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Pferdesport: Zweibrückerin Marika Oberle hofft auf Start bei Jugend-DM

Marika Oberle mit guten DJM-Chancen : Mit großem Respekt vor der Höhe ins Rennen

Mit Mamas List gelang der 14-jährigen Marika Oberle aus Zweibrücken ihr bislang größter Erfolg: Bei der Sichtung für die DJM blieb die Reiterin über einem M**-Springen fehlerfrei.

Die Hoffnung stirbt zuletzt: An diese Weisheit halten sich aktuell Marika Oberle sowie ihre Mutter und gleichzeitig Trainerin, Anne Oberle. Während aufgrund von Corona die deutsche Meisterschaft der Reiter endgültig abgesagt wurde, hätte Anne Oberle am dritten Septemberwochenende Zeit, ihre Tochter Marika auf die deutsche Jugendmeisterschaft (DJM) der Springreiter nach Hamburg-Riesenbeck zu begleiten. Das letzte Wort über eine Nominierung von Landestrainer Sepp Gemein steht noch aus, doch die Chancen stehen gut. Sowohl bei ihren ersten Turnierauftritten in Zweibrücken als auch bei dem Sichtungsturnier in Fußgönnheim ritt die 14-Jährige vorwiegend auf das Treppchen. Mit ihrem Lernpferd, dem zehnjährigen Hannoveraner Grafchristo, gewann sie als Zweitschnellste ohne Abwurf Silber im A**-Springen als persönliche Einlaufprüfung und toppte dies mit Gold im L-Springen. In einem spannenden Finale unterbot sie Carla Roth vom RSC Gestüt Etzenbacher Mühle mit Claire beherzt auf kurzen Wegen und in engen Wendungen noch deutlich. „Im M-Springen bin ich dann nur auf null Fehler geritten“, kommentiert die nervenstarke Juniorin ihre fehlerfreie Leistung.

Ihr Lieblingspferd, der neunjährige Hannoveraner Locarno, den sie liebevoll Leo nennt, überrascht dabei immer wieder mit seinen Riesensprüngen. Statt zu erschrecken, zaubern sie der mutigen Reiterin regelrecht ein Strahlen ins Gesicht. Dass sie in dieser anspruchsvoller Prüfung überhaupt gestartet ist, verdankt sie Anne Oberle, die zu einer List griff. „Ich weiß ja, dass Marika das kann“, sagte sie lachend. „Aber ich weiß auch, dass sie sich im Gegensatz zu anderen eher unter- als überschätzt.“ So ließ sie ihre Tochter in dem Glauben, es handle sich um ein leichtes L-Springen bis 1,20 Metern Höhe. „Es hat ausgesehen, wie ein schweres S-Springen“, empfand die Juniorin der Childrenklasse beim Abgehen mit dem selbst hoch erfolgreichen Reiter Andreas Woll. Als sie von ihrer Nationenpreis gewohnten Konkurrentin Britt Roth erfuhr, dass es sich um ein mittelschweres Springen mit gleich zwei Sternen handelt, wurde Marika Oberle nervös. „Es hat mein Adrenalin ganz schön hoch gepeitscht“, erinnert sie sich an die mehr als 1,30 Meter hohen Hindernisse mit überbautem Wassergraben und zwei zweifache Kombinationen und einer Folge von Distanzen, bei denen die Reiter den Pferden helfen müssen, ihren Absprung zu bestimmen. „Das ist wirklich gebaut wie ein L-Springen“, beruhigte sie der erfahrene Andreas Woll geistesgegenwärtig. Ein Satz, der bei Familie Oberle sofort zum geflügelten Wort wurde.

Doch der Respekt vor der Höhe blieb, obwohl Marika und Locarno solche und höhere Sprünge auf der heimischen Anlage auf dem Rechentalerhof in Mittelbach bereits spielend bewältigt hatten. Bis zum Einreiten, dann schaltete die junge, nervenstarke Amazone ganz auf Konzentration auf den Parcours und Vertrauen zu ihrem Pferd um. „Wir haben uns geeinigt, dass ich in Ruhe außen herum reite und null bleibe, nicht auf Zeit mit Abkürzungen“, beschreibt sie die Strategie, die sie tatsächlich mit weißer Weste als 14. die Ziellinie erreichen ließ. Leo, voller Lebensfreude, quittierte die neue Aufgabe mit lustigen Freudensprüngen zwischen den Hindernissen, doch ein „Stöckchen am Hals“ erinnerten den springlebendigen Wallach schnell wieder an seine Aufgabe.

Trainiert wird die 14-Jährige neben Mutter Anne hauptsächlich von dem erfahrenen Landestrainer Children, Karsten Schäfer, in Käshofen. „Das harmoniert einfach.“ Den Feinschliff gibt es dann bei Sepp Gemein. In Riesenbeck würden Marika Oberle bei der DJM Hindernisse wie überbauter Wassergraben oder Tripplebarre erwarten. Da Leo immer gut drauf ist und alles springt, sobald die Reiterin ihr Herz über die Hürde wirft – notfalls auch aus dem Stand – ist Marika Oberle mit ihm bestens beritten. Grafchristo hingegen ist ein launischer Kandidat, mit dem entweder alles gelingt oder gar nichts. Mit dem fünfjährigen Moritz hat sie ihr erstes Nachwuchspferd unter dem Sattel, das sie unter Anleitung von Mutter Anne selbst ausbildet. Der Halbbruder von Anne Oberles Erfolgspferd Crunchip ist ein Spätzünder, der sehr vorsichtig ist und sich nur langsam an steigernde Aufgaben heranführen lässt.

Während der Coronazeit waren Marika und Anne Oberle mit ihren Pferden meist voller Spaß in dem hügeligen Gelände rund um den Stall unterwegs, um sie vor allem zu konditionieren. Ab dem neuen Schuljahr besucht Marika Oberle die neunte Klasse der Mannlich-Realschule-Plus in Zweibrücken. Ihre Lieblingsfächer sind Kunst und Englisch, bis hin zu Filmen und Literatur. Am liebsten jedoch sitzt sie auf dem Pferderücken.