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SG Rieschweiler: Möglicher Rückzug wird erst nach SWFV-Entscheid diskutiert

Fußball-Verbandsliga : „Das letzte Wort hätte die Mannschaft“

Die SG Rieschweiler plant im Hinblick auf die nächste Saison aktuell für die Verbandsliga. Sollte der Südwestdeutsche Fußballverband aber erlauben, dass Vereine freiwillig eine Klasse tiefer antreten dürfen, will man an der Dicken Eiche die Meinung der Mannschaft einholen. Für Trainer Patrick Hildebrandt wäre es indes am wichtigsten, überhaupt wieder mit seinem Team auf dem Platz stehen zu dürfen.

Verbandsliga oder Landesliga? Diese Frage ist bei den Fußballern der SG Rieschweiler entgegen anders lautender Meldungen noch nicht beantwortet. Denn: „Im Augenblick beschäftigen wir uns überhaupt nicht mit dem Thema“, versichert SGR-Trainer Patrick Hildebrandt. „Planen tun wir Stand jetzt für die Verbandsliga“, ergänzt der 37-Jährige. Denn in eben dieser Liga spielten die Rieschweiler in der letzten Saison. Und da die Runde annulliert und nicht gewertet wurde, gab es auch keine Absteiger aus der Spielklasse.

Und bevor der Südwestdeutsche Fußballverband (SWFV), der noch in diesem Monat zusammenkommen wollte, die Entscheidung trifft, ob er einen freiwilligen Rückzug überhaupt billigt, „bringt es nichts, alle verrückt zu machen“, sagt Hildebrandt. Zumal Lothar Renz, der Spielleiter der Verbandsliga, Anfang April erklärt hatte, dass die Wahl der Spielklasse „kein Wunschkonzert“ sei. In Rieschweiler wird man also zunächst die Entscheidung des SWFV abwarten – „und dann werden wir – wenn sich die Frage überhaupt stellt – die Mannschaft mit ins Boot holen“, sagt Hildebrandt. „Es macht ja überhaupt keinen Sinn, über die Köpfe der Jungs zu entscheiden. Etwas zu beschließen, mit dem sich das Team nicht identifizieren kann.“

„Lose Überlegungen“, sich freiwillig aus der Verbandsliga zurückzuziehen, habe es bei der SGR aber schon gegeben, bestätigt der Coach. Denn Rieschweiler lag zum Zeitpunkt des Saisonabbruchs mit nur einem Zähler am Tabellenende. „Die Tendenz sah danach aus, dass wir es nicht packen. Dass wir absteigen. Damals waren unsere Planungen deshalb auf die Landesliga ausgerichtet“, erklärt der Coach. Der Kader werde sich daher in der kommenden Runde kaum ändern. Mit den ehemaligen SGR-Jugendspielern Joel Young (Colorado Rapids) und Jonas Hausberger (A-Jugend SC Hauenstein), stehen zwei Neuzugänge fest. Noah Hüther (TuS Maßweiler) und Noel Weis (TSC Zweibrücken) werden den Verein verlassen. „Und große Sprünge werden wir im Hinblick auf den Kader nicht mehr machen“, sagt Hildebrandt. Zwar habe die SGR viele junge und entwicklungsfähige Spieler in ihren Reihen, „aber die konnten in den letzten beiden Spielzeiten ja keinen echten Schritt nach vorne machen“, sagt Hildebrandt. „Statt 60 Partien haben wir in der letzten Saison sieben Spiele gemacht, in der davor 15“, zählt der Coach auf. Deshalb sei es unwahrscheinlich, dass die Verbandsliga-Gegner in der kommenden Saison plötzlich in Angst und Schrecken an die Dicke Eiche reisen. „Und wenn du in jedem Spiel der Außenseiter bist, ist das für die Jungs auch eine psychische Bürde. Wir mussten letzte Saison immer bei 100 Prozent sein, um überhaupt eine kleine Chance zu haben. Die Landesliga ist auch eine gute Spielklasse. Aber dort könnten wir mehr ‚Fußball spielen’, statt immer nur zu verteidigen“, erklärt der Übungsleiter. Dies alles seien Punkte, die bei den Überlegungen um einen freiwilligen Rückzug eine Rolle gespielt hätten. Andere Punkte hingegen sprächen für einen Verbleib in der Verbandsliga. „Es gibt Pro und Contra. Aber wie gesagt: Erst entscheidet der Verband. Und das letzte Wort hätte die Mannschaft“, betont Hildebrandt.

Insbesondere für die jungen Spieler seines Teams sei die seit über einem Jahr währende Zwangspause „eine Katastrophe“, hadert er. „Ich weiß ja selbst, wie sehr mich meine ersten beiden Jahre als Aktiver nach vorne gebracht haben“, sagt der ehemalige Regionalligaspieler. Generell sei es für den Jugendfußball eine „schwere Zeit“. „Ich werde bald 38, habe einiges erlebt, ich kann die Situation verkraften. Aber für junge Spieler, die Pläne haben, die vorankommen wollen, ist das gerade richtig bitter.“ Vor diesem Hintergrund kann der Coach, der seinen Vertrag bei der SGR zusammen mit dem spielenden Co-Trainer Steffen Sprau bis 2022 verlängert hat, nicht nachvollziehen, dass der Trainingsbetrieb nicht zumindest unter Einschränkungen wieder anlaufen darf. „Wenn ich lese, dass Aerosolforscher bestätigen, dass Sport im Freien zu 99,9 Prozent ungefährlich ist – das aber so überhaupt nicht berücksichtigt wird – finde ich das schade.“

Zumindest eine gemeinsame Trainingswoche konnte er mit seinem Team durchführen. „Zwei oder drei Wochen vor Ostern müsste das gewesen sein, als die Inzidenz noch unter 50 lag. Da durften wir ein bisschen träumen“, erinnert sich Hildebrandt. Denn kurz darauf stand der Amateursport wieder still.

Das Training habe er angeboten, weil er gemerkt habe „wie sich die Jungs darauf gefreut haben, mal wieder einen Ball am Fuß zu haben“. Sobald es wieder erlaubt sei, wolle er die Einheiten deshalb wieder aufnehmen. Trainingspläne stelle er seinen Spielern aktuell aber nicht aus. „Das habe ich am Anfang mal gemacht. Aber wofür soll das gut sein – wenn es kein Ziel vor Augen gibt?“, fragt Hildebrandt. „Die Jungs wissen, dass sie zwei oder drei Mal in der Woche etwas tun sollen. Joggen, Radfahren, Intervallläufe – damit sie die Grundfitness nicht verlieren.“

Die regelmäßig wechselnden Verordnungen, der ständige bange Blick auf Inzidenzen, das Hin- und Her „nerven uns schon sehr“, räumt der Coach ein. Und obwohl er glaubt, „dass Corona uns auch nächste Saison noch beschäftigen wird“, sei die Vorfreude auf die kommende Runde „jetzt schon gigantisch“. Ob Patrick Hildebrandt und die SG Rieschweiler dann in der Verbands- oder doch in der Landesliga auflaufen werden, ist an der Dicken Eiche zumindest im Augenblick noch zweitrangig.