Handball-Oberliga Löwen reisen zu den Ballermännern der Liga

Zweibrücken · Im einzigen verbliebenen Lokalduell des Handballverbands Saar tritt die SG SV 64/VT Zweibrücken am Samstag bei den HF Illtal an. Die HFI sind die Überraschungsmannschaft der Liga – und immens torgefährlich.

 Moritz Baumgart (am Ball) – hier noch im Trikot der VTZ Saarpfalz – ist bei der SG Zweibrücken aktuell meist Ergänzungsspieler. Für die Spielgemeinschaft will er aber alles geben – auch am Samstag bei Tabellennachbar HF Illtal.

Moritz Baumgart (am Ball) – hier noch im Trikot der VTZ Saarpfalz – ist bei der SG Zweibrücken aktuell meist Ergänzungsspieler. Für die Spielgemeinschaft will er aber alles geben – auch am Samstag bei Tabellennachbar HF Illtal.

Foto: Martin Wittenmeier

Es waren mal mehr: In dieser Saison gehen mit den HF Illtal und der SG SV 64/VT Zweibrücken nur noch zwei Vertreter des saarländischen Handballverbandes in der Oberliga-RPS an den Start. Und an diesem Samstag um 19 Uhr empfangen die Illtaler Zebras die Zweibrücker Löwen zum Lokalduell.

Auf beiden Seiten ist die Vorfreude auf das letzte verbliebene Derby groß. Es treffen zwei Teams auf Augenhöhe aufeinander. Die HF Illtal stehen derzeit mit 15 Punkten auf dem achten Rang. Nur einen Platz dahinter lauert die SG Zweibrücken mit 14 Zählern. Vergangene Woche ging nur eine der beiden Mannschaften als Sieger vom Feld. Während die HF Illtal ihr Heimspiel gegen den Tabellendritten SG Saulheim knapp mit 28:31 verloren, konnten die Zweibrücker einen spektakulären Sieg gegen den TV Offenbach feiern. Der 27:26-Erfolg war ein hartes Stück Arbeit. Eine Viertelstunde vor dem Ende lag die SG noch mit 17:23 zurück – ehe sie die Partie auf der Zielgeraden noch in einen Sieg umbog.

So wechselhaft diese Begegnung war, so wechselhaft verläuft auch die ganze Saison der Zweibrücker. Das ist auch den Personalproblemen geschuldet. „Inzwischen hat jeder unserer Rückraumspieler mindestens eine Partie verpasst. Dazu kommt noch der schwere Ausfall von Benni Zellmer, der für unsere Abwehr immens wichtig ist. So ist es schwer, konstante Leistungen abzuliefern“, erklärt Moritz Baumgart.

Auch er selbst erlebt bislang eine schwierige Saison. In der vergangenen Spielzeit war er noch im Trikot der VTZ Saarpfalz Führungsspieler und trug mit seinen starken Auftritten dazu bei, dass die VTZ, die seit dieser Saison eine Spielgemeinschaft mit dem SV 64 Zweibrücken bildet, sportlich die Klasse hielt. Bei der SG sind seine Einsatzzeiten aber noch überschaubar. „Mit so wenigen Spielanteilen ist wahrscheinlich kaum ein Spieler zufrieden, aber ich habe eben gute Mitspieler, für die sich der Trainer aktuell entscheidet. Das akzeptiere ich“, sagt Baumgart. Er räumt zudem ein: „Ich habe doch länger gebraucht, um mich an das neue Trainings-und Spielkonzept zu gewöhnen. Das hat sich sicher auch auf meine Leistungen ausgewirkt. Ansonsten wurden Norman (Torhüter Norman Dentzer kam ebenfalls von der VTZ zur neuen SG, Anm. d, Red.) und ich aber gut aufgenommen und fühlen uns in der Mannschaft wohl.“

Zu seiner Rolle als Ergänzungsspieler führt der 34-Jährige weiter aus: „Alle Spieler müssen sich dem Kollektiv unterordnen. Das tue ich, und versuche, mich im Training weiter anzubieten und meine Mitspieler von der Bank zu motivieren.“

Vor seiner Zeit bei der VTZ Saarpfalz war Baumgart Spielertrainer beim Pfalzligisten TS Rodalben, den er bis an die Spitze der Klasse führte. Auch für den SV 64 Zweibrücken lief er mehrere Jahre auf und war dort Bestandteil der ersten und zweiten Mannschaft.

Während die Zweibrücker mit dem Sieg gegen Offenbach Selbstvertrauen tanken konnten, kassierte der kommende Gegner Illtal am vergangenen Wochenende eine bittere Niederlage. Die HFI führten zur Pause noch mit drei Toren, gaben das Spiel gegen die SG Saulheim – gegen die auch die SG Zweibrücken Mitte November eine klare Heimniederlage (20:28) kassierte – aber noch aus der Hand

Dennoch gehören die Zebras zu den positiven Überraschungen der Saison. Nach einer verkorksten Vorsaison wurden die Saarländer diesmal teilweise sogar als Abstiegskandidat gehandelt. Doch mit dem Kampf um den Klassenverbleib werden die HFI höchstwahrscheinlich nichts zu tun haben.

Unter dem neuen Trainer Mirko Pesic haben die Zebras vor allem die Lust auf das Offensivspektakel wiedererlangt. 449 Tore in 14 Partien bedeuten einen Schnitt von über 32 Treffern pro Spiel. Das ist trotz des Mittelfeldplatzes, den die Illtaler einnehmen, der Liga-Bestwert. Der Hochgeschwindigkeitshandball, den Pesic seinen „Ballermännern“ eingeimpft hat, geht allerdings auch auf Kosten der Defensive. 441 Mal klingelte es bereits im Kasten der Saarländer.

Und dennoch: „Die HF Illtal spielen bis jetzt eine gute Saison und werden uns alles abverlangen“, prophezeit SG-Trainer Klaus Peter Weinert. Er hat beobachtet, dass die HFI gerne mit dem siebten Feldspieler agieren und dafür bei eigenem Ballbesitz den Torwart von der Platte nehmen. In Überzahl kreiert Illtal dann geschickt und überlegt Chancen über ihre spielintelligenten Rückraumakteure Thomas Jung (ehemals VTZ Saarpfalz) und Florian Westrich, die das Spiel über den Kreis forcieren. Diese taktische Marschroute lässt sich auch an den Zahlen ablesen. In der vergangenen Saison erzielte das Illtaler Kreisläufer-Duo Kevin Singh und Johannes Zeyer insgesamt 89 Tore. In der laufenden Runde sind es noch vor der Saison-Halbzeit bereits 97 Treffer.

Der wohl stärkste Mann der HFI ist allerdings Rückraumspieler Max Mees, der mit 111 Treffern, die Torschützenliste der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar anführt. Auch auf den starken Neuzugang Moritz Willscheid auf Rechtsaußen müssen die Zweibrücker ein Auge haben.

Moritz Baumgart sagt anerkennend: „Vor der Saison hatte Illtal niemand auf dem Zettel. Aber sie präsentieren sich als spielstarke Einheit, die es mit jeder Mannschaft in der Liga aufnehmen kann. Wenn sie den siebten Feldspieler auf die Platte schicken, spielen sie mit viel Auge und Geduld. Das macht es für keine Abwehr einfach.“

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