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Präsidenten der Oberliga RPS haben entschieden: Saison wird annulliert

Handball-Oberliga : Saison in der Handball-Oberliga ist annulliert

Für die VTZ Saarpfalz und den TV Homburg ist die Runde somit vorbei, ehe sie begonnen hat. Aufsteiger könnte es aber trotz des Abbruchs geben.

Mit einem einstimmigen Beschluss haben die Präsidenten der Handball-Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar (RPS) am Donnerstagabend entschieden, die Saison 2020/21 im Erwachsenen- und Jugendbereich mit sofortiger Wirkung zu annullieren. Wegen der sich verschlimmernden Pandemie-Lage wurde in der Oberliga bereits seit Mitte Oktober nicht mehr gespielt. Der TV Homburg und die VTZ Saarpfalz hatten bis dahin noch kein Spiel ausgetragen. Die Oberliga-Damen des SV 64 Zweibrücken standen immerhin zwei Mal auf der Platte und gewannen beide Spiele – die Siege sind nach der Entscheidung vom Donnerstag freilich wertlos.

Wie aus einem Schreiben des geschäftsführenden Präsidenten der Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar, Josef Schmitz, an die Vereine hervorgeht, werde es keinen Absteiger aus der Oberliga geben. Falls Teams aus der 3. Handball-Liga freiwillig absteigen möchten, werden diese in die Oberliga aufgenommen. Aus den Landesverbänden unterhalb der Oberliga RPS werde keine Mannschaft aufsteigen, heißt es weiter. Das betrifft also auch die Saarlandliga, in der der TV Niederwürzbach und die zweite Mannschaft des SV 64 Zweibrücken spielen. Meldeschluss für die neue Saison ist der 30. April.

Für den Trainer des TV Homburg, Mirko Schwarz, war die Entscheidung der Annullierung die einzig richtige. „Seit fast einem Jahr haben wir kein Wettkampfspiel mehr absolviert. Jetzt haben wir Planungssicherheit und können uns – wenn wir wieder in die Halle dürfen – in Ruhe auf die nächste Saison vorbereiten.“ Für den Trainer hätte es keinen Sinn gemacht, die Runde fortzusetzen. Die Vereine hätten mindestens vier Wochen Vorbereitungszeit gebraucht. Auf absehbare Zeit sähe es aber nicht danach aus, dass die Spieler zum Trainieren in die Hallen dürften, argumentiert Schwarz.

Auch für Klaus Biehl, den Vorsitzenden der VTZ Saarpfalz, wäre der eigentlich für einen Re-Start vorgesehene Termin im März nicht haltbar gewesen. Dementsprechend steht auch er der Annullierung der Saison positiv gegenüber. Wäre die Spielzeit verkürzt zu Ende gebracht worden, hätte sich die Frage der sportlichen Fairness gestellt. Eine Vergleichbarkeit wäre dann nicht mehr gegeben gewesen, sagt Biehl.

Rüdiger Lydorf, der Trainer der Oberliga-Damen des SV 64 Zweibrücken, sieht dies ähnlich. Er sagt, die Nachricht von der Annullierung der Saison habe zwar jeder im Verein „irgendwie erwartet“. Kurioserweise sei man beim SV64 letztlich trotzdem ein wenig überrascht gewesen. Mit seinen Spielerinnen möchte sich der 35-Jährige nächste Woche virtuell zusammensetzen. Dann soll besprochen werden, ob etwa regelmäßiges Online-Krafttraining jetzt noch Sinn macht.

Außerdem steht für Lydorf und die SV-Spielerinnen noch eine andere Frage im Raum: Obwohl die Runde für nicht gewertet erklärt wurde, könnte es trotzdem Aufsteiger geben. Wie die Oberliga in ihrem Schreiben in Aussicht stellt, können Vereine, die aufsteigen wollen, bis zum 1. März einen entsprechenden Antrag stellen. Hierfür müssen aber mehrere Bestimmungen des Deutschen Handballbundes (DHB), unter dessen Dach die 3. Liga spielt, erfüllt werden. Unter anderem wird ein umfangreiches Hygienekonzept vorausgesetzt.

Zunächst müsse der SV 64 entscheiden, ob er die Kosten für das Konzept und ebenfalls geforderte regelmäßige Corona-Tests übernehmen würde, erklärt Lydorf. Auch seine Mannschaft müsse sich erstmal darüber klar werden, was es bedeutet, nach fast einem Jahr Pause plötzlich eine Liga höher an den Start zu gehen. Und selbst wenn es von Vereins- und Mannschaftsseite ein „Okay“ gäbe, blieben noch viele „Wenns und Abers“, so der Trainer. Dadurch, dass die SV 64-Herren bereits in Liga 3 spielen, betrete der Verein aber zumindest kein komplett unbekanntes Territorium.

Die Chance auf die 3. Bundesliga möchte der TV Homburg, der erst letzte Saison in die Oberliga aufgestiegen war – und dort noch kein einziges Spiel bestritten hat, ergreifen. Doch wie würden die Aufsteiger überhaupt ermittelt? Dazu steht in dem Schreiben der Oberliga RPS nämlich nichts. TVH-Handball-Abteilungsleiter Jörg Ecker glaubt, dass eine Relegation unter den aufstiegswilligen Teams gespielt wird. „Wenn das der Fall ist, werden wir uns anmelden“, versichert Ecker. Für diese Aufstiegsspiele würden die Vorgaben des DHB für 3. Liga dann schon greifen. Neben einem Hygienekonzept für Training und Spiele müsse auch eine Bürgschaft in Höhe von 10 000 Euro hinterlegt werden, erklärt Ecker. Dazu kommen Corona-Schnelltests vor den Spielen und sogar vor dem Abschlusstraining. Damit der TVH das realisieren kann, setzt Ecker auf die Hilfe der Stadt Homburg, die dem Verein das Erbacher Sportzentrum zur Verfügung stellen müsste. „Wir brauchen eine entsprechende Halle, um überhaupt teilnehmen zu können“, sagt der Abteilungsleiter.

Bei der VTZ Saarpfalz ist man im Hinblick auf einen möglichen Aufstieg skeptischer. „Entschieden haben wir uns noch nicht, aber die Tendenz ist, dass wir das eher nicht machen wollen“, sagt Vorstand Klaus Biehl. Er hält ein solches Vorhaben für „kühn“, immerhin habe die VTZ eine neu zusammengestellte Mannschaft, die ebenso wie der TVH in dieser Saison noch kein Spiel bestritten hat. „Wir wissen gar nicht, wo wir aktuell stehen und ob wir auf dem Niveau mithalten könnten“, gibt Biehl zu bedenken. Außerdem glaubt er, dass auch die nächste Saison coronabedingt chaotisch werden könnte.

Rüdiger Lydorf trainiert die Frauen des SV 64 Zweibrücken und will sich nun mit seiner Mannschaft absprechen, wie es weitergehen soll. Foto: maw/Martin Wittenmeier

Für die VTZ gehe es zunächst darum, die Kaderplanungen abzuschließen und herauszufinden, wo man steht. Zum Beispiel im Rahmen von Freundschaftsspielen. Zuletzt hatte die VTZ durch die Verlängerung mit ihrem Trainerduo Philip Wiese/Kai Schumann bereits wichtige Weichen für die Zukunft gestellt.