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Saarfußball sucht Wege, die Saison zu beenden, Videokonferenzen mit Vereinen

Saisonende im Saarfußball : Per Videokonferenz auf Meinungssuche

Die Verantwortlichen des Saarländischen Fußball-Verbandes wollen mit den Vereinen Wege diskutieren, wie die Saison beendet werden könnte. Abbrechen oder Aussetzen sind wohl die zwei Optionen.

Der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB) hat am Mittwoch die Saison 2019/20 in allen Spielklassen von der Regionalliga abwärts abgebrochen. Die ausgetragenen Partien sind annulliert. Auf- und Absteiger wird es nicht geben. Die Handballer im Saarland sind einen anderen Weg gegangen. Sie haben bereits vor Ostern die Spielzeit beendet. Allerdings steigen die aktuellen Tabellenführer der einzelnen Klassen auf, abgestiegen wird nur auf Wunsch der betroffenen Clubs. Und der französische Fußballverband gab am Donnerstag bekannt, alle Jugend- und Amateurligen bis einschließlich der viertklassigen National 2 einzustellen.

Wie orientiert sich der Saarländische Fußball-Verband (SFV)? Denn auch der Saar-Fußball rollt seit Wochen nicht mehr. Wie es weitergeht, will die SFV-Spitze in zwei Videokonferenzen mit den Vereinen klären. Die erste fand am Donnerstagabend statt, die zweite ist für den Freitagvormittag angesetzt. „Wir wollen uns damit ein Stimmungsbild verschaffen“, sagt SFV-Vizepräsident Adrian Zöhler, der die Konferenzen aus dem heimischen Arbeitszimmer führt, „meine Meinung ist, das beispielsweise Geisterspiele in den saarländischen Amateurklassen keinen Sinn machen. Aber ich möchte dazu die Meinung der Vereine einholen.“

Der Verband sieht derzeit zwei Möglichkeiten im Umgang mit der Krise. „Ein sofortiger Abbruch wäre ein Weg. Hier steht zu befürchten, dass dies etliche Klagen nach sich ziehen würde“, sagt Zöhler. Juristische Auseinandersetzungen könnten aber auch nach einer Entscheidung für die zweite Option drohen. „Seitens des DFB wird aktuell wohl bevorzugt, die Saison auszusetzen und zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr den Spielbetrieb genau an dieser Stelle wieder aufzunehmen“, sagt Zöhler. Zwar müssten dann beispielsweise Fragen zu Wechselfristen und -Modalitäten geklärt werden, die Saison wäre aber sportlich zu Ende geführt. Die Spielklassen für kommende Runde – egal wann sie startet – wären durch Entscheidungen auf den Spielfeldern zu Stande gekommen.

„Über die von uns vorbereitete Spielklassen-Reform müssen wir uns derzeit keine Gedanken machen. Erst müssen wir sehen, wie diese Saison zu Ende geht“, sagt Zöhler. Auf dem außerordentlichen Verbandstag sollte neben der Wahl eines neuen Präsidiums eben auch dieses Thema behandelt werden. Da die Bundesregierung in Abstimmung mit den Ministerpräsidenten am Mittwoch Großveranstaltungen bis Ende August untersagt hat, wird auch die SFV-Versammlung verschoben. „Im Hinblick auf die anstehenden Wahlen und die Möglichkeit für die Kandidaten, sich zu präsentieren, macht es keinen Sinn, den Verbandstag als Videokonferenz abzuhalten“, erklärt Zöhler. Neben dem Versicherungsfachmann und LSVS-Präsidenten Zöhler selbst kandidieren der ehemalige Regierungssprecher Thorsten Klein und Fußball-Lehrer Udo Hölzer für das Amt des SFV-Präsidenten.

Wann der Fußball wieder rollt, wird mit entscheidend dafür sein, wo er künftig überhaupt noch rollen kann. Denn während den Vereinen die Einnahmen aus Spielbetrieb und Clubheimen weggebrochen sind, laufen die Kosten für beispielsweise Strom oder Miete weiter. Zwar ist die Belastung für einige Clubs hoch, in die Knie sei aber noch kein Verein gegangen. „Bis zum Wochenende lag uns keine Meldung vor, dass einem Verein das Wasser bis zum Hals steht“, sagt Zöhler. Vielleicht ist das nach den aktuellen Konferenzen anders.

Über das Internet stehen derzeit auch die Vereine der Regionalliga Südwest und der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar mit ihren Verbänden im Kontakt. Auch hier sind die Meinungsbilder bunt wie die betroffenen Vereine. Ob die österreichische Fußball- oder die saarländische Handball-Lösung Verwendung finden wird, oder ob man einen eigenen Weg beschreitet, ist völlig offen. Adrian Zöhler hofft, „dass wir schnellstmöglich eine bundesweit einheitliche Regelung finden“.