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Pause für den Basketball-Landesligisten VT Zweibrücken dauert an

Basketball : Was bleibt, wenn sich der Staub gelegt hat?

Die Saison in der Basketball-Landesliga ist abgesagt. Denis Rendgen, Spielertrainer der VT Zweibrücken kann die Entscheidung nachvollziehen. Bedauert sie aber dennoch – und befürchtet, dass der Sport durch die nun schon fast ein Jahr andauernde Zwangspause schweren Schaden nehmen könnte.

Es ist kein freudiges Jubiläum, das die Basketballer der VT Zweibrücken in wenigen Tagen begehen werden – im Gegenteil: es ist ein ausgesprochen trauriges. Am 29. Februar vergangenen Jahres bestritten die Korbjäger der VTZ ihr letztes Ligaspiel. Bei der SG Towers Speyer/Schifferstadt gewannen die Zweibrücker mit 102:76 und verteidigten die Tabellenführung in der Landesliga Rheinhessen/Pfalz. Fast ein Jahr ist das nun her. Eine verdammt lange Zeit.

Und die Zwangspause wird noch mindestens ein halbes Jahr andauern. Zumindest im Hinblick auf den organisierten Spielbetrieb. Denn das Präsidium des Basketballverbands Rheinland-Pfalz (BVRP) hat auf einer Videokonferenz am Sonntag auch die Saisons in seinen Landesligen (Rheinhessen/Pfalz und Rheinland) abgesagt (wir berichteten). Zuvor hatte der BVRP in Abstimmung mit dem saarländischen Basketballverband bereits das Aus für die Saison in der Oberliga beschlossen.

Insofern kam die jüngste Entscheidung für VTZ-Spielertrainer Denis Rendgen auch nicht überraschend. „Klar, ein Fünkchen Hoffnungen hatten wir noch. Aber wir waren nicht am Boden zerstört, sondern haben eher gedacht: ‚Wäre doch schön gewesen . . .’“

Ob der BVRP vor seinem Entschluss noch die Konferenz zwischen Bund und Ländern am 3. März hätte abwarten sollen, mag Rendgen nicht beurteilen. „Der Verband hat ja die Vereine befragt, ob sie überhaupt spielen wollen und sie sich vorstellen können, die Saison zu verlängern. Und wie die Resonanz der anderen Clubs ausgefallen ist, weiß ich nicht. Bei uns ist die Inzidenz recht niedrig. Aber das kann ja in Mainz und Ludwigshafen ganz anders aussehen. Und dürften die Vereine dort überhaupt spielen? Stimmen die Hallenträger dem zu? Darüber haben nicht wir, sondern nur der Verband den vollen Überblick“, sagt der 28-Jährige.

Grundsätzlich nachvollziehen kann er die Absage der Saison aber schon. „Ich wage einfach zu bezweifeln, dass wir ab April wieder trainieren dürften. Dann brauchen wir mehrere Wochen Vorlaufzeit, um richtig in Form zu kommen und uns wieder an die spezifischen Belastungen beim Sport in der Halle zu gewöhnen. Das wäre richtig eng geworden. Leider Gottes“, sagt Rendgen.

Dass er das Saison-Aus nachvollziehen kann, heißt aber nicht, dass er es nicht bedauert. „Wir hätten so ziemlich alles für ein bisschen Sport auf uns genommen“, sagt Rendgen und seufzt. Die VTZ hatte dem Verband ihre Bereitschaft signalisiert, ab Mai an einer verkürzten Runde teilzunehmen und die Saison bis Juni oder Juli zu verlängern.

Nun geht die Wartezeit weiter. Die neue Runde wird erst im September starten. Das ist aber nicht der Silberstreif am Horizont, den der VTZ-Spielertrainer im Auge hat. „Für mich wäre es schon ein Highlight, einfach wieder Basketball spielen zu dürfen. Nicht zwangsläufig in der Liga. Die Schuhe schnüren, in der Halle mit den Jungs zocken – und schauen, was nach einem Jahr noch übrig geblieben ist – das ist mein Wunsch“, sagt Rendgen.

Und dass er dafür nicht bis September warten muss, hofft der 28-Jährige sehr. „Vielleicht geht das Ende April oder im Mai wieder“, sagt Rendgen. Ein zweiter Schritt wären dann „entspannte Freundschaftsspiele“ gegen die Teams aus der Region. „Einfach, um als Mannschaft – als Team – mal wieder zusammen auf dem Feld zu stehen“, wünscht sich der VTZ-Coach, dem die Zeit ohne „seinen“ Sport zu schaffen macht. „Mittwochs ins Training zu fahren und ein paar Körbe zu werfen – das vermisst man erst, wenn man es nicht mehr darf“, sagt er.

Ein Zeitvertreib in der Basketball-freien Zeit seien Spiele im TV. Die der Euroleague etwa. Oder die der NBA, zumindest am Wochenende, wenn die Spiele nicht mitten in der Nacht ausgestrahlt werden. Dann drückt Rendgen den deutschen Profis in der US-Liga die Daumen. Daniel Theis von den Boston Celtics. Dennis Schröder von den Los Angeles Lakers. Oder Maxi Kleber von den Dallas Mavericks. „Das ist nett – aber natürlich kein Ersatz dafür, selbst auf den Korb zu werfen. Im Gegenteil: Man wird sogar ein bisschen wehmütig, weil man selbst nicht spielen darf“, räumt Rendgen ein.

Die Sehnsucht bei ihm und seinen Mitspielern endlich wieder auf Körbejagd gehen zu können, ist groß – die lange Zwangspause könnte aber noch weitaus gravierendere Konsequenzen haben, prophezeit Rendgen: „Wir müssen schauen, was nach Corona noch übrig ist. Ein Jahr Pause – das wird sich auf den Basketball, eigentlich auf die ganze sportliche Landschaft auswirken. Das wird eine große Herausforderung“, sagt der 28-Jährige.

Er glaubt nicht, dass alle Mannschaften den Bruch überstehen werden. „Bei uns sieht es Stand jetzt noch gut aus. Unser Team wird zusammenbleiben. Aber ich denke da vor allem an zweite oder dritte Mannschaften größerer Vereine. In denen Familienväter oder ältere Spieler mitwirken. Ob die sich alle wieder ran kämpfen wollen, nachdem der Basketball in ihrem Leben keine oder kaum eine Rolle gespielt hat?“, fragt Rendgen.

Er sorgt sich aber insbesondere um die Nachwuchsarbeit. Auch die der VTZ. Vor Corona hatte die Jugendarbeit der Zweibrücker gerade richtig Fahrt aufgenommen. Der neue Jugendkoordinator Tim Burkholder hatte Trainingscamps an den Wochenenden ins Leben gerufen, gemeinsam mit Rendgen ein Nachwuchskonzept erstellt. Und der Zulauf sprach für sich. Erstmals hatten die VTZ-Basketballer neben den zwei Aktivenmannschaften vier Jugendteams gemeldet: Die U12, U14, U16 und U20.

Zwar sind sowohl die Spielzeit für die zweiten Mannschaft der VTZ (A-Klasse) sowie ihrer Jugendteams im Gegensatz zur Landesliga-Saison noch nicht abgesagt – „aber wir sollten realistisch bleiben. Bei diesen Entscheidungen orientiert man sich in der Regel nach oben. Ich glaube nicht, dass der Bezirk anders entscheidet“, sagt Rendgen.

„Für eine Sportart wie Basketball ist es ohnehin schwer, die Jungs und Mädels in die Halle zu bekommen. Trotzdem waren wir in Sachen Jugendarbeit auf einem guten Weg. Jetzt tut es weh, zu sehen, dass vieles auf Eis liegt, dass der eine oder andere vielleicht die Bindung zum Verein verliert.“, hadert er. Die VTZ versucht gegenzusteuern, den Nachwuchs bei der Stange zu halten. Mehrmals in der Woche bietet Kamel Midani Online-Trainingseinheiten für die Kids an. „Aber Basketball ist ein Mannschaftssport – und da wollen die Kids eben gemeinsam auf dem Feld stehen“, weiß Rendgen. Er ergänzt: „Die Altersklasse U12 ist die, in der die Kinder am meisten mitnehmen. Die Probleme, die sich dort auftun, werden sich erst in ein paar Jahren zeigen“, prophezeit Rendgen.

Den Teufel an die Wand malen, möchte er aber noch nicht: „Vielleicht kommt es ja auch so, dass der Frust und der Bewegungsdrang der Kinder so groß sind, dass sie uns die Halle einrennen, wenn die endlich wieder offen sind. Das wird sich aber alles erst zeigen, wenn sich der Staub nach Corona ein wenig gelegt hat.“

  Spielertrainer Denis Rendgen, der hier den Ball auf seiner Fingerspitze kreisen lässt, und Jugendkoordinator Tim Burkholder geben den Kids der VTZ bei einem Trainingscamp Tipps. Rendgen befürchtet, dass die Nachwuchsarbeit der Basketballvereine aufgrund der fast ein Jahr andauernden Pause Schaden nehmen wird.
Spielertrainer Denis Rendgen, der hier den Ball auf seiner Fingerspitze kreisen lässt, und Jugendkoordinator Tim Burkholder geben den Kids der VTZ bei einem Trainingscamp Tipps. Rendgen befürchtet, dass die Nachwuchsarbeit der Basketballvereine aufgrund der fast ein Jahr andauernden Pause Schaden nehmen wird. Foto: maw/Martin Wittenmeier

Und Rendgen hofft, dass dies schon bald der Fall sein wird. Damit der Nachwuchs am Ball bleibt. Damit die die VTZ keine weiteren traurigen Jubiläen mehr begehen muss. Und damit er bald am Mittwochabend wieder die Sportschuhe schnüren, ins Training fahren – und mit seinen Jungs zocken kann.