1. Pfälzischer Merkur
  2. Regionalsport

Radsport: Saarland Trofeo startet am Donnerstag in die 33. Auflage

Radsport : Enge Passagen, steile Anstiege und viel Spannung

Nach 27-monatiger Pause kämpfen von Donnerstag bis Sonntag wieder die besten Junioren-Radfahrer – diesmal vornehmlich aus Europa – um den Sieg bei der Saarland Trofeo.

(ski/ott) Sage und schreibe 828 Tage ist es er, dass Hannes Wilksch bei der 32. Auflage zum letzten Gesamtsieger der Saarland Trofeo gekürt wurde. 27 Monate lang mussten die Radsportfans in der Region und die besten Juniorenfahrer ausharren, bis der Startschuss zur 33. Trofeo endlich fallen kann. Im vergangenen Jahr musste das Etappenrennen, das als Teil des UCI-Nations-Cups zu den weltweit bedeutendsten Rundfahrten für den Nachwuchs gehört, coronabedingt erstmals in seiner Geschichte abgesagt werden. 2021 wurde es vom ursprünglichen Termin im Juni in den Herbst verschoben. Und so rollt von Donnerstag bis Sonntag der Trofeo-Tross endlich wieder durch das Saarland, Frankreich und die Pfalz. Vier Tage, fünf Rennen und insgesamt 441,2 Kilometer.

 Gersheims Bürgermeister Michael Clivot, zugleich Präsident des Trofeo-Fördervereins, sprach von einer „sportlich anspruchsvollen Veranstaltung“ für die rund 120 U19-Fahrer aus 14 Ländern, die in 18 Teams antreten. „Wir haben durch Corona in diesem Jahr die Besonderheit, dass nur europäische Mannschaften dabei sind“, erklärt Chef-Organisator Wolfgang Degott. Die Slowenen haben zudem kurzfristig abgesagt, „weil sie Hochrisikogebiet sind“.

 2019 konnte das deutsche Team alle Wertungen für sich entscheiden. Dann kam Corona. Da während der Pandemie nur wenige Nachwuchsrennen ausgetragen wurden, ist schwer abzuschätzen, in welcher Form die Fahrer an den Start gehen. „Das deutsche Team hat immer gute Chancen, aber auch die Dänen sind stark“, erwartet Degott ein offeneres Rennen als vor zwei Jahren. Doch nicht nur für die Sportler, auch für die Organisatoren ist die 33. Auflage in der langjährigen Geschichte seit der Premiere 1988 eine besondere Herausforderung. Trotz der Verschiebung in den Herbst müssen hohe Hürden überwunden werden. Neben den strengen Hygiene- und Kontaktregeln für die Teams, die in einer Blase leben, werde es „bei allen Rennen Zugangskontrollen geben und wir werden an manchen Stellen auch kontrollieren, ob die Zuschauer geimpft, genesen oder getestet sind“, erklärte Clivot, der sich trotz des Aufwands auf die Neuauflage freut. „Wir haben so viel Frankreich in unserem Etappen-Programm wie noch nie und sind in dieser Klasse weltweit das einzige Radrennen, das grenzüberschreitend stattfindet.“

Sogar der Auftakt am Donnerstag erfolgt im Nachbarland. Der Startschuss fällt um 16 Uhr auf dem Gelände des neuen Trofeo-Partners Ineos Automotive in Hambach. Die 85 Kilometer lange Etappe führt über Rémelfing, Saargemünd, Habkirchen und Bebelsheim, bevor sich ein Rundkurs durch Erfweiler-Ehlingen, Wittersheim und Ormesheim anschließt. Dieser Abschnitt „mit engen Passagen“ erinnert Andreas Walzer, Olympiasieger von 1992 aus Homburg, an Klassiker wie die Flandern-Rundfahrt. Walzer erwartet hier „sehr starke Positionskämpfe“ und eine spannende Bergankunft in Ormesheim. Am Freitag nimmt das Feld dann „sehr schwere“ 100 Kilometer von Bexbach nach Münchwies in Angriff. Wie gewohnt haben die Fahrer am Trofeo-Samstag gleich zwei Rennabschnitte vor sich. Am Morgen steht ab neun Uhr das Einzelzeitfahren über elf Kilometer von Brenschelbach über die pfälzische Klosterstadt Hornbach nach Altheim auf dem Programm. „Das ist ein sehr wellliges, sehr selektives Zeitfahren“, betont Walzer. Insbesondere für die Steigung im letzten Drittel müssten die Fahrer die letzten Kraftreserven mobilisieren.

Erstmals seit vielen Jahren ist Homburg nicht mehr Etappenort. Die Stadt habe sich aus finanziellen Gründen zurückgezogen. Damit fällt auch der mit dieser Etappe stets verbundene Abstecher in die pfälzischen Orte Käshofen und Mörsbach weg. Am Samstagnachmittag führen die 112 Kilometer des zweiten Abschnitts somit vom französischen Bitche nach Breitfurt.

Spannung ist zum traditionellen Abschluss in Gersheim am Sonntag angesagt. Auf der „Königsetappe“ über 133 Kilometer ist ein Rundkurs „mit einem sehr steilen Anstieg von Niedergailbach nach Obergailbach“ zu absolvieren, wie Walzer erklärt. Die einen Kilometer lange Steigung werde eine große Herausforderung im Kampf um die Wertungstrikots und den Gesamtsieg. „Insgesamt haben die Sportler auf dieser Strecke fast 2000 Höhenmeter zu bewältigen.“ Nach der Zielankunft wird gegen 14 Uhr der Sieger der 33. Trofeo feststehen.

Ausgefahren werden sechs verschiedene Wertungstrikots: das grüne für den Gesamtsieg, das gestreifte für die Sprintwertung, das gepunktete für den besten Bergfahrer, das rote für den Gewinner des jüngeren Jahrgangs und das blaue für die beste Mannschaft. Neu ist das weiße Trikot, das der aktivste Fahrer bei der Trofeo erhält. Nach Ende des Rennens werde auch die Siegerehrung für den Gesamtsieger der Nations-Cup-Wertung stattfinden, da die Trofeo das letzte Rennen des Jahres ist. „Von daher ist es gar kein schlechter Termin“, sagt Degott.