DFB-Pokal Der Glaube an die Sensation hält eine Stunde

Homburg · Fußball-Regionalligist FC Homburg liefert erneut einen beeindruckenden DFB-Pokal-Kampf, verliert gegen Zweitliga-Spitzenreiter FC St. Pauli aber 1:4.

 Homburgs Innenverteidiger Laurin Von Piechowski (links) versucht Elias Saad vom FC St. Pauli zu stoppen, der die Hanseaten im Achtelfinale des DFB-Pokals mit seinem Tor zum 2:1 auf die Siegerstraße brachte.

Homburgs Innenverteidiger Laurin Von Piechowski (links) versucht Elias Saad vom FC St. Pauli zu stoppen, der die Hanseaten im Achtelfinale des DFB-Pokals mit seinem Tor zum 2:1 auf die Siegerstraße brachte.

Foto: Markus Hagen

Über eine Stunde lang schnupperte Fußball-Regionalligist FC Homburg an der nächsten Sensation – als das Achtelfinale des DFB-Pokals am späten Dienstagabend gegen den Zweitliga-Tabellenführer FC St. Pauli abgepfiffen wurde, war aber klar: Das grün-weiße Pokalmärchen ist zu Ende. Trotz starken Kampfes mussten sich die Homburger vor 12 232 Zuschauern im Waldstadion den in dieser Saison noch ungeschlagenen Hanseaten mit 1:4 (1:1) geschlagen geben.

Trotz des Ausscheidens verteilte FCH-Trainer Danny Schwarz viel Lob an seine spielerisch naturgemäß unterlegene – aber aufopferungsvoll kämpfende Mannschaft. „Wir haben gegen einen brutal starken Gegner alles gegeben“, sagte Schwarz, dessen Team in den vorangegangenen Pokalrunden mit Erstligist Darmstadt 98 (3:0) und Zweitligist Spvgg. Greuther Fürth (2:1) zwei klassenhöhere Gegner aus dem Wettbewerb geworfen hatte.

Die erneut starke Leistung der Saarpfälzer am Dienstagabend erkannte auch Paulis Trainer Fabian Hürzeler an: „Wir haben uns gegen einen sehr gut verteidigenden Regionalligisten lange schwer getan. Respekt an Homburg. Respekt an die Arbeit von Danny Schwarz, ich wünsche euch den Aufstieg. Ihr habt uns alles abverlangt“, sagte Hürzeler in Richtung des FCH-Übungsleiters.

Der FC St. Pauli hatte im Waldstadion über 90 Minuten deutlich mehr Ballbesitz. Homburg wollte aus einer kompakten Defensive Nadelstiche setzen. Wie auch in den anderen Pokalpartien baute Schwarz auf eine Fünfer-Abwehrkette, in der Laurin Von Piechowski als dritter Innenverteidiger fungierte.

Die erste Möglichkeit des Zweitliga-Spitzenreiters bereitete Tom Kretzschmar im FCH-Tor noch keine Probleme. Bei einem Kopfball von Marcel Hartel (10. Minute) packte der Schlussmann sicher zu. In der 24. Minute war Kretzschmar aber machtlos. Nach einem Eckball St. Paulis hatte kein Homburger den mitaufgerückten Verteidiger Hauke Wahl auf dem Schirm, der am zweiten Pfosten zur Führung traf.

Doch nur vier Minuten später antworteten die Grün-Weißen mit dem Ausgleich. In dieser Szene hatte sich aber offenbar der Fußballgott mit dem FCH verbündet, um eine neuerliche Sensation möglich zu machen. Eigentlich hatte St. Pauli einen Homburger Konter bereits gestoppt. Gästespieler Karol Mets passte den Ball zu seinem Torhüter Sascha Burchert. Doch die Kugel versprang auf dem an dieser Stelle sichtbar ramponierten Rasen und rutschte Burchert über den Fuß. Homburgs Markus Mendler reagierte am schnellsten und drückte das Leder aus kurzer Distanz ins Netz.

Damit war das Homburger Glück aber wohl aufgebraucht, denn kurz vor der Pause wurde eine viel diskutierte Szene gegen die Heimelf ausgelegt. Paulis Lars Ritzka räumte Markus Mendler mit beiden Beinen voraus brutal ab. „Wenn ich das auf Video sehe, Fabi, was ist dein Statement, das ist Rot, oder?“, sagte Schwarz auf der Pressekonferenz nach dem Spiel zu St. Paulis Trainer Hürzeler. Schiedsrichter Martin Petersen beließ es aber bei der Gelben Karte. Video-Assistent Christian Dingert griff nicht ein. „An so einem Tag brauchst du dieses Matchglück – und das wäre so ein kleines Ding gewesen, das uns sehr geholfen hätte. Wir kennen ja sonst keinen Videoassistenten, aber da frage ich mich: Wo ist der“, ärgerte sich Schwarz.

Die rund 9000 Homburger Anhänger unter den Zuschauern waren trotzdem aus dem Häuschen, als es beim Stand von 1:1 in die Kabinen ging. Sie sahen nach dem Seitenwechsel allerdings, wie der Zweitligist immer stärker wurde. Über eine Stunde lang verhinderte Homburg den zweiten Gegentreffer. Doch in der 64. Minute war es passiert. Paulis Eric Smith hatte die zündende Idee, die den Kiezkickern zuvor gefehlt hatte. Einen Querpass von Jackson Irvine zirkelte der Schwede in den Strafraum, wo gleich drei Paulianer frei vor Kretzschmar auftauchten und Elias Saad den Ball ins Tor beförderte – das 1:2. Dingert überprüfte die Szene auf eine Abseitsstellung, doch das Gäste-Trio war schlicht perfekt eingelaufen.

„Es war knapp, aber leider war die Entscheidung richtig, ich habe das Abseits aufgehoben“, ärgerte sich Homburgs Außenverteidiger Max Dombrowka: „Der Treffer war dann der Genickbruch für uns“. Denn innerhalb weniger Minuten machte St. Pauli danach alles klar. Hartel mit einem Traumtor in den Winkel (69.) und Johannes Eggestein (73.) erhöhten für die Norddeutschen auf 4:1. Damit war die Messe gelesen.

„Was das Tempo und das Spielerische angeht, waren wir unterlegen“, räumte Schwarz ein. „St. Pauli ist eben das Maß aller Dinge in der Zweiten Liga, das wurde heute deutlich. Trotzdem haben wir uns gut verkauft.“ Ein wenig ärgerte sich der Übungsleiter, dass sein Team seine zwar seltenen – aber durchaus vorhandenen – Offensivaktionen nicht sauber zu Ende spielte. Philipp Hoffmann kam über rechts drei Mal aussichtsreich nach vorne, fand mit seinen Hereingaben aber keinen Abnehmer. „Da hätte ich mir die eine oder andere klarere Aktion gewünscht. Die Chancen waren da“, sagte Schwarz.

Mendler, der nach dem Foul von Ritzka vorsichtshalber ausgewechselt wurde, meinte: „In der ersten Halbzeit haben wir nicht viel zugelassen. Nach der Pause hat St. Pauli aber zugelegt und wir kamen nicht mehr richtig hinterher. Da wurden die Räume für den Gegner zu groß.“

 „Das 1:2 hat uns den Stecker gezogen. Trotzdem war es eine super Reise für uns, wir können stolz sein“, ergänzte Patrick Weihrauch. Dombrowka meinte: „Wir waren überrascht, dass St. Pauli in Hälfte eins so wenige Lösungen hatte. Wir konnten Nadelstiche setzen. Nach der Pause hatten wir aber gar keine Entlastung mehr. St. Pauli hat verdient gewonnen.“

Homburg hat vor der Winterpause noch eine Partie in der Regionalliga vor der Brust. Am nächsten Sonntag empfängt der Spitzenreiter um 14 Uhr die SG Barockstadt Fulda. „Wir wollen Platz eins mit einem Sieg halten“, sagte Schwarz, der hofft, dass die Achillessehnen-Beschwerden, über die Markus Mendler im Anschluss an das Foul gegen sich klagte, kein Anzeichen einer ernsteren Verletzung ist. Der Ausfall seines derzeit überragend aufspielenden Linksaußen (6 Tore, 14 Vorlagen) wäre ein schwerer Verlust.

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