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Saibene muss nach Trauerspiel gegen Wehen beim FCK gehen

1.FC Kaiserslautern : Saibene muss nach Trauerspiel gehen

Mutlos, chancenlos – hoffnungslos? Der vom Abstieg bedrohte Fußball-Drittligist 1. FC Kaiserslautern legt im Heimspiel gegen Wehen Wiesbaden (0:1) einen desolaten Auftritt hin, der Trainer Jeff Saibene den Job kostet.

Jeff Saibene sah aus wie der einsamste Mensch der Welt. Die graue Kapuze seines Pullovers tief ins Gesicht gezogen stand der Luxemburger am Samstag im strömenden Regen und verfolgte den trostlosen Auftritt seiner Mannschaft auf dem Betzenberg. Manchmal gestikulierend und dirigierend. Aber die meiste Zeit mit versteinerter Miene. Zu diesem Zeitpunkt wusste Saibene noch nicht, dass es sein letztes Spiel als Trainer des Fußball-Drittligisten 1. FC Kaiserslautern sein würde. Denn wenige Stunden nach der 0:1 (0:0)-Niederlage im Heimspiel gegen den SV Wehen Wiesbaden zog der Verein die Reißleine. Vier Sätze lang war die Pressemitteilung, in der informiert wurde, dass „Jeff Saibene und Co-Trainer Ryszard Komornicki aus sportlichen Gründen mit sofortiger Wirkung freigestellt“ sind und der FCK „über die Nachfolgeregelung zeitnah informieren“ wird. Durch die sozialen Medien geisterten gestern bereits Namen wie Torsten Lieberknecht, Marco Kurz, Marco Antwerpen oder Alois Schwartz. Der Bad Dürkheimer Lieberknecht, zwischen 1992 und 1994 Spieler beim FCK soll aber laut Informationen von Sport 1 ebenso wenig ein Kandidat sein wie Kurz, der die Roten Teufel vor über zehn Jahren als Trainer zurück in die erste Bundesliga geführt hatte.

 Direkt nach dem Spiel gegen Wehen hatte Saibene noch versichert, dass er die Mannschaft weiterhin erreicht. Und sich optimistisch gezeigt, einer bislang völlig verkorksten Saison noch eine Wende geben zu können. Doch dieses Vertrauen hatten die Verantwortlichen nicht mehr. Seit seinem Amtsantritt im vergangenen Oktober hat Saibene nur drei Spiele gewonnen. In diesem Jahr hat der FCK noch überhaupt keinen Sieg gelandet. In den letzten vier Heimspielen gelang den Pfälzern auf dem Betzenberg - einst gefürchtete Trutzburg Fußball-Deutschlands - noch nicht einmal ein Tor. Das erste mal in 58 Jahren Profifußball in Kaiserslautern.

Hatte Saibene zuvor noch für sich ins Feld führen können, dass seine Mannschaft angesichts von zwölf Unentschieden immerhin nur schwer zu besiegen sei und viele der Partien bei besserer Chancenverwertung auch für sich hätte entscheiden können, gingen dem Coach nach dem 0:1 gegen Wehen die Argumente aus. Der FCK, der kurzfristig auf den erkrankten Jean Zimmer verzichten musste, verzeichnete vor dem Seitenwechsel keinen einzigen Torschuss. Auf der Gegenseite war allein FCK-Torhüter Avdo Spahic mit vier starken Paraden dafür verantwortlich, dass die Roten Teufel zumindest mit einem 0:0 in die Pause gingen. Immer wieder verlor Kaiserslautern den Ball in der Vorwärtsbewegung und lud die Gäste zu Gegenstößen ein. Auch in der zweiten Halbzeit lief die Partie fast ausschließlich in Richtung FCK-Tor. Bei zwei Gelegenheiten der Hessen hielt Spahic seine Mannschaft noch im Spiel. In der 69. Minute war dann aber auch der beste Lauterer geschlagen. Wehens Philipp Tietz spazierte auf halblinks ohne große Gegenwehr an den Lauterern Philipp Hercher und Marlon Ritter vorbei und brachte den Ball flach ins Zentrum, wo Kevin Lankford nur noch den Fuß hinhalten musste. Kurz darauf feuerte Lauterns Tim Rieder einen nicht ungefährlichen Fernschuss auf das Wehener Tor ab. Die Szene muss allein deshalb erwähnt werden, weil das bis dahin blütenweiße Dress von SV-Torwart Tim Boss nun ebenfalls ein Fall für den 60-Grad-Gang der Waschmaschine wurde. Insbesondere die beiden Fünfmeterräume auf dem Rasen des Fritz-Walter-Stadions glichen mehr einer Sumpfgrube als einem Fußballfeld.

Ein weiteres Mal eingreifen musste Boss aber nicht. Auf der Gegenseite hätte Wehen noch mehrere Treffer nachlegen können. Zuerst rettete die Unterkante der Latte den geschlagenen Spahic. Dann ein Pfiff von Schiedsrichter Florian Exner, der vor einem vermeintlichen Wehener Treffer ein Foulspiel erkannt haben wollte. Weil Wehen auch in den Schlussminuten weiter Chancen-Wucher betrieb, blieb es beim 0:1 aus FCK-Sicht. Zwar blieb das Debakel aus Ergebnissicht damit aus – ihren spielerischen Offenbarungseid konnten die Roten Teufel damit aber nicht kaschieren.

Das räumte auch Saibene unumwunden ein. „Wenn man sieht, wie Wehen die Bälle vorne festmacht, wie sie die Kopfbälle verlängern, wie sie sich behaupten können und das mit uns vergleicht – dann ist das wie Männerfußball gegen Juniorenfußball“, sagte Saibene am Mikrofon von Magenta Sport. Kapitän Carlo Sickinger meinte: „Wenn ich nach dem Spiel in die Gesichter der Jungs schaue, dann sehe ich, dass keinem egal ist, wie wie spielen. Aber das müssen wir auch in den 90 Minuten auf dem Platz zeigen.“

Auf die Trainerfrage antwortete Verteidiger Alexander Winkler beim SWR noch damit, dass sich „die Spieler an die eigene Nase packen“, müssten. Doch wenige Stunden später hatte der FCK zum zweiten Mal in dieser Saison den Übungsleiter gefeuert. Deshalb, aber auch aufgrund des bereits zweiten Trainerfehlgriffs in dieser Spielzeit, steht auch FCK-Sportdirektor Boris Notzon mehr denn je in der Kritik. Eine vorzeitige Beendigung des Arbeitsverhältnisses mit dem 41-Jährigen, dessen Vertrag Ende Juni ausläuft, scheint in den kommenden Tagen nicht komplett ausgeschlossen.

Der neue Trainer steht vor der schwierigen Aufgabe, eine verunsicherte Mannschaft quasi sofort wieder in die Spur bringen zu müssen. Denn die Situation im Abstiegskampf spitzt sich vor dem Südwest-Derby am nächsten Samstag um 14 Uhr bei Waldhof Mannheim immer weiter zu. Daran, dass das gelingt, bestehen nach dem mutlosen, chancenlosen und gewissermaßen hoffnungslosen Auftritt gegen Wehen aber begründete Zweifel. Auch ein neuer Trainer könnte beim 1. FC Kaiserslautern schnell zum einsamsten Menschen der Welt werden.