Schwimmer der WSF Zweibrücken Große Highlights und ein bisschen Glücksspiel

Zweibrücken  · Zwischen zwei deutschen Meisterschaften wartet auf die beiden WSF-Schwimmer Michael Raje und Lukas Fritzke zum ungeplant frühen Einstieg in die Langbahnsaison ein besonderer Wettkampf.

Nach der Berufung in den Perspektivkader des Deutschen Schwimm-Verbandes darf Michael Raje (im Bild) zusammen mit WSF-Kollege Lukas Fritzke ab Donnerstag beim „Qualification Meet“ in Rotterdam ins Becken.

Nach der Berufung in den Perspektivkader des Deutschen Schwimm-Verbandes darf Michael Raje (im Bild) zusammen mit WSF-Kollege Lukas Fritzke ab Donnerstag beim „Qualification Meet“ in Rotterdam ins Becken.

Foto: Annette Schultetus/ANNeTTe SCHULTETUS

Gefühlt sitzen Michael Raje und Lukas Fritzke in den letzten Wochen des Jahres stets auf gepackten Koffern. Ein Höhepunkt jagt für die beiden Schwimmer der WSF Zweibrücken den nächsten. „Ich habe den Koffer nach der DM zwar ausgepackt, aber direkt nachdem alles aus der Wäsche kam sofort wieder eingepackt“, erzählt Raje lachend. Gerade mal eine Woche waren die beiden nach der Kurzbahn-DM in Wuppertal Zuhause, da ging es am Montag auch schon wieder weiter. Zunächst zum Lehrgang mit der deutschen Nationalmannschaft nach Essen, von dort dann am Mittwoch nach Rotterdam (Niederlande), wo es von Donnerstag bis Sonntag beim international hochkarätig besetzten „Qualification Meet“ ins Becken geht.

Und auch danach ist für die WSF-Schwimmer noch keine Pause angesagt. Mitte Dezember steht mit der vorgezogenen Deutschen Mannschaftsmeisterschaft in Essen, wo Raje, Fritzke sowie der dritte WSFler Leo Ilias Baumann mit dem Team der SSG Saar Max Ritter ins Wasser gehen, ein letztes sportliches Großereignis des Jahres an. „Der DSV hat alle Kurzbahn-Wettkämpfe in den Dezember gelegt, sodass der Blick ab Januar sozusagen auf die Langbahn gerichtet werden kann.“ Doch so lange müssen Raje und Fritzke, die im Sommer bereits bei der Junioren-EM in Serbien für Deutschland gestartet waren, nicht warten: Nach dem Aufstieg in den DSV-Perspektivkader dürfen sie sich bereits in Rotterdam auf der 50-Meter-Bahn zeigen. „Das ist gleich zum Einstieg in die Langbahnsaison ein absolutes Highlight“, freut sich Raje. Auf diese Veranstaltung legten die Bundestrainer um Hannes Vitense „im Hinblick auf die Nominierung für die Jugend-EM 2024 großen Wert“, erklärt Fritzke. Doch nicht nur deshalb ist dieser Wettkampf „speziell“.

Denn im Rotterdamer Schwimmzentrum werden sich auch Topstars die Ehre geben, wird um Normen für die Olympischen und Paralympischen Spiele gekämpft. Und so wird es über die 100 Meter Brust etwa zum Duell zwischen dem Olympiasieger und Weltrekordhalter Adam Peaty aus Großbritannien und dem niederländischen zweifachen Olympia-Silbermedaillengewinner Arno Kamminga kommen. „Das Feld ist schon ein besonderes für uns“, sagt Raje: „Der Wettkampf ist hoch angesehen. Es ist jetzt zwar nicht die megagroße Halle, aber die ganze Vorbereitung, die Organisation, das Drumherum sowie die Finals sind schon ein Highlight. Daher starten auch die Stars. Wenn man sich mit denen im Becken messen darf – wenn man auch noch nicht gegen sie anstinken kann – ist das schon ein Höhepunkt“, sagt er lachend.

Wenn es für die beiden auch nichts ganz Neues ist, zusammen mit Hochkarätern ihres Sports bei Wettkämpfen ins Becken zu gehen. Bei der DM in Wuppertal etwa bekam es Lukas Fritzke über die 800 Meter Freistil im Aktivenfeld, in dem der Zweibrücker Elfter wurde, mit Olympiasieger und Weltmeister Florian Wellbrock (Magdeburg) zu tun. In der JEM-Wertung gewann Fritzke hier in 8:03,47 Minuten Silber. Ebenso wie über seine zweite Strecke, die 200 Freistil (1:48,57 min). „Aus dem vollen Training heraus hier Bestzeit zu schwimmen, war schon gut“, sagt der 17-Jährige, der in Saarbrücken an der Sportschule lebt und trainiert. Es habe zwar „nur“ zum zweiten Platz gereicht, „aber mit der Zeit war ich trotzdem zufrieden“. Über die 800 Meter habe sich Fritzke ein bisschen mehr erhofft, „aber am Ende ist es, was es ist“.

„Der Wettkampf war schon anstrengend“, sagt auch Raje beim Rückblick auf die Kurzbahn-Meisterschaft. Der 17-Jährige bot hier auf allen Lagen Bestzeiten, über die 100 Meter Freistil pulverisierte er seine alte Marke regelrecht und schlug nach starken 49,28 Sekunden an. Insgesamt ging er über sieben Strecken ins Wasser. „Das waren doppelt so viele wie im Vorjahr“. Dennoch ist der viermalige DM-Medaillengewinner gleich montags, wie auch Fritzke, „ohne Einschränkungen“ wieder ins Becken gesprungen, um seine Bahnen zu ziehen. Dann allerdings legte Raje dienstags eine Erkältung flach. Doch seit Freitag ist er wieder im Training „und ich war gar nicht so sehr hintendran, wie ich gedacht habe“. Die Regeneration habe ihm womöglich ganz gutgetan. „Das schadet manchmal nicht, ein, zwei Tage auszusetzen. Ich fühle mich auf jeden Fall gut vorbereitet auf Rotterdam“, sagt der Zwölftklässler des Zweibrücker Helmholtz-Gymnasiums.

 WSF-Schwimmer Lukas Fritzke nimmt in Rotterdam vier Strecken in Angriff.

WSF-Schwimmer Lukas Fritzke nimmt in Rotterdam vier Strecken in Angriff.

Foto: Matthias Fritzke/SSB

Ob da, so kurz nach der DM, bereits wieder Topzeiten drin sind, können Fritzke und Raje nicht ganz genau abschätzen. „Es wird schwierig, mit dem Wechsel von der Kurz- auf die Langbahn gleich die Topleistungen zu bringen“, erklärt Raje: „Man muss sich da meist erst einmal einfinden. Das ist auch ein bisschen ein Glücksspiel, ob man gut reinkommt oder nicht.“ Da Rotterdam im Jahresplan ursprünglich nicht angedacht war, „bin ich gespannt, wie das klappt“. Der Plan sei allerdings schon, richtig gute Rennen beim ersten Auftritt mit dem Perspektivkader hinzulegen, erklärt Lukas Fritzke: „Ich schwimme rasiert – das heißt, ich plane auf jeden Fall, gute Zeiten rauszuholen.“

Fritzke nimmt in Rotterdam ab Donnerstag die 100, 200 und 400 Meter Freistil sowie die 400 Lagen in Angriff. Raje steigt für die 50 Meter Brust, 50, 100 und 200 Freistil sowie die 50 Schmetterling auf den Startblock, erklärt er, dass sie sich die Strecken selbst aussuchen durften. Erneut ein ordentliches Programm, das die beiden WSF-Schwimmer da bis Sonntag abspulen.

Entspanntes Zurücklehnen und Genießen der Vorweihnachtszeit ist aber auch nach der Rückkehr am Montag noch nicht angesagt. Denn kurz darauf werden die Koffer schon wieder für die Mannschafts-DM in Essen gepackt, wo Lukas Fritzke und Michael Raje „einen schönen Jahresabschluss“ erleben wollen.

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