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SG Paar Medelsheim ist im Pokalfinale gegen Göttelborn klarer Außenseiter

Saarlandpokal-Finale : Pokalfinale zwischen David und Goliath

Die SG Parr Medelsheim kämpft am Sonntag um den Saarlandpokal. Gegner Göttelborn tritt mit einer Champions-League-Siegerin an.

Vorhang auf zum finalen Pokalfight. Zum zweiten Mal in ihrer Vereinsgeschichte stehen die Verbandsliga-Fußballerinnen der SG Parr Medelsheim im Finale des Saarlandpokals. Nach dem Halbfinalsieg gegen dem SC Fahlscheid (4:3) beginnt am Sonntag um 15 Uhr, auf dem Rasenplatz der DJK St. Ingbert die Begegnung gegen den Verbandsligameister und Regionalliga-Aufsteiger SV Göttelborn. Es ist die Partie David gegen Goliath. Und Medelsheim, das mit einem Remis gegen St. Ingbert (1:1) am letzten Spieltag punktgleich mit dem SV Dirmingen die Vizemeisterschaft errungen hat, fällt in dieser Konstellation ganz eindeutig die Rolle des David zu.

Denn Göttelborn gewann jedes einzelne Spiel in der Verbandsliga und stieg mit einem Torverhältnis von 130:2 (!) in die Regionalliga auf. Sogar eine Champions-League-Siegerin steht den Paar-Damen am Sonntag auf dem Feld gegenüber. Selina Wagner, die 2013 mit dem VfL Wolfsburg die deutsche Meisterschaft, den DFB-Pokal und den Titel in der europäischen Königsklasse gewann, spielt heute in Göttelborn. Auch SVG-Spielerin Lisa Schüler (20), die letzte Saison beim SC Freiburg in der zweiten Liga spielte, ist ein Kaliber, das man für gewöhnlich nicht in der Fußball-Verbandsliga antrifft. Dementsprechend waren auch die Begegnungen der beiden Mannschaften im Ligabetrieb klare Angelegenheiten. Medelsheim unterlag mit 0:6 und 0:7.

Doch was verbirgt sich hinter der Übermannschaft aus dem Ortsteil der Gemeinde Quierschied? Es ist das derzeit wohl ambitionierteste Frauenfußball-Projekt im Saarland, das der Regionalligist SV Elversberg ins Leben gerufen hat. Die SVE wollte die Göttelborner Mannschaft schon vor der letzten Saison „übernehmen“. In der abgelaufenen Spielzeit sollte das Team deshalb bereits unter dem Vereinsnamen SV Elversberg an den Start gehen. Göttelborn stimmte zu. Doch der Saarländische Fußballverband machte den beiden Vereinen einen Strich durch die Rechnung, genehmigte die Mannschaftsübernahme nicht und somit mussten die Frauen als SV Göttelborn antreten. Aus den mittelfristigen Zielen machen die Verantwortlichen der SVE und des SVG keinen Hehl: Profifußball.

Dass die Damen der SG Paar Medelsheim angesichts dieser Voraussetzungen der Außenseiter sind, ist folglich eine krasse Untertreibung. Ein Pokaltriumph der SG Parr wäre nichts weniger als eine Sensation.

Champions-League-Siegerin und U20-Weltmeisterin Wagner will dem Braten trotz der turmhohen Favoritenrolle aber noch nicht trauen. „Wir wissen alle, wie das im Pokal und in einem Endspiel laufen kann. Wir müssen voll konzentriert an die Sache heran gehen“, fordert die 28-Jährige.

Und auch die Medelsheimer versprechen dem Gegner erbitterte Gegenwehr: „Zunächst einmal sind wir wahnsinnig stolz darauf, dass wir überhaupt das Finale erreicht haben. Der SV Göttelborn hat ganz andere Voraussetzungen und auch ein ganz anderes Budget als wir. Wir werden aber trotzdem alles geben“, kündigt SG-Pressesprecherin Diana Hassler an und verspricht vor allem eine intensive und kämpferische Einstellung. Sie erwartet auch stimmgewaltige Unterstützung von den Rängen. Denn zum Saisonfinale setzen die Bliestälerinnen einen Fanbus ein. Und vielleicht schöpfen die Parr-Damen ja auch ein wenig Hoffnung aus einer alten Legende: Denn wie der Kampf zwischen David und Goliath ausgegangen ist – das dürfte auch den weniger
Bibelfesten bekannt sein.

Bei den Parr-Damen wird die zuletzt verletzte Moly Trunkwald ebenso wieder mit dabei sein wie Torfrau Denise Schöndorf, die zuletzt geschont wurde. „Wir sind stolz auf die Saison und auf den zweiten Platz“, sagt Hassler. Das Team habe aufgrund der „überragenden Arbeit“ von Valerie Fogel auf dem Platz schnell zusammengefunden

Eine Champions-League-Siegerin im Saarlandpokal: Selina Wagner (links), die 2013 mit dem VfL Wolfsburg in der europäischen Königsklasse triumphierte, steht den Parr-Damen im Pokal gegenüber. Es ist nicht die einzige namhafte Spielerin von Gegner Göttelborn, dessen Ziel der Profifussball ist. Foto: picture alliance / dpa/Cornelius Poppe

Derweil liegt der Fokus in Medelsheim nicht nur auf dem Pokalhighlight. Denn bei der SG Parr kündigt sich ein drastischer personeller Umbruch an. Wie Hassler mitteilte, werden Fogel und Sabrina Schwarz den Club verlassen. Das Ziel der beiden sei noch unbekannt. Ihr Karriereende haben Saskia und Marie-Theres Faber sowie Kira Krämer und Denise Schöndorf angekündigt. Kristin Hassler, die in diesem Jahr zu den Aktiven gestoßen ist, beginnt eine Ausbildung und zieht weg. Nana Dahlem und Clara Pilger werden sich dem Landesliga-Aufsteiger DJK Ensheim anschließen. Zudem hört das Betreuertrio Michaela Bersweiler, Diana Hassler und Manuela Weber nach auf. Bleiben wird der Trainer der zweiten Mannschaft Denis Hüther, der laut Hassler einen „Super-Job“ gemacht habe.