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Schritt für Schritt zurück nach oben

Schritt für Schritt zurück nach oben

Niederwürzbach. Nach dem freiwilligen Rückzug aus der Handball-Bundesliga nach der Saison 1998/99 wurde es still um den TV Niederwürzbach. Runter bis in die Bezirksklasse ging es für den einstigen saarländischen Vorzeigeclub. Langsam findet der TVN aber wieder zu alter Stärke zurück und führt nach der Vorrunde die Saarlandliga an. Merkur -Redakteurin Svenja Hofer hat mit Trainer Christian Schöller über die Ziele und Erwartungen beim Aufsteiger gesprochen.

Herr Schöller, wenn Sie auf die aktuelle Saison blicken, müssen Sie sich häufiger die Augen reiben oder haben Sie von der Mannschaft erwartet, dass sie gleich nach dem Aufstieg solch eine Runde hinlegt?

Christian Schöller: Natürlich sind wir überrascht, dass wir aktuell ganz vorne stehen. Als Aufsteiger war unser Ziel klar gesteckt, schnellstmöglich den Klassenerhalt zu sichern und eventuell einen vorderen Mittelfeldplatz zu belegen.

Werden die Ziele bei dem derzeitigen Erfolg nach oben korrigiert?

Schöller: Das primäre Ziel "Klassenerhalt" hat die Mannschaft nach Ablauf der Vorrunde bereits bravourös erreicht. Wir werden nicht den Fehler machen, unsere oben genannten Ziele zu korrigieren. Nach Fasching stehen direkt schwere Spiele gegen HSG Saarbrücken, HSG Nordsaar und HG Saarlouis 2 an. Die Rückrunde ist noch lang, da kann noch einiges passieren. Wir haben in den letzten beiden Jahren erlebt, was es heißt sich Ziele zu setzen und sich dann Leistungsträger verletzen und längerfristig ausfallen, und dadurch die Zielsetzungen zerplatzen. Aus der Erfahrung heraus tun wir gut daran, einen Schritt nach dem anderen zu machen.

Beschäftigen Sie sich bereits mit einem möglichen erneuten Aufstieg?

Schöller: Es gibt derzeit noch keine Planspiele in diese Richtung. Es ist noch zu früh!

Wäre dieser Schritt in die Oberliga überhaupt zu stemmen für die Mannschaft und den Verein?

Schöller: Wenn sich die Aufgabe stellen würde, würden im Verein alle Kräfte gebündelt, um diese Aufgabe zu stemmen. Wirtschaftliche Risiken werden wir aber ganz sicher nicht eingehen. Es muss alles sauber finanziert sein, einen anderen Weg gibt es nicht! Das ist aber unabhängig von der Spielklasse unser Handlungsprinzip. Grundsätzlich ist es jetzt aber mit Blick auf das Gesamtkonzept zu früh. Speziell mit Blick auf die Heranführung der jungen Nachwuchsspieler an den Kader der ersten Mannschaft.

Was ist das Erfolgsrezept dieser Mannschaft, die Sie erst vor der Saison von Jürgen Hartz übernommen haben?

Schöller: Die Mannschaft ist in den Spielen sehr motiviert und engagiert. Sie verfolgt unbeirrt mit viel Leidenschaft ihr Saisonziel. Auch in Spielen, in denen die Mannschaft zurückliegt, zeigt sie große Moral und zudem einen unbändigen Siegeswillen. Das und die mannschaftliche Geschlossenheit sind sicher ihre größten Stärken.

Sie kamen 2013 nach zweieinhalb Jahren als Trainer bei der VT Zweibrücken II zum TVN zurück, wurden dort als Jugendkoordinator installiert. Hatten Sie damit gerechnet, so schnell das Amt des Erstmannschaftstrainers zu übernehmen?

Schöller: Es war überhaupt nicht geplant, eine aktive Mannschaft zu übernehmen, zumal mit Jürgen ein renommierter Trainer zur Verfügung stand. Mein Aufgabengebiet lag ausschließlich im Jugendbereich.

Lange überlegen mussten Sie als A-Lizenz-Inhaber wahrscheinlich aber nicht, als der Posten im Raum stand? Bei dem derzeitigen Lauf fühlen Sie sich in dieser Rolle wahrscheinlich auch wohl?

Schöller: Da ich mit den Strukturen sowie Zielen des Vereins vertraut war und das Gros der Spieler bereits kannte, fiel es mir natürlich etwas leichter, zuzusagen.

Sind Sie eigentlich auch weiterhin als Jugendkoordinator tätig?

Schöller: In die Jugendarbeit bin ich auch weiterhin involviert. Zudem trainiere und betreue ich zusammen mit unserem Zweit-Mannschaftstrainer Florian Wendel zusätzlich die A-Jugend in der Saarlandliga.

Tragen die Investitionen in den Nachwuchsbereich beim TVN bereits Früchte, vielleicht sogar schon in der ersten Mannschaft?

Schöller: Es sind erste Ergebnisse zu sehen. Sporadisch wurden bereits A-Jugendspieler in der ersten Mannschaft eingesetzt. Sie spielen aber derzeit vornehmlich noch in der zweiten und dritten Mannschaft, um Spielpraxis zu sammeln. Hier sind eindeutig Fortschritte zu erkennen. Unser Konzept richtet sich aber an alle Jahrgänge mit altersbezogenen Schwerpunkten.

Wo sehen Sie die erste TVN-Mannschaft in der Zukunft angesiedelt, in welcher Liga kann die Mannschaft mittelfristig zuhause sein?

Schöller: Die Saarlandliga ist für die Entwicklung der Handballabteilung des TVN jetzt erst einmal ein enorm wichtiger Baustein. Wir sind jetzt erst im dritten Jahr des von uns mittelfristig ausgelegten Trainingskonzeptes. Also eigentlich erst am Anfang. Es gibt noch viele Baustellen abzuarbeiten. Wenn die Entwicklung so weiter verlaufen sollte, muss man sich über neue Ziele verständigen.