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Schritt für Schritt zurück in Spitze

Schritt für Schritt zurück in Spitze

Raphael Holzdeppe ist zurück auf der Wettkampfbühne. Allerdings nicht in alter Form. Noch nicht. Kann man von dem Stabhochsprung-Weltmeister nach seinem Seuchenjahr 2014 so früh in der Saison auch nicht erwarten.

Beim Show-Wettkampf im Merziger Zeltpalast kämpft sich der Zweibrücker aus acht Schritten Anlauf über 5,20 Meter. Holzdeppe hat noch Rückstand nach der Pause. Sechs Monate lang hat er sich nicht mehr mit der Konkurrenz gemessen, zuvor geplagt von Rücken- und Wadenproblemen bei Meetings gequält. Sechs Meter hatte er nach seinem WM-Titel von Moskau 2013 mit 5,91 Metern angepeilt, kam im Sommer aber nicht über 5,53 Meter hinaus und beendet die Saison vorzeitig. Das Gefühl fürs Fliegen, für den angeschlagenen Körper fehlen.

Dabei ist genau dieser das Kapital des Spitzenathleten. Nach Olympia und dem Triumph von Moskau konnte Holzdeppe durch viele Springen und Werbeauftritte Rücklagen schaffen, kann derzeit problemlos von seinem Sport leben. Doch die Monate nach dem WM-Titel seien auch sehr emotional und anstrengend gewesen, erklärt Holzdeppe im Rückblick. Die vielen Reisen, die zahlreichen Termine zehrten an den Kräften des Athleten. So folgte das von mehreren kleinen Verletzungen geplagte Jahr.

Um seinen Marktwert zu halten, weiterhin mit dem Spitzensport sein Geld zu verdienen, will und muss Raphael Holzdeppe wieder zurück in die Weltspitze, wieder vorne angreifen. Gemeinsam mit Trainer Andrei Tivontchik arbeitet er daran, genau das bis zum Sommer, wenn die Weltmeisterschaften in Peking ausgetragen werden, zu schaffen. Trotz seines Rückstands hat der 25-Jährige keinen Grund, an seinem Leistungsvermögen zu zweifeln. Bereits in der Vergangenheit hat der Zweibrücker bewiesen, dass er aus solch tiefen Talsohlen zu noch höheren Höhen ansetzen kann. Schon in ganz jungen Jahren war er in schöner Regelmäßigkeit ganz hoch geflogen. 2008 wurde er als 18-Jähriger U20-Weltmeister, stellte mit 5,80 Metern den U20-Weltrekord auf und erlebte seine ersten Olympischen Spiele in Peking , wurde dort Achter. 2009 gewann der Zweibrücker den Titel bei der U23-EM - als 19-Jähriger. Doch der Transfer dieser glanzvollen Leistungen wollte dem Stabhochspringer danach nicht mehr so recht gelingen. Bis zu den Olympischen Spielen in London 2012. Nach einem durchwachsenen Jahr schraubt er sich dort auf 5,91 Meter, gewinnt Bronze. Nur ein Jahr später triumphiert er bei der WM über Renaud Lavillenie. Der Leichtathlet des Jahres 2013 begeisterte die Zuschauer mit seiner Schnelligkeit, Eleganz und Leichtigkeit.

Davon ist Raphael Holzdeppe noch ein gutes Stück weit entfernt. Der Weg zurück führt über harte Trainingsarbeit, viele Sprünge und Wettkämpfe. Nur so kehren Sicherheit und Automatismus zurück. Zudem muss die absolute Unversehrtheit des Körpers gewährleistet sein, um Höchstleistungen zu vollbringen. Diese werden von Raphael Holzdeppe erwartet. Danach sah es in Merzig am Wochenende zwar noch nicht aus. Doch der Wiedereinstieg ins Wettkampfgeschehen ist ein erster kleiner Schritt von vielen, die Raphael Holzdeppe bis zum Sommer noch machen muss.