haben Tore geschossen. Aber wir haben verloren. In unserer Situation ist das nur schwer zu verdauen. Vor allem für die Moral. Die Stimmung ist sehr niedergeschlagen“, haderte Saibene nach dem Spiel. Insbesondere die Chance von Pourié auf das mögliche 4:2 spukte dem Luxemburger noch lange im Kopf herum. „Den kann er nicht machen – den muss er machen“, klagte Saibene. Seine Mannschaft müsse sich in den drei Tagen bis zum Spiel am Dienstagabend wieder aufrichten und „auf dem aufbauen, was heute gut war. Und das war vieles“, fand der Coach.

Die Defensivleistung seines Teams wird er damit aber nicht gemeint haben. „Die Tore fallen auf beiden Seiten viel zu leicht, das war heute Tag der offenen Tür“, sagte Dresdens Trainer Markus Kauczinski kopfschüttelnd. Insbesondere beim FCK stand die Tür in der Tat sperrangelweit offen. Und verhinderte so ein Erfolgserlebnis beim Spitzenreiter, das für die Roten Teufel vor den nächsten Aufgaben in der Englischen Woche so immens wichtig gewesen wäre.